Der Biermarkt wird kleiner – und zwar nicht nur vorübergehend. 2025 rutschte der Absatz in Deutschland so stark ab wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Für viele Brauereien ist das gleich doppelt problematisch: Weniger Menge trifft auf hohe Fixkosten, steigende Energie- und Verpackungspreise und eine Gastronomie, die sich nach Corona vielerorts noch nicht erholt hat.
In der Paulaner-Zentrale in der Münchner Au dagegen könnte die Stimmung gerade nicht besser sein. Die Brauerei stemmte sich im vergangenen Jahr nicht nur gegen den Branchentrend, sie konnte ihren Absatz sogar deutlich steigern. Unter dem Strich stand ein Plus von 6,9 auf 7,9 Millionen Hektoliter – das entspricht einem Zuwachs von knapp 14 Prozent.
Ungewöhnliches Wachstum bei Paulaner
Dass ein Brauer in einem schwierigen Marktumfeld wächst, ist ungewöhnlich genug. Dass Paulaner gleich an mehreren Stellen zulegen konnte, ist jedoch bemerkenswert. Während der Heimatmarkt Deutschland im Jahr 2025 um rund sechs Prozent schrumpfte, setzte die Gruppe 4,7 Prozent mehr Bier ab. Die Kernmarke „Münchner Hell“ wuchs sogar um mehr als 14 Prozent.
Experten begründen den Anstieg unter anderem damit, dass helle Biere in den vergangenen Jahren zu einer Art „Standardkategorie“ geworden sind und den Geschmack vieler Biertrinker treffen. Möglicherweise fällt die Entwicklung beim Weißbier, traditionell ein Kernprodukt der Gruppe, daher moderater aus. Hier verzeichnete Paulaner (inklusive alkoholfreier Varianten) ein Plus von 1,5 Prozent.
Starker Bierabsatz im Ausland
Zufrieden zeigen sich die Münchner auch mit der Entwicklung des Auslandsgeschäfts. Die Paulaner-Markenfamilie legte im Export 2025 um neun Prozent zu. Am stärksten ging es mit knapp 24 Prozent in China nach oben, gefolgt von Italien (plus acht Prozent) und Spanien (plus sieben Prozent).
Dass das internationale Geschäft vergleichsweise stark war, lag nicht zuletzt an der Eigentümerstruktur der Brauerei: Paulaner gehört zu 70 Prozent zur Schörghuber Gruppe und zu 30 Prozent zu Heineken aus den Niederlanden – eine Kooperation, die Vertrieb und Marktzugang im Ausland erleichtert.
Erfrischungsgetränke von Paulaner voll im Trend
Der dritte und strategisch wohl wichtigste Faktor lag allerdings jenseits des klassischen Biergeschäfts. Dem Unternehmen zufolge machen Spezi und Limonaden mittlerweile rund ein Drittel des Gesamtabsatzes aus. Das Paulaner Spezi habe seinen Absatz in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht, so die Münchner.
An dieser Stelle wird die Verschiebung innerhalb des Getränkemarkts deutlich. Zwar konnte Paulaner entgegen dem Branchentrend innerhalb des Biermarkts zulegen. Doch die Gruppe hat offenbar erkannt, dass die Zeiten, in denen man alleine auf den Bierabsatz vertrauen konnte, vorbei sind. Wer sich breiter aufstellt, reduziert das Risiko eines schrumpfenden Kernmarkts. Daher wurde die Abhängigkeit vom klassischen Bier durch alkoholfreie Varianten und vor allem durch Softdrinks strategisch reduziert. Der Erfolg im vergangenen Jahr zeigt, dass die Gruppe ihr Profil vom Brauer hin zu einem breiter aufgestellten Getränkeanbieter erweitert hat.

