Passagiere der Lufthansa müssen an diesem Donnerstag mit Flugausfällen und Verspätungen rechnen. Grund sind gleichzeitige Arbeitskampfmaßnahmen der Piloten und Flugbegleiter über den ganzen Tag. Bestreikt werden sollen sämtliche Starts ab Deutschland. Auch Frachtflüge sind betroffen.
Aufgerufen haben die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten und die Kabinengewerkschaft Ufo für die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Offiziell streiken die Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen gestimmt haben.
Streik soll Verhandlungen zu Tarifverträgen erzwingen
VC-Präsident Andreas Pinheiro wies der Lufthansa die Verantwortung für den Streik zu: „Wir hätten eine Eskalation sehr gerne vermieden.“ Die Gewerkschaft sei „jederzeit gesprächsbereit“ gewesen und habe „mehrfach versucht, Bewegung in die Verhandlungen zu bringen“.
Ufo will ohne Urabstimmung mit einem Warnstreik Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan. Laut einem Mitgliederrundschreiben würden Verhandlungen vom Management verweigert. Bei der Kerngesellschaft warte man bislang vergeblich auf Verhandlungen zum Manteltarifvertrag.
Lufthansa will betroffene Passagiere benachrichtigen
Die Lufthansa forderte die Gewerkschaften auf, die Gespräche wieder aufzunehmen. „Wir sind jederzeit dazu bereit“, erklärte das Unternehmen: „Die extrem kurzfristige Ankündigung der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit, am Donnerstag streiken zu wollen, trifft unsere Fluggäste extrem hart und unverhältnismäßig.“ Tragfähige Lösungen könnten nur im Dialog gefunden werden, Streiks müssten stets das letzte Mittel bleiben. Das Unternehmen will Kunden, deren Flüge betroffen sind, benachrichtigen.
Crews verdienen weniger bei City Airlines und Discover
Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger kritisierte, unter den Schlagworten „Produktivität“ und „Flexibilität“ verlange Lufthansa weiter tarifliche Verschlechterungen, die sich unmittelbar auf die Arbeitsbelastung und die ohnehin stark eingeschränkte Planbarkeit des Privatlebens auswirken würden. Gleichzeitig verweigere der Arbeitgeber jede ernsthafte Diskussion über Schutzmechanismen, mit denen die Kabinenbeschäftigten vor den Folgen des vom Konzern eingeschlagenen Kurses abgesichert werden könnten.
Gemeint ist hier die Konzernstrategie, mit neuen Flugbetrieben die etablierten Betriebsteile unter Druck zu setzen. Der Vorstand hat vor wenigen Jahren die Flugbetriebe Lufthansa City Airlines und Discover mit dem erklärten Ziel gegründet, dort zu kostengünstigeren Tarifbedingungen zu fliegen. Dies gelingt vor allem, weil dort die Crews weniger verdienen. Laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann im Konzern Wachstum nur dort stattfinden, wo Geld verdient wird.
Lufthansa-Töchter: Wenig Transparenz für Kunden
Am Dienstag hatte der Lufthansa-Konzern bekanntgegeben, dass die neue Gesellschaft City Airlines nun erstmals auch das Drehkreuz Frankfurt bedient. Bis zum Herbst soll die Flotte am Rhein-Main-Flughafen auf sieben Flugzeuge vom Typ Airbus A320 mit der neuesten Triebwerksgeneration wachsen. Bislang sind 13 Flugzeuge der 2024 gegründeten Plattform am zweiten Drehkreuz in München stationiert.
Für Passagiere ist kaum zu erkennen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen, weil City Airlines voll in den Lufthansa-Flugplan integriert ist und auch keine eigenen Tickets verkauft. Ein ähnliches Konzept verfolgt der Konzern bei der Tochter Discover, die auch Fernflüge anbietet. Hier hat die Konkurrenzgewerkschaft Verdi Tarifverträge für Kabine und Cockpit abgeschlossen.
Mit Informationen von dpa, AFP und Reuters

