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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > KI in der Medizin – warum das eine gute Nachricht ist
Netzwelt

KI in der Medizin – warum das eine gute Nachricht ist

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:09
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Wer sich nach Optimismus und Zuversicht in diesen Zeiten sehnt, der sollte den führenden Medizinern Europas zuhören – zumindest denjenigen, die sich derzeit bei der Digital Life Design Conference in München die Podiums-Klinke in die Hand geben.

Inhaltsübersicht
Die Schlüsseltechnologie heißt KIKI als Navigationssystem zum medizinischen DurchbruchDie Bavarian Health Cloud: Wie Bayern die Medizinforschung unterstütztDer digitale Zwilling: Therapie-Entwicklung im ZeitrafferKI im Gehirn: Wenn Schlaganfallpatienten wieder sprechenPersonalisierte Prävention: Die Grenzen der Gesundheits-AppsGibt es gar keine Kritik?Fazit: KI ermöglicht Quantensprünge in der Medizin-Forschung

Die Schlüsseltechnologie heißt KI

Krebs, Schlaganfälle, Diabetes und individuelle Leiden sollen künftig schneller und besser behandelbar werden – oder gar nicht erst auftreten. Der Schlüssel ist Künstliche Intelligenz.

KI sei nicht mehr nur eine Option für Ärzte und Wissenschaftler. Sie sei längst Realität – übrigens nicht erst, seit OpenAI seinen KI-Bot ChatGPT massentauglich gemacht hat. Nur die Geschwindigkeit, in der sich KI entwickelt, hat seither erheblich zugenommen.

Nein, KI werde Ärzte nicht ersetzen, sagt etwa Daniel Rückert von der Technischen Universität München. Aber Ärzte, die keine KI nutzten, hätten bald keine Relevanz mehr.

KI als Navigationssystem zum medizinischen Durchbruch

München sei europaweit führend, wenn es um die Verschmelzung von KI und Medizin gehe, sagt Fabian Theis vom Helmholtz Zentrum München, Shootingstar der Szene und Pionier der Bioinformatik. Die KI helfe den Forschenden etwa zu verstehen, welche Experimente als nächstes Sinn machen. Statt ein Modell nach dem anderen zu entwickeln und wieder zu verwerfen, könnten Wissenschaftler eine KI fragen, welche Daten ihr fehlen, um Menschen und Krankheiten in ihrer Tiefe zu verstehen.

Die Bavarian Health Cloud: Wie Bayern die Medizinforschung unterstützt

Dafür brauchen die Wissenschaftler Daten. Viele Daten. Diese Daten gibt es bereits. Sie liegen millionenfach etwa in digitalen Arztbriefen, CT-Scans, MRTs und Patientenakten auf den Servern von Kliniken, Krankenkassen und Ärzten.

Bayerns Wissenschaftsminister Blume will das „unglaubliche Potential“ dieser Daten nutzen. Als erstes Bundesland schaffe Bayern deshalb mit der Bavarian Health Cloud die Voraussetzungen dafür, dass die Forschenden sie pseudonymisiert nutzen können. Das kündigte Blume gemeinsam mit Gesundheitsministerin Gerlach bei der DLD an. Die Daten liefern zunächst die bayerischen Unikliniken, später auch Krankenkassen. In etwa einem Jahr soll die Plattform technisch funktionieren.

Der digitale Zwilling: Therapie-Entwicklung im Zeitraffer

Wie wertvoll Daten für die Medizinforschung sind, erklärt Unternehmer Cyriac Roeding an einem visionären Beispiel. Sein Unternehmen Earli forscht an der Früherkennung von Krebs. Roeding will den digitalen Zwilling erschaffen, eine Kopie des Menschen in all seiner Komplexität aus DNA und Zellen, ein digitales Versuchskaninchen. Statt Therapien wie bislang in zeitaufwendigen Studien an Menschen zu testen, soll die Zukunft so aussehen: Die Forscher geben ein neues Medikament in einer KI-Simulation hunderten digitalen Klon-Menschen. Schon wenige Minuten später sagt die KI: Ja, kann was, oder nein, hilft nicht. Erst dann bekämen echte Menschen die Therapie oder Medizin.

KI im Gehirn: Wenn Schlaganfallpatienten wieder sprechen

Am echten Menschen dagegen forscht Simon Jacob, Neurotechnologe der Technischen Universität München. Er arbeitet an der Schnittstelle von KI und menschlichem Gehirn. Sein Team implantiert bereits heute direkt im Gehirn von Schlaganfallpatienten eine KI (externer Link), die ihnen wieder ermöglicht, zu sprechen.

Personalisierte Prävention: Die Grenzen der Gesundheits-Apps

Das Best-Case-Szenario: Krankheiten brechen durch gezielte Prävention gar nicht erst aus. Die funktioniert heute noch weitgehend nach dem Gießkannenprinzip. Geht es nach Forschern wie Daniel Rückert von der Technischen Universität München, dann errechnet künftig eine KI individuelle Präventionskonzepte auf Basis individueller Körperdaten.

Gibt es gar keine Kritik?

Bei so viel Optimismus bleibt nur die Frage nach den Risiken und Nebenwirkungen der KI. Die gibt es durchaus, weil die Sprachmodelle auch fantasieren. Deshalb mahnt etwa der Google-Manager und KI-Ingenieur Max Tschochohei die menschliche Kontrolle an. Die Chancen aber würden die Risiken um ein Vielfaches überbieten, sodass die Frage nach dem Einsatz von KI im Grunde obsolet sei, sagt Fabian Theis vom Helmholtz-Institut.

Fazit: KI ermöglicht Quantensprünge in der Medizin-Forschung

Die Botschaft der in München versammelten Medizin-Elite ist eindeutig: Die Medizin wird künftig nicht mehr nur reparieren, sondern vorhersagen und verhindern. Damit diese Vision Realität wird, braucht es vor allem Daten.

Und so liest sich der Aufruf des Pathologen und Stammzellforschers Ralf Huss an seine versammelten Kollegen eher wie der Aufruf an alle Bürger: Menschen müssen ihre Daten bereitstellen, damit die Forscher forschen können – und damit das Leben aller Menschen verbessern.

 

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Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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