Eine solche Entwicklung hat Kerstin Köglmeier auch noch nicht erlebt. Seit 30 Jahren ist die Gold- und Silberschmiedemeisterin im Geschäft. Und jetzt kennen die Preise für die Rohstoffe, mit denen sie arbeitet, fast nur eine Richtung – nach oben.
Schmuck: Kunden kaufen gezielt und hochwertig
Bei den Kunden merkt sie eine zweigeteilte Entwicklung. Im mittleren Bereich sei es gerade „wirklich mau“. Die Kunden würden ihr Geld zusammenhalten und wollten auch nicht mehr so viel ausgeben. Im höherpreisigen Segment sei es egal, was ein Schmuckstück koste. Hier werde weiter gekauft. Die Kunden wüssten ja selbst, dass die Produkte wegen der höheren Gold- und Silberpreise teurer geworden seien, und würden dies auch zahlen.
Eine Beobachtung, die auch Stephan Lindner macht. Er hat nicht nur ein Juweliergeschäft in München, sondern ist auch Präsident des Bundesverbandes der Juweliere, Uhren- und Schmuckfachgeschäfte. Die mittlere Kundenschicht breche weg, im höherpreisigen Segment hingegen sei der Kunde durchaus bereit, Geld auszugeben, bestätigt er im Gespräch mit BR24.
Hohe Gold- und Silberpreise bringen auch Probleme mit sich
Die gestiegenen Preise sind auch Thema auf der Uhren- und Schmuckfachmesse Inhorgenta, die derzeit in München stattfindet. Beklagen kann sich die Branche nicht, der Umsatz der Fachgeschäfte ist vergangenes Jahr um 2,1 Prozent nach oben gegangen. Die Kunden würden gezielt und hochwertig kaufen. Das Motto sei „wenn, dann richtig“.
Allerdings bringen die rasant gestiegenen Rohstoffpreise die Branche in eine schwierige Lage. Das bestätigt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien, Guido Grohmann, im Interview mit BR24. So wollten die Banken mehr Bürgschaften und die Versicherungen höhere Prämien, es sei wesentlich teurer, seine Lager zu füllen. Außerdem sei es viel komplizierter geworden, gut zu kalkulieren. Ein Unternehmen, das eine Kollektion auf den Markt bringe, müsse einschätzen, wohin sich der Goldpreis entwickle, um den Preis eine Zeit lang halten zu können.
Trauringe: Kunden gehen auf geringere Legierungen
Bei Trauringen wird der Preis in der Regel auf Basis der aktuellen Edelmetallpreise kalkuliert. So komme es immer häufiger vor, dass Kunden statt 750er Gelbgold auch den Preis für einen Ring in einer 585er Legierung, die etwas weniger Gold enthält, wissen wollten, beobachtet Juwelier Stephan Lindner. Die Preise hängen dabei von vielen Faktoren ab.
Der beispielhafte Blick auf einen Trauringkonfigurator im Internet zeigt, dass etwa ein Modell, das in 750er Gelbgold knapp 1.100 Euro kostet, in 585er Legierung mit etwa 730 Euro rund ein Drittel günstiger zu haben ist. Bei weißem Material sei außerdem Platin das Gebot der Stunde, meint Stephan Lindner. Das bestätigt auch Guido Grohmann vom Industrieverband. Platin sei zwar auch teurer geworden, aber nicht so exorbitant wie Gold. Jetzt biete man einem Kunden, der sich früher für einen Ring aus Weißgold entschieden hätte, auch schon mal einen Platinring an.
Hoher Goldpreis – Kosten weitergeben oder nicht?
In manchen Fällen werde der Händler bei goldhaltigen Produkten auch auf Marge verzichten, um dem Kunden immer noch den Anreiz für einen attraktiven Kauf zu bieten, meint Stephan Lindner. Zumal er derzeit keine Beruhigung auf dem Goldmarkt sehe.
Die Gold- und Silberschmiedin Kerstin Köglmeier aus Miesbach ist da anderer Meinung. Sie gebe die gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kunden weiter und weigere sich, Abstriche bei der Marge zu machen. Wer wolle, der würde diese auch zahlen.

