In Vielfliegerforen sorgt die Preispolitik der Lufthansa derzeit für Aufregung. Deutschlands größte Airline steht in der Branche schon seit Jahren im Ruf, vergleichsweise hohe Zuschläge zu erheben. Dabei vermeidet das Unternehmen den konkreten Begriff „Kerosinzuschlag“. Auf der Ticketrechnung nennt die Lufthansa solche Zusatzgebühren schwammig einen nationalen beziehungsweise internationalen Zuschlag („international surcharge“), womit auch Wechselkursrisiken oder sonstige Kostensteigerungen gemeint sein können. Aufgeschlüsselt werden die angeblich dahinterstehenden Zusatzkosten nicht.
Bis zu 300 Euro Ticket-Aufschlag
Für Kunden ist also nicht transparent, wofür sie eigentlich genau zahlen. Versteckt sind die Zuschläge auf der Ticketrechnung unter Kürzeln wie YQ und damit zumindest für Laien nur schwer zu durchschauen. In den Tagen nach Beginn des Krieges in der Golfregion sind diese Aufschläge offenbar noch einmal gestiegen. Wie das Fachportal „Meilenoptimieren“ errechnet hat, haben sie sich im Vergleich zum Dezember bei einem Hin- und Rückflug um bis zu 300 Euro verteuert.
Weniger Strecke, mehr Aufschlag?
Besonders betroffen von den höheren Gebühren sind Verbindungen auf den amerikanischen Kontinent. Bei genauerem Hinsehen fallen auch Widersprüche auf. Denn die Zuschläge sind auf einigen kürzeren Strecken laut der Studie erheblich höher als auf langen Verbindungen, auf denen eigentlich mehr Kerosin verbraucht wird. So zahlen Passagiere für den knapp neun Stunden langen Direktflug von Frankfurt nach New York je nach Reiseklasse teils erheblich mehr Zuschlag als Reisende nach Buenos Aires, obwohl der Flug in Argentiniens Hauptstadt fast fünf Stunden länger dauert.
Teure Tickets trotz abgesicherter Spritpreise
Verbraucherschützer stellen schon lange die grundsätzliche Frage, inwieweit solche Zuschläge überhaupt gerechtfertigt sind und verweisen unter anderem auf die Einkaufspolitik der Lufthansa. Auf seiner eigenen Investorenseite und in seinen Geschäftsberichten rühmte sich der Konzern nämlich unter dem sperrigen Stichwort „Treibstoffpreisänderungsrisiken“ immer wieder, die Einkaufskosten für den überwiegenden Teil seines Sprits langfristig abzusichern. Konkret ist von bis zu 85 Prozent die Rede.
Treibstoffzuschläge – wo sind sie verboten?
Staatlich kontrolliert werden solche Zuschläge übrigens hierzulande nicht, während einige – vor allem asiatische – Staaten Kerosinzuschläge entweder ganz verbieten oder zumindest streng reglementieren. Darunter sind Hongkong, Taiwan, die Philippinen oder auch Brasilien. Darüber hinaus gibt es auch Airlines, die grundsätzlich auf Zuschläge verzichten. Bekanntestes Beispiel ist der irische Billigflieger Ryanair, der in der Vergangenheit auch schon großformatig den Slogan „Garantiert kein Kerosinzuschlag“ plakatiert hatte. Auch Ryanair sichert seine Kerosinkäufe mit einem Vorlauf von bis zu 24 Monaten ab.

