Die politische Weltlage ist angespannt, und der Weltraum ist längst Teil vieler Konflikte. Das war der Tenor einer Gesprächsrunde unter Sicherheitsexpertinnen und -experten im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz. Michael Traut vom erst vor drei Jahren geschaffenen Weltraumkommando der Bundeswehr berichtet von Laserattacken, um die Kameras von Erdbeobachtungssatelliten zu stören. Es gebe russische Satelliten, „die seit 2014 im geostationären Orbit neben anderen Satelliten parken, um deren Kommunikation mitzuhören“. Und es gebe mittlerweile regelrechte Verfolgungsjagden von Satelliten. China habe zudem gezeigt, dass es Satelliten einfangen und abschleppen und „in einen Friedhofsorbit bringen“ kann.
Elektronische Angriffe auf Satelliten
Andreas Lermann leitet Munich Aerospace, das sich als Netzwerk von Raumfahrt-Industrie, Wissenschaft und Politik versteht. Aus seiner Sicht wird im All bereits Krieg geführt und „kritische Infrastruktur“ attackiert. China, Russland, Indien und die USA haben demonstriert, dass sie Satelliten durch Beschuss zerstören können. Der Krieg werde aber nicht erst mit Angriffen auf Satelliten geführt, sondern er „findet schon heute statt“ als „Electronic Warfare“, also elektronische Kriegsführung: Dabei werden Signale von Navigationssatelliten mit sogenanntem „Jamming“ und „Spoofing“ elektronisch gestört und verfälscht. Dies passiere, so die Experten, quasi täglich im Ostsee-Raum. Darauf werde aber bereits reagiert, führt die Sicherheitsexpertin Juliana Süß von der vom Bundeskanzleramt finanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik an.
Software-Updates für Satelliten-Sicherheit
Die Computer der Navigationssatelliten des europäischen Systems Galileo werden laut Süß mit Software-Updates versorgt, ähnlich denen der Smartphones. Alte Satelliten würden durch neue ausgetauscht: „Da ist natürlich auch eine andere Hardware dahinter und eine andere Software, die angepasst werden kann an neue Realitäten.“ Diese Navigationssatelliten sind nicht nur für die alltägliche Navigation wichtig. An Bord befinden sich präzise Atomuhren, mit deren Hilfe unter anderem Finanztransaktionen zeitlich exakt abgestimmt werden.
„Sicherheit ist fundamental im Weltall bedroht“
Andere Satelliten dienen der Kommunikation und Überwachung, auch der Frühwarnung vor Raketen, wie Juliana Süß betont: „Unsere Sicherheit ist ganz fundamental im Weltraum bedroht.“ Daher müssten mehr „gehärtete“ Satelliten ins All, die besser gegen Störsignale und gegen Cyber-Attacken gefeit sind. Dafür braucht es jedoch Raketen.
Die europäische Rakete Ariane 6 soll dieses Jahr laut Presseankündigungen alle 40 Tage startbereit sein. Das US-amerikanische Unternehmen SpaceX hingegen fliegt häufiger als einmal pro Woche. Das geschieht mit kleineren Raketen, sogenannten Micro-Launchern. Die sind schneller und günstiger herzustellen. Auch bayerische Unternehmen wie die Augsburger Rocket Factory oder Isar Aerospace entwickeln und testen derzeit solche kleinere, effektive Transporter.
Iris2 für abhörsichere Kommunikation – ab 2030
Ein wichtiger Schutz vor dem Ausfall eines Satelliten und seines Dienstes ist in den Augen von Andreas Lermann „redundant unterwegs zu sein, sich also nicht nur auf ein Satelliten-System zu verlassen“. Zudem, so Lermann, müsse man verstärkt „im europäischen Verbund“ arbeiten. Wie beides gelingt, zeige das Navigationssystem Galileo, das deutlich besser sei als das US-amerikanische GPS. Dem Beispiel folgend, so Lermann, plane Europa daher mit Iris2 ein eigenes Satelliten-Netzwerk für abhörsichere Kommunikation. Allerdings wird dieses erst 2030 seinen Dienst aufnehmen.
Atomwaffe im All
Während Andreas Lermann den „europäischen Verbund“ beschwört, baut Bundeswehrkommandeur Michael Traut nach wie vor auf die Kooperation mit den USA. Die Zusammenarbeit mit dem US-Space-Command und der US-Space-Force sei „hervorragend.“ Und die USA selbst, so Traut, sagen, dass sie die Aufgaben im All nicht ohne Partner bewerkstelligen können. Deutschland müsse sich daher als „wertvoller Partner“ zeigen. Er verweist zudem auf eine der größten Bedrohungen im All: Die US-Streitkräfte vermuten, dass Russland dort Atomwaffen platzieren könnte. Sollten die gezündet werden, so Traut, würden viele Satelliten ausfallen und steuerlos werden. Und zu Weltraumschrott, der letztlich alle Satelliten zerstören könnte. Es gäbe dann keine schnellen Banktransfers mehr, keine Satellitenkommunikation und -navigation, keine Wettervorhersage, so Michael Traut: „Wir würden technologisch in die 1960er-Jahre zurück geworfen.“

