Laut dem EU-Klimadienst Copernicus ist in diesem Sommer mit 52 Prozent mehr als die Hälfte des europäischen Kontinents sehr starkem, sogenanntem Hitzestress ausgesetzt gewesen. In Westeuropa war es laut den Forschern der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. In mehr als der Hälfte Westeuropas kletterten die Temperaturen an 17 Tagen auf über 30 Grad. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden nur sieben solcher extremen Hitzetage gezählt, beim bisherigen Rekord im Jahr 2003 waren es elf Tage.
Flüsse mit niedrigsten Abflussmengen seit Beginn der Aufzeichnungen
Die hohe Anzahl an Hitzetagen führte unter anderem zu großer Trockenheit mit niedrigen Pegelständen an zahlreichen Flüssen und Seen. Europas Flüsse verzeichneten im Sommer die niedrigsten mittleren Abflussmengen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1992.
Im Juli und August wurden demnach an vielen großen Flüssen wie Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine rekordniedrige oder nahezu rekordniedrige Abflüsse registriert. In Bayern war besonders der Main betroffen – 27,8 Grad etwa zeigte das Thermometer Anfang August auf Höhe von Erlabrunn im Landkreis Würzburg.
Temperatur der Meeresoberfläche ungewöhnlich hoch
Die Folgen: Viele Flüsse waren für Binnenschiffe kaum noch befahrbar, es drohte Süßwasserknappheit. Auch Energieversorgung und Landwirtschaft wurden beeinträchtigt. Das verdeutliche den engen Zusammenhang zwischen Klimawandel und geopolitischen Herausforderungen wie der Energiesicherheit, heißt es vom Dienst des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus.
Gleichzeitig waren die Meere rund um Europa ungewöhnlich warm, wie der EU-Klimawandeldienst C3S berichtet. Entlang eines Großteils der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer habe es Rekordwerte oder Beinahe-Rekordwerte bei den Meeresoberflächentemperaturen gegeben, hieß es weiter. Dies sei mit starken bis außergewöhnlichen marinen Hitzewellen einhergegangen. „Marine Hitzewellen können die Hitze in angrenzenden Küstengebieten verstärken, indem sie die nächtliche Abkühlung einschränken und die Luftfeuchtigkeit erhöhen, wodurch sich der Hitzestress verschlimmert.“
Doppelt so viele Waldbrände wie in den vergangenen Jahren
Auch die Waldbrandsaison fiel, allen voran in Spanien und Frankreich, besonders heftig aus. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) war die verbrannte Fläche in der EU bis zum 2. September fast doppelt so groß wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025 für diese Jahreszeit. Millionen von Menschen waren dadurch einer gefährlichen Luftverschmutzung ausgesetzt.
Die EU-Klimaforscher sprechen deshalb von sich überlagernden Klima-Extremen, mit deshalb besonders spürbaren Folgen für Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft. „Europa erlebte im Jahr 2026 einen Sommer mit sich überschneidenden Klimaextremen“, sagte Samantha Burgess, Strategieleiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW). „Rekordhitzestress, weit verbreitete trockene Bedingungen, außergewöhnlich niedrige Wasserstände in den Flüssen und ungewöhnlich warme Meere traten in weiten Teilen des Kontinents gleichzeitig auf“, betonte sie.
Forscher warnen: Europa heizt sich am schnellsten auf
Ereignisse wie diese unterstrichen, wie wichtig es sei eine „Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmend miteinander verknüpften Klimarisiken“ aufzubauen. Nach Angaben von Wissenschaftlern ist Europa der Kontinent, der sich infolge des globalen Klimawandels am schnellsten erwärmt.

