Nebenwirkungen möglich – ärztliche Begleitung wichtig
Während Caroline Holz ihr Hungergefühl durch Spritzen gebändigt hat, war sie unter ärztlicher Aufsicht, ließ regelmäßig ihre Körperwerte messen. Abgesehen von niedrigem Blutdruck hatte sie keine starken Nebenwirkungen. Die 58-Jährige hatte Glück: Denn gerade am Anfang der Therapie könnten zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen auftreten, sagt Dr. Gert Bischoff aus München. Mit entsprechender Betreuung und steigender Dosierung seien die Nebenwirkungen meistens im Verlauf gut beherrschbar und gingen auch wieder weg.
Darüber hinaus gebe es aber auch schwere Nebenwirkungen, sagt Dr Gert Bischoff, wie eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese Fälle seien jedoch eher selten. Insgesamt plädiert er für eine mehrgleisige Therapie – und langfristig veränderte Gewohnheiten in der Ernährung, der Bewegung und im Verhalten.
Starke Nebenwirkungen wie Erblindungen nicht belegt
Ein internationales Forschungsteam hatte einen Zusammenhang zwischen dem Verlust der Sehkraft und der Einnahme der Diabetes- und Abnehmmedikamente mit den Handelsnamen Ozempic und Wegovy gefunden, die den Wirkstoff Semiglutid beinhalten. Demnach degeneriert die Makula, also die Netzhautmitte, schneller. Dies berichtete die Fachzeitschrift Jama Ophthalmology bereits 2024. Bei jenen, die mindestens sechs Monate lang Semaglutid oder verwandte Wirkstoffe einnahmen, war das Risiko für eine feuchte Makuladegeneration mehr als doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe.
Ob Abnehmspritzen tatsächlich blind machen können, ist bisher nicht ausreichend belegt. Das absolute Risiko eines Sehkraftverlustes sei mit 0,2 Prozent über drei Jahre Studiendauer relativ gering, so die Studienautoren. Die Untersuchung basiert auf Gesundheitsdaten von über 139.000 Patienten, die älter sind als 66 Jahre. Es laufen weitere Forschungen.
Vitamine, Proteine, Bewegung und Kraftsport wichtig
Wer mit der Abnehmspritze seinen Appetit zügelt, der isst weniger und verliert Gewicht. Das ist erstmal ein Erfolg. Gefährlich werde es aber, so der Mediziner Bischoff, wenn man sich dann auch schlechter ernähre. Die Folgen könnten dann ein Mangel an Vitaminen und Spurenelementen sein. Das könne dann zu Haarausfall, schlechter Haut oder brüchigen Fingernägeln führen. Diesem Nährstoffmangel könne man mit mehr Eiweißaufnahme und regelmäßigem Kraftsport entgegenwirken, um nicht zu viel Muskelmasse zu verlieren.
Auch deswegen sei ärztliche Aufsicht bei der Anwendung der Abnehmspritze wichtig.

