Noch vor einigen Jahren war die Enforce Tac eine überschaubare Veranstaltung. Doch diese Zeiten sind vorbei, seit Europas Armeen so viel Geld in neue Ausrüstung investieren wie seit Jahrzehnten nicht. Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der Zeitenwende-Rede des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz ist die Fachmesse rund um Sicherheits- und Verteidigungstechnologien rasant gewachsen.
In diesem Jahr füllen 1.300 Aussteller aus aller Welt sieben Hallen auf dem Nürnberger Messegelände, darunter auch die große Frankenhalle. Allein im Vergleich zum Vorjahr ist die Branchenschau der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie noch einmal um rund 30 Prozent gewachsen.
Rüstungsbranche im Aufwind
Die Branche ist eine der wenigen, die auch im allgemeinen Konjunkturtal stark zulegt, besonders in Bayern. Dazu kommt, dass das Thema Verteidigung in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr automatisch das einstige Schmuddel-Image anhaftet. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Schirmherrschaft über die Messe übernommen hat.
In seinem Grußwort (externer Link) nannte Merz die Enforce Tac eine hochrelevante Veranstaltung. Sie stehe für einen ganzheitlichen und integrierten Sicherheitsansatz und bringe Entscheiderinnen und Entscheider aus Behörden, Streitkräften, Politik, Wissenschaft und Industrie zusammen.
Branchenriesen und Start-ups vor Ort
Auch die Ausstellerstruktur bei der Enforce Tac hat sich geändert. Waren früher vor allem kleinere Spezialanbieter für Geräte wie Pistolen und Holster, Schalldämpfer oder Nachtsichtgeräte für Polizei und Spezialeinheiten in Nürnberg vertreten, präsentieren sich inzwischen auch Branchengrößen der Rüstungsindustrie wie Rheinmetall, Diehl, MBDA Deutschland oder KNDS – und das teils mit schwerem Gerät.
Sie konkurrieren dabei mit Start-ups um die Aufmerksamkeit der Besucher. So zeigen gleich mehrere junge Firmen zum Beispiel unbemannte kleine Panzer. Arx Robotics aus München präsentiert dabei die neueste Variante seines Fahrzeugs Gereon, das mit dem Panzerabwehrsystem Enforcer des bayerischen Traditionsunternehmens MBDA Deutschland ausgestattet ist. Arx Robotics, dessen Systeme unter anderem auch bei der Bundeswehr zur Drohnenabwehr im Einsatz sind, ist nach eigenen Angaben der wichtigste westliche Lieferant der Ukraine für unbemannte Landsysteme.
Allerdings droht dem Unternehmen nun Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft. Denn die bisher als Hersteller fliegender Drohnen bekannte Firma Quantum Systems aus dem oberbayerischen Gilching zeigt auf der Messe mit einem Gerät namens Mandrill erstmals ein unbemanntes Fahrzeug für den Bodeneinsatz.
Auch zahlreiche „zivile“ Unternehmen aus Bayern auf der Messe
Neben Spezialisten für Waffensysteme präsentieren sich auf dem Nürnberger Messegelände auch zahlreiche Firmen, die man eher aus der zivilen Welt kennt. Aus Branchensicht ist das logisch. Denn die Bundeswehr wird in den kommenden Jahren nicht nur Waffen kaufen, sondern auch Milliarden in die sonstige Ausrüstung der Truppe investieren, vom Kampfstiefel bis zur Uniform, vom Küchencontainer bis hin zu Fertiggerichten. Und das in sehr großen Stückzahlen.
Deswegen setzen renommierte Outdoor-Marken aus Bayern vermehrt auf Behörden und Militärs als Kunden. Darunter sind unter anderem Schöffel und Lowa sowie die deutsche Niederlassung des Textil-Spezialisten Gore Fabrics (Gore-Tex) in Putzbrunn. Andere „fachfremde“ bayerische Firmen sind inzwischen ebenfalls in das Geschäft mit der Ausstattung von Soldaten eingestiegen. Dazu gehört auch die oberbayerische Firma Romold, nach eigenen Angaben europäischer Marktführer für Kanal- und Kabelschächte aus Kunststoff. Inzwischen stellt das Unternehmen auch Schützengrabensysteme her.
Messe Enforce Tac will weiter wachsen
Künftig soll die Veranstaltung mit politischer Unterstützung noch weiter wachsen und eine europäische Führungsrolle einnehmen. Dazu findet während der Messe ein runder Tisch zur künftigen Positionierung statt, für den sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) angekündigt hat. Es gehe darum, die in den vergangenen Jahren erreichte Position Nürnbergs als Leitmesse der Verteidigungsindustrie zu halten und womöglich auszubauen, heißt es in Industriekreisen.
Denn angesichts rasant wachsender Verteidigungshaushalte und zahlreicher neuer Anbieter von Militärgerät versuchen derzeit zahlreiche Messeanbieter, ein Stück von diesem großen Kuchen abzubekommen. Unter anderem will die Londoner Rüstungsmesse DSEI im kommenden Jahr einen deutschen Ableger in Hannover starten. Die Enforce Tac will hier mit dem Fokus auf Innovationen auch von Start-ups sowie der Vernetzung von Militär, Wissenschaft und Wirtschaft punkten und sich von der Konkurrenz absetzen.

