Der Frust bei den Menschen in der Würzburger Innenstadt ist spürbar: „Das ist schon heftig, das tut richtig weh“, sagt eine Autofahrerin. Warum sie trotzdem fährt? „Ich muss ja irgendwie zur Arbeit kommen.“ Ein Bild, das sich in einer BR-Straßenumfrage durchzieht: Die hohen Preise schmerzen, Auto gefahren wird trotzdem.
Verkehrsanalyse: Deutsche fahren sogar mehr
Das entspricht auch der neuesten Analyse des Verkehrsdatenspezialisten „TomTom“: Trotz der hohen Spritpreise gebe es keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung spürbar zurückgegangen wäre, im Gegenteil, im betreffenden Zeitraum sei sogar etwas mehr gefahren worden. Das könnte jedoch auch mit der typischen saisonalen Belebung im Frühjahr zusammenhängen, so ein Sprecher. In den Daten sei nicht erkennbar, dass die hohen Spritpreise derzeit zu weniger Verkehr führen.
Ohne Auto „geht’s halt nicht“
Tatsächlich ist der Verzicht aufs Auto für einige keine Option. Viele pendeln, haben auf dem Land keine regelmäßige Bus-Verbindung, die die Arbeit in einem Schichtbetrieb zulässt. „Wir haben schon seit langem Fahrgemeinschaften“, sagt ein Familienvater.
Man erkenne, dass die Bevölkerung für tägliche Wege auf das Fahrzeug angewiesen ist, sagt Michael Hientz, Verkehrsexperte beim ADAC Nordbayern. Es sei wichtig, auf die Politik Druck auszuüben, damit diese Art der Mobilität auch für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar bleibt.
Gestiegene Nachfrage im Fernverkehr
Eine höhere Auslastung ist auch bei Verkehrsunternehmen im Nahverkehr ausgeblieben. Aktuell gibt es laut dem Würzburger Verkehrsverbund WVV keine Anzeichen dafür, dass Busse oder Straßenbahnen stärker in Anspruch genommen werden. Für belastbare Aussagen sei es aber auch noch zu früh, so der Nahverkehr Mainfranken NVM, insbesondere da auch Faktoren wie schlechtes Wetter oder Veranstaltungen eine Rolle spielen können.
Im Fernverkehr wiederum verzeichnet die Deutsche Bahn aktuell eine gestiegene Nachfrage. Die Buchungen der letzten Tage lägen deutlich über den bisherigen Prognosen. Die Deutsche Bahn führt das auf die gestiegenen Spritpreise zurück.
E-Mobilität: Wann kommt es zum Boom?
Profitieren könnte die E-Mobilitätsbranche. Onlineportale berichten, dass das Interesse an E-Mobilität gestiegen ist. Auch bei manchen Autohäusern ist das schon angekommen. Daniel Heilig von der Spindler-Gruppe in Würzburg erzählt, dass in den letzten Tagen immer mehr Anfragen kommen. Und Philipp Stange, Geschäftsführer vom Auto Centrum Stange bei Aschaffenburg sagt, dass es gerade im Bereich gebrauchte E-Autos seit zwei Wochen mehr Zulauf gibt. Bis sich das auch im Kaufverhalten widerspiegle, brauche es aber noch Zeit.
Tatsächlich gab es im Januar und Februar dieses Jahres mehr Neuzulassungen von Elektro- und Hybridautos als im Vorjahreszeitraum. Der Grund sei aber eher die Einführung der neuen E-Auto-Förderung, so Verkehrsexperte Hientz. „Die Neuanschaffung eines PKW ist in der Regel keine Spontankaufentscheidung, sondern wohlüberlegt“, sagt er. Die hohen Spritpreise könnten aber dafür sorgen, dass es künftig wirtschaftlich interessanter ist, sich für eine alternative Antriebsart zu entscheiden.

