Eine Suchterkrankung ist gefährlich für die Gesundheit, kann Familien zerreißen und den Job kosten. Um dem entgegenzuwirken gibt es Präventionsangebote – auch am Arbeitsplatz. Laut einer aktuellen Umfrage des Gesundheitsministeriums [externer Link], setzt jedes siebte Unternehmen auf solche Angebote.
Engagement hängt von Betriebsgröße ab
300 Unternehmen wurden zur betrieblichen Suchtprävention befragt. Martin Heyn vom Bayerischen Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung in München wertete die Studie aus und betont: „Jedes siebte Unternehmen hat Suchtprävention als Maßnahme für Führungskräfte und Beschäftigte fest eingeplant, doch das Engagement hängt von der Betriebsgröße ab.“
Mehr als die Hälfte der bayerischen Großunternehmen mit betriebsärztlichen Dienst sind laut der Umfrage bereits aktiv bei der Suchtprävention. Auch Mittelständler sehen darin Vorteile, etwa das Autohaus Mainzl-Group.
Suchtprävention auch für Azubis
Serviceleiter Werner Orendi hat für 30 Azubis jetzt erstmals einen speziellen Suchtpräventions-Workshop organisiert: „Uns ist die Gesundheit unserer Auszubildenden wichtig, dazu gehört auch ein bisschen bewusster mit Suchtgefahren umzugehen – ob beim Handy, vielleicht beim Bier, oder anderen Themen.“ Wichtig ist Orendi, in einem Familienbetreib gemeinsam für ein gutes Betriebsklima zu sorgen.
Prävention in Kleinbetrieben noch wenig verbreitet
In kleineren Betrieben ist die Suchtprävention noch nicht besonders verbreitet: Bislang haben dieses Thema erst 7,4 Prozent der Kleinbetriebe im Blick und gerade einmal 3,4 Prozent der Kleinstbetriebe. Ein Grund: Fehlende Kapazitäten und mangelndes Bewusstsein für Suchtgefahren und die Vorteile der Prävention.
Ein investierter Euro spare laut Umfrage den Betrieben zwischen fünf und zehn Euro, weil Prävention nachweislich sinkende Produktivität in der Arbeitszeit und lange Ausfallzeiten für eine Behandlung vermeiden könne.
Handwerkskammer und Ministerium klären auf
Michael Hadersdorfer von der Handwerkskammer München und Oberbayern erläutert: Insbesondere kleine Handwerksbetriebe würden sich nur sehr selten mit diesbezüglichen Beratungsanliegen an die Handwerkskammer wenden. „Aus Sicht meiner Sozialrechtsberatungen ist Sucht ein Randphänomen.“ Trotzdem hat die Kammer bereits Aufklärungsveranstaltungen zur Sensibilisierung organisiert.
Laut Bayerischem Gesundheitsministerium sind Aushänge mit Hilfestellen im Betrieb ein erster wichtiger Schritt. Dafür haben Gesundheitsministerium und LGL kostenfreie Materialien und Flyer [externe Links] zur betrieblichen Suchtprävention online gestellt. Experte Heyn betont, Unfall- und Krankenkassen fördern wirksame Suchtpräventionsmaßnahmen in Betrieben: mit bis zu 600 Euro pro Person im Jahr, es gebe auch steuerliche Anreize.
Suchtproblematik verschiebt sich
Bei der betrieblichen Suchtprävention sei Alkohol ein Dauerthema, sagt Präventionsexperte Martin Heyn. Demnach nehme der Konsum – auch von Zigaretten – zwar tendenziell ab, doch andere Suchtmittel wie Nikotinbeutel, Aufputschmittel oder Kokain verbreiten sich. Auch die Smartphonenutzung, beschäftige Unternehmer, denn anders als eine regelmäßige Alkoholfahne am Arbeitsplatz, seien die Alarmzeichen für eine Mediensucht schwieriger zu erkennen und zu deuten.
Die Nachfrage nach Präventionsworkshops zu diesem Thema wächst, erklärt Suchtexperte Maximilian Schwarzkopf von der Rosenheimer Präventions- und Suchthilfe neon. Der Coach gibt deshalb regelmäßig Workshops für Führungskräfte und berät sie beispielsweise bei der Entwicklung von Betriebsvereinbarungen.
Wichtig: Betriebsklima und Dialog
Klar ist: Suchtverhalten entsteht oft unbewusst. Alkohol oder das Handy versprechen Betroffenen eine vermeintliche Entlastung von psychischem Druck, ob Arbeitsstress oder privaten Schwierigkeiten. Wer lernt, auf seine Gefühle zu achten, schütze sich, betont Suchtexperte Schwarzkopf.
Wichtig sei ein Betriebsklima, in dem sich die Menschen umeinander kümmern und den Dialog zu suchen. Gerade bei Mediensucht würden Warnzeichen oft übersehen, verharmlost oder als Willensschwäche missdeutet. Er rät: feste Offlinezeiten festzulegen, um tatsächlich in der Freizeit entspannen zu können und mit Sport oder Hobbys stressige Phasen im Job ausgleichen, statt alleine auf der Couch zu liegen.

