Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Gerald Quitterer, findet Forderungen, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen, ärgerlich. „Das entlastet die Praxen tatsächlich“, betont Quitterer im Gespräch mit dem BR. Und es verringere auch die Ansteckungsgefahr für andere Patienten, wenn jemand sich nicht etwa mit Husten ins Wartezimmer setzen muss, um eine Krankschreibung zu bekommen.
Telefonische Krankschreibung treibt Krankenstand nicht nach oben
Quitterer räumt ein, dass die Zahl der Kranktage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegt sie fast doppelt so hoch wie vor zwei Jahrzehnten. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer ist aber überzeugt, dass es dafür eine ganze Reihe von Gründen gibt. So nehmen viele Krankheiten, wie etwa Rückenprobleme oder psychische Störungen, seit Jahren zu. Das zeigt auch eine Auswertung von Kassen-Daten, die der BR im vergangenen November vorgenommen hat.
Außerdem würden erst seit drei Jahren durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung alle Krankschreibungen bei den Kassen vollständig erfasst, erklärt Quitterer. Bis Anfang 2023 sei es immer wieder vorgekommen, dass Patienten die Krankschreibung nur beim Arbeitgeber gemeldet haben, nicht aber bei ihrer Krankenkasse. Deshalb sei die Statistik im langjährigen Vergleich verzerrt.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen auch: Mitte der 1990er Jahre war der Krankenstand ähnlich hoch wie derzeit. Für 1995 weist die Behörde durchschnittlich 13 Fehltage pro Beschäftigten aus, im Jahr 2024 waren es 14,8 Fehltage (externer Link).
Warum wurde die telefonische Krankschreibung eingeführt?
Die Möglichkeit, sich unter bestimmten Bedingungen per Telefon krankschreiben zu lassen, wurde während der Corona-Pandemie eingeführt. Ziel war es, das Ansteckungsrisiko zu verringern. Außerdem sollten Arztpraxen entlastet werden.
Diese Entlastung sei immer noch wichtig, findet Bayerns Ärztepräsident. Allerdings sollte die telefonische Krankschreibung seiner Ansicht nach nur für Stamm-Patienten einer Praxis möglich sein. So werde es jetzt aber auch in der Regel gehandhabt, betont Quitterer: „Es geht um die Patienten, die wir kontinuierlich betreuen, von denen auch wir wissen, wie wir sie einschätzen müssen.“
Zahl der Krankschreibungen per Telefon gering
Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) fordert, die telefonische Krankschreibung beizubehalten. Sie verweist dabei auch auf Daten des Zentralinstituts Kassenärztliche Versorgung (externer Link), aus denen hervorgeht: Nur etwa eine von hundert Krankschreibungen erfolgt per Telefon.

