„Wenn ihr jetzt hier drei Haussperlinge rumhüpfen seht, dann macht ihr drei Striche“: Biolehrer Martin Bahl gibt letzte Anweisungen. Die 5. Klasse der Maria-Ward-Realschule hat Unterricht im Freien. Am Regnitzufer in Bamberg sollen die Schüler Vögel beobachten und erfassen.
Die Schüler beteiligten sich vorab an der Aktion „Stunde der Gartenvögel“ [externer Link]. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) ruft an diesem Wochenende wieder dazu auf, eine Stunde lang Gartenvögel zu zählen und zu melden. Im vergangenen Jahr haben allein in Bayern mehr als 11.000 Menschen an der bundesweiten Langzeitstudie teilgenommen.
„Stunde der Gartenvögel“: Fokus liegt diesmal auf den Schwalben
Die gesammelten Daten werden von Wissenschaftlern ausgewertet und analysiert. Diesmal liegt der Fokus auf den Schwalben, erklärt Franziska Back vom LBV. „Im vergangenen Jahr sind nämlich im September ganz viele Mehl- und Rauchschwalben wegen anhaltender Starkregenereignisse verhungert oder erfroren.“ Die Daten könnten helfen, ein erstes Bild davon zu bekommen, wie es den Schwalben in diesem Jahr nach diesem Ereignis geht.
Trend bei Gartenvögeln: Vielzahl und Anzahl nehmen eher ab
Seit mehr als 20 Jahren führen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU das Bürgerforschungsprojekt schon durch. Auf lange Sicht sollen die Daten Hinweise geben, ob und wie sich die Zahl der Vögel verändert. „Der grundsätzliche Trend geht dazu, dass unsere häufigsten Gartenvögel in ihrer Vielzahl und Anzahl eher abnehmen“, erklärt Back. Als Beispiel nennt sie den Spatz. Der sei zwar jedes Jahr immer ganz weit vorne im Ranking dabei, aber: „Vor allem im urbanen Raum beobachten wir seit vielen Jahren, dass er eigentlich kaum noch gesehen wird.“ Das könnte auch daran liegen, dass es in der Stadt oft zu wenig Hecken und Sträucher gibt, vermutet Back.
Außerdem beeinträchtige „die massive Trockenheit“ – gerade auch in diesem Frühjahr – die Vögel stark. Weil der Klimawandel aber sehr komplexe Auswirkungen hat, könne man gerade noch keine konkreten Aussagen darüber treffen, was er für die Gartenvögel bedeutet, so Back. „Das wird man wahrscheinlich noch über einige Jahre beobachten müssen.“
Vögel müssen nicht zwingend gesehen werden
Mit knapp 35.000 Sichtungen landete der Haussperling im vergangenen Jahr im Ranking auf dem ersten Platz, deutlich vor Amsel (21.400) und Star (20.500). Dass manche Vögel beim Zählen verwechselt werden, kalkuliert der LBV mit ein. Die große Menge an Teilnehmenden würde kleine Fehler ausgleichen, heißt es vom Verband.
Wer die Vögel zählt, muss sie übrigens nicht unbedingt sehen. Auch Vögel, die nur den eigenen Garten überfliegen und nicht darin landen, dürfen gemeldet werden. „Wenn man sie im Flug bestimmen kann“, sagt Franziska Back. „Aber das sollte man nur machen, wenn man sich sicher ist.“ Auch Vögel, die man ganz eindeutig am Gesang erkennen kann, dürften gemeldet werden. Notfalls auch mithilfe einer App, die Vogelstimmen zuordnen kann.
„Faszinierend, wie viele Vögel es hier gibt“
Am Regnitzufer in Bamberg haben die Schüler inzwischen ihr Zählen beendet. Mehr als 70 Vögel und 18 verschiedene Vogelarten haben die Fünftklässler entdeckt – die Zahlen werden jetzt in das Meldeformular eingegeben. Schülerin Anna ist vom Biounterricht unter freiem Himmel schwer begeistert. „Ich finde es faszinierend, wie viele Vögel es hier in Deutschland gibt“, sagt die Elfjährige. Dass Schüler die Schöpfung und Lebewesen wertschätzen – dieses Ziel hatte sich Martin Bahl gesetzt. Heute hat es der Biolehrer erreicht.