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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Empörung über Gaza-Rede auf Berlinale
Kultur

Empörung über Gaza-Rede auf Berlinale

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. Februar 2026 09:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Die auf der Berlinale-Bühne erhobenen Vorwürfe des Völkermords gegen Israel und der deutschen Komplizenschaft haben Empörung in der deutschen Politik hervorgerufen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ bei der Preisverleihung am Samstagabend aus Protest den Saal, als der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib eine Ansprache hielt. Der Autor des prämierten Films „Chronicles From the Siege“ warf Israel Völkermord vor und sagte mit Blick auf die Bundesregierung: „Sie sind Partner des israelischen Genozids in Gaza.“ Man merke sich jeden, der an der Seite der Palästinenser stehe, und jeden, der auf der anderen Seite sei.

Inhaltsübersicht
„Abstoßende Szenen bei der Preisverleihung“Wegner beklagt pauschale SchuldzuweisungenFestivalleiterin: Berlinale kann Konflikte der Welt nicht lösen

„Abstoßende Szenen bei der Preisverleihung“

Schneider war der einzige Vertreter der Bundesregierung bei der Berlinale-Preisverleihung. Ein Sprecher seines Ministeriums erklärte, der Bundesminister halte die Aussagen Alkhatibs „für nicht akzeptabel“ und habe daher während der Rede die Veranstaltung verlassen. Israels Botschafter Ron Prosor lobte Schneider in der „Bild“-Zeitung [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] für dessen „moralische Klarheit“. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wies den Vorwurf Alkhatibs zurück. „Diese Falschbehauptungen sind bösartig und vergiften die politische Debatte. Sie zerstören die Würdigungen der Filmkunst auf der Berlinale.“

Aus der Union kam ebenfalls scharfe Kritik an der Rede. „Völkermord-Vorwürfe, antisemitische Ausfälle und Drohungen gegen Deutschland auf der Berlinale sind absolut inakzeptabel“, erklärte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann am Sonntag auf der Plattform X. „Die abstoßenden Szenen bei der Preisverleihung unterstreichen die Notwendigkeit, klar Stellung zu beziehen und Antisemitismus als besonders schweren Fall der Volksverhetzung einzustufen.“

Wegner beklagt pauschale Schuldzuweisungen

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung: „Die sich hier als Pro-Palästina-Aktivisten inszenieren, geht es nicht um Menschenrechte. Es geht ihnen nicht um Dialog, nicht um Frieden, nicht um differenzierte Kritik“. Es gehe ihnen allein um „Israel-Hass“. Die Preisverleihung sei missbraucht worden, „um pauschale Schuldzuweisungen und ihre Doppelmoral zu verbreiten, demokratische Institutionen zu diffamieren und moralische Tribunale zu inszenieren“. Wegner lobte aber die Festivalleitung. Tricia Tuttle und Wim Wenders hätten alles dafür getan, um der Berlinale „einen würdigen Rahmen zu geben“ und mit „Feingefühl, Offenheit und Dialogbereitschaft“ durch das Filmfestival geführt.

Auch abseits der Rede Alkhatibs war der Gazakrieg Thema bei der Preisverleihung: So beklagte die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm „Yawman ma walad“ („Someday a Child“) ausgezeichnet wurde, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden. Das Hamas-Massaker vom 7. Oktober erwähnte sie nicht. Moderatorin Désirée Nosbusch erklärte danach, sie sei sich „sicher, dass unsere Herzen bei all den Menschen sind, die leiden, sei es durch Kriege oder durch Terrorismus“.

Festivalleiterin: Berlinale kann Konflikte der Welt nicht lösen

Zu Beginn des Abends war Festivalleiterin Tuttle auf die Kritik mehrerer Filmschaffender an der Berlinale in Bezug auf den Gazakonflikt eingegangen. Kritik zu üben sei Teil der Demokratie, betonte Tuttle. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. „Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen.“ 

Mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton, hatten in einem offenen Brief das „Schweigen“ der Berlinale zum Gazakrieg kritisiert. Die Berlinale ist das wichtigste Filmfestival in Deutschland und eines der bedeutendsten weltweit.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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