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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Welche gesundheitlichen Risiken durch Hochwasser entstehen
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Welche gesundheitlichen Risiken durch Hochwasser entstehen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 4. Juni 2024 15:15
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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In Hochwassergebieten gilt weiterhin: nicht in den Keller gehen, nicht mit dem Auto durch überflutete Straßen fahren oder die Uferbereiche von Flüssen betreten. Vor allem, wenn das Wasser plötzlich komme, könnten Menschen mitgerissen werden, warnt die Nürnberger Umweltmedizinerin Andrea Pechmann. „Da werden auch Gegenstände mitgerissen. Diese können schwer verletzen, weil man davon im Wasser erschlagen werden könnte.“ Doch neben der akuten Gefahr für Leib und Leben birgt Hochwasser noch weitere Risiken für die Gesundheit.

Inhaltsübersicht
Empfehlung zum Trinkwasser abkochen ernst nehmenRisiko steigt nach Rückzug des HochwassersRKI: Infektionsrisiko „meist überschätzt“Fast ein Drittel hat nach Hochwasser psychische BeschwerdenSchimmelpilzbefall in durchnässten Gebäuden

Empfehlung zum Trinkwasser abkochen ernst nehmen

Je nach Empfehlung der Gesundheitsämter sollte etwa das Trinkwasser abgekocht werden. Das ist derzeit beispielsweise im Landkreis Donau-Ries (externer Link) der Fall. Denn wenn Grundwasserbrunnen durch das Hochwasser überspült werden, könnten Krankheitserreger in das Trinkwasser gelangen.

Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der Technischen Universität München, erklärt, dass eine Abkochempfehlung zunächst jedoch nicht bedeuten muss, dass das Trinkwasser „total kontaminiert“ sei. Vielmehr sei die „Sorge, dass Krankheitserreger, die normalerweise im Boden bei der Filtration von Wasser in den Untergrund zurückgehalten und abgetötet werden, dann doch in das Trinkwasser gelangen“, so der Experte. Derzeit sei die Trinkwasserversorgung jedoch gesichert.

Risiko steigt nach Rückzug des Hochwassers

Behörden nehmen wegen dieser Sorge in den betroffenen Hochwassergebieten vorsorglich häufiger und räumlich ausgeweitete Wasserproben. Denn vor allem, wenn sich das Hochwasser zurückzieht, könnten sich hygienische Probleme ergeben, so Drewes. Eine Vielzahl von Schadstoffen könnte dann verteilt werden, zum Beispiel durch undichte Öltanks, Straßenabläufe, oder fäkale Abfälle aus Kläranlagen oder überfluteten Weiden und Kuhställen.

Wenn Bewohner dann zum Beispiel bei Aufräumarbeiten intensiven Kontakt zu kontaminiertem Wasser haben, könnte das laut Robert Koch-Institut zu Magen-Darm-Erkrankungen oder gar Hepatitis A führen. Strikte Händehygiene und der Verzehr von ausschließlich hygienisch unbedenklichen Lebensmitteln schütze vor diesen „fäkal-oral übertragbaren Krankheiten“. Die jeweiligen Behörden informieren dazu vor Ort.

RKI: Infektionsrisiko „meist überschätzt“

Generell werde das Risiko für Infektionskrankheiten durch Überschwemmungen jedoch „in der Öffentlichkeit meist überschätzt“, so das RKI. Das bestätigt auch Pechmann, die ebenso Direktorin des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der FAU Erlangen-Nürnberg ist. In unseren Breitengraden sei die Infektionsgefahr gering. Die Umweltmedizinerin weist eher auf indirekte Gesundheitsrisiken hin. Die würden etwa entstehen, wenn Arztpraxen oder Apotheken in Hochwassergebieten geschlossen hätten und Menschen deshalb Behandlungen aufschieben oder nicht wahrnehmen könnten.

Fast ein Drittel hat nach Hochwasser psychische Beschwerden

Möglich seien außerdem nicht nur körperliche Risiken, sondern auch psychische Beschwerden. „Wir wissen bei so schweren Naturereignissen, dass fast ein Drittel aller Betroffenen danach psychische Beschwerden oder psychische Symptome entwickeln können. Da ist es dann wichtig, sich frühzeitig auch ärztliche Hilfe zu suchen“, rät Pechmann. Dafür stehen in Bayern beispielsweise die „Krisendienste“ bereit, die als öffentlich finanziertes Beratungs- und Hilfsangebot in seelischen Notlagen Unterstützung und Informationen anbieten. Sie sind telefonisch erreichbar unter der 0800/6553000 (externer Link).

Schimmelpilzbefall in durchnässten Gebäuden

Das Umweltbundesamt rät außerdem dazu (externer Link), bei Aufräumarbeiten zum Schutz der eigenen Gesundheit auf Schimmelbefall zu achten. Schimmel kann zu Reizungen der Atemwege und allergischen Reaktionen führen. Auch nach ⁠Abfluss⁠ des Wassers verbleibe die Feuchtigkeit noch längere Zeit in den durchnässten Wänden, Decken und Böden.

Infolge der Feuchtigkeit könnten sich so auf den meisten Materialien Schimmelpilze und Bakterien bilden. Je nach Temperatur könne das bereits innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen der Fall sein. Das Amt rät bei Schimmelbefall zu Atemmasken, Schutzhandschuhen und Staubschutzbrillen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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