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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Trend-Droge Mephedron in Bayern? „Die Leute fragen danach“
Wissen

Trend-Droge Mephedron in Bayern? „Die Leute fragen danach“

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 4. September 2024 16:01
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Wenn der Beat immer schneller, der Himmel dunkler und die Lichter immer bunter werden, packt Timo Mehring (Name geändert) ein Tütchen aus. Darin glitzern feine, leicht gelbliche Kristalle. Die wird sich der Nürnberger jetzt durch die Nase ziehen – seine erste Line des Abends. Der Stoff wird ihn wacher machen, geselliger, ausdauernder. Und er kann Mehring in Gefahr bringen.

Inhaltsübersicht
Neue Trend-Droge auf dem SchwarzmarktDealer verkaufen falschen StoffMephedron wird weiter verbreitet – auch in BayernOberarzt blickt mit Sorge auf EntwicklungDrug-Checking zur Prävention?

Neue Trend-Droge auf dem Schwarzmarkt

Die Partydroge Mephedron wird in der deutschen Techno-Szene immer beliebter. Der Stoff gehört zur Gruppe der „Badesalze“ (synthetische Cathinone). In den Niederlanden gehört Mephedron schon längst zum gängigen Dealer-Inventar, in Berlin liegt es inzwischen auch im Trend. In Bayern bemerken Experten erste Anzeichen dafür, dass sich die zu den Amphetaminen zählende Substanz verbreitet.

Der Grund für die Beliebtheit beim Feiervolk: Mephedron ist leicht herzustellen und billiger als andere Drogen mit einer ähnlichen Wirkung. Die Nebenwirkungen sind allerdings nicht weniger problematisch – schon allein deshalb, weil es an genauen Studien fehlt. „Mephedron ist nie als Arzneimittel zugelassen worden“, sagt der Berliner Drogenberater Tibor Harrach. „Das heißt, die Wirkungen und Nebenwirkungen sind längst nicht so gut erforscht, wie die von Kokain oder Ecstasy.“

Dealer verkaufen falschen Stoff

Wer langfristig große Mengen konsumiert, nimmt vermutlich Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems, Wahnvorstellungen und Abhängigkeit in Kauf. Gleichzeitig ist Mephedron auch eine Wundertüte der besonders heiklen Sorte. Bei Harrach in Berlin können Konsumenten seit einem Jahr Proben ihrer Drogen abgeben. Die Beratungsstelle checkt dann, was drin ist. „Die große Überraschung war die große Anzahl der Cathinone, die hier als Mephedron abgegeben werden“, erzählt Harrach. Wer Mephedron „bestellt“, weiß also kaum, was er tatsächlich erhält. Viele der anderen Stoffe seien noch stärker und noch gefährlicher.

Trotzdem ist Mephedron in Bayern in den Clubs im Gespräch. Timo Mehring ist in Nürnbergs Partyszene gut vernetzt. „Leute fragen danach oder erzählen davon. Aber dann eher, dass sie in Berlin waren und es da genommen haben“, sagt Mehring. Er selbst habe auf einem Festival das erste Mal Mephedron konsumiert – oder eben etwas, das ihm als das verkauft wurde. „Hat ziemlich in der Nase gebrannt“, sagt er.

Mephedron wird weiter verbreitet – auch in Bayern

Hergestellt wird Mephedron nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wohl in kleinen „Hinterhoflaboren“ in Deutschland. Geschmuggelte Ware kommt aus China oder Indien.

Einer Erhebung des Münchner Präventionsprojekts „mindzone“ zufolge nahmen zahlreiche befragte deutsche Experten Mephedron im Partydrogen-Umfeld wahr. Genannt sind auch zwei – nicht näher spezifizierte – bayerische Städte.

Oberarzt blickt mit Sorge auf Entwicklung

Bei Drogenkontrollen in Nürnberg fällt die Substanz bislang nicht auf, berichtet das Polizeipräsidium Mittelfranken auf Anfrage. Weil Nürnberg allerdings als Drogen-Hotspot gilt, blicken Fachleute mit Sorge auf Trenddrogen wie Mephedron. Einer davon ist Jan Welker, Oberarzt am Klinikum Nürnberg. Bei ihm landet regelmäßig „eine konstant hohe Zahl an Leuten“ mit Drogen-Überdosis auf der Intensivstation. „Und jeder Stoff, der da dazukommt, macht das natürlich schlechter“, sagt Welker. „Deshalb haben wir schon ein bisschen Bammel vor jeder neuen Substanz.“ Einen Mephedron-Patienten habe er aber noch nicht gehabt.

Drug-Checking zur Prävention?

Seit Januar 2010 ist Mephedron im Betäubungsmittelgesetz verzeichnet und gilt als „nicht verkehrsfähig“. Das Party-Volk hält das aber nicht vom Konsum ab. „Drogen wird es immer geben“, kommentiert Timo Mehring. Tibor Harrach und Jan Welker setzen sich für mehr Aufklärung ein. Und für Mechanismen, um den Drogen-Vergiftungen vorzubeugen.

Harrach ist mit dem Drug-Checking-Konzept, bei dem er in Berlin mitwirkt, zufrieden. Die Hoffnung: Wenn Konsumenten wissen, was drin ist, können sie besser abschätzen, ob, und wenn ja, wie viel sie von den Drogen schnupfen oder schlucken wollen. „Dadurch lässt sich das Risiko reduzieren“, sagt Harrach. Außerdem sei Drug-Checking eine gute Möglichkeit, um mit den Konsumentinnen und Konsumenten in Kontakt zu kommen.

In Bayern gibt es noch keine Drug-Checking-Stellen. Allerdings koordiniert Oberarzt Jan Welker ein Forschungsprojekt mit der Frage, ob ein solches Programm in Franken Leben retten könnte.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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