Taha (27) ist Physiotherapeut. Zu ihm kommen Menschen, die beispielsweise nicht mehr ohne Schmerzen aufstehen können, deren Rücken nach Jahren im Büro streikt oder die sich an ihre Hüftprothese gewöhnen müssen. Jede Sitzung dauert 20 Minuten, das ist durch die gesetzliche Krankenversicherung vorgegeben.
In der Zeit lässt er seine Patienten verschiedene Übungen machen oder legt selbst Hand an, falls etwas staucht. Er selbst würde sich eine längere Behandlungszeit wünschen, um sich voll auf seine Patienten konzentrieren zu können. Er baut körperliche Kraft und Ausdauer seiner Patienten auf und setzt dabei seine eigene aufs Spiel. „Viele Kollegen von mir haben mit der Physio aufgehört“, erzählt Taha. Manchmal behandelt er 30 Patienten an einem Tag, ohne eine richtige Pause.
Neuanfang in Deutschland – der lange Weg der Anerkennung
Taha wuchs in der Türkei auf, absolvierte dort ein Physiotherapie-Studium und legte als Gründer einer eigenen Praxis los. Schon immer war es sein größter Wunsch, im Ausland zu arbeiten. Ein Freiwilligendienst in einer Potsdamer Kita weckte den Wunsch, dauerhaft nach Deutschland zu ziehen. Der Weg in den Beruf war allerdings nicht einfach. Da die deutsche Physiotherapie eine klassische Ausbildung erfordert, wurde seine Qualifikation nicht ohne weiteres anerkannt – obwohl er in der Türkei Physiotherapie studiert hatte. Auch die Stunden in seiner eigenen Praxis in der Türkei konnten ihm nicht angerechnet werden, da diese nicht beim türkischen Gesundheitsministerium lizenziert war.
Er startete also fast bei null: Für die Anerkennung musste er ein einjähriges Nachholpraktikum absolvieren, die Praxisstunden nachholen und eine Abschlussprüfung ablegen. Während dieser Qualifizierungsphase erhielt er ein Bruttogehalt von 2.800 Euro. Die Gesamtkosten des Anerkennungsverfahrens von etwa 10.000 Euro blieben ihm erspart – sie wurden vollständig von seinem Arbeitgeber gestemmt.
Ausländische Fachkräfte treffen oft auf Schwierigkeiten in Deutschland
Taha ist nicht die einzige gelehrte Fachkraft, die nach Deutschland gekommen ist, um hier zu arbeiten, und deren Studium nicht anerkannt wird. Auch Ärzte, die momentan besonders in Bayern gebraucht werden, treffen auf dieselben Schwierigkeiten. Erst vor Kurzem hatte der BR über einen türkischstämmigen Chirurgen berichtet, der wegen bürokratischer Schwierigkeiten wieder in die Türkei zurückgekehrt ist.
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (WI) zeigt, dass Deutschland bis 2029 rund 723.000 Fachkräfte fehlen könnten, das ist doppelt so viel wie im Jahr 2025. Grund dafür ist unter anderem ein fehlender Anteil ausländischer Fachkräfte. Manche warten auf ihre Anerkennung, manchen wird die Ausbildungserlaubnis verweigert.
Was verdient ein Physiotherapeut?
Taha verdient zurzeit ein Einstiegsgehalt, da seine Anerkennung als Physiotherapeut in Deutschland erst seit diesem Jahr gilt. Zu seinen 3.500 Euro brutto bekommt Taha vom Arbeitgeber einen Gutschein über 50 Euro. Dieser ist steuerfrei und kann für Lebensmitteleinkäufe oder für das Tanken eingelöst werden. Monatlich sind das 2.328 Euro netto. Jährlich bekommt Taha auch Geburtstagsgeld in Höhe von 60 Euro und 150 Euro Urlaubsgeld.
Neben seiner Ausbildung absolviert Taha verschiedene Weiterbildungen. Denn: Jede Weiterbildung kann sein Gehalt um etwa fünf bis zehn Prozent steigern. Durchschnittlich verdienen Männer mit „Spezialistentätigkeiten“ in der Physiotherapie monatlich rund 3.648 Euro brutto. Das ergeben Zahlen der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.
Taha ist ehrlich: „Mit meinem Gehalt bin ich nicht zufrieden.“ Er betont aber, dass das nicht heißt, man könne davon nicht leben. Taha leistet täglich viel körperliche Arbeit, deshalb will er für seine Leistung besser bezahlt werden.

