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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Industriestrompreis: Massive Kritik schon vor dem Start
Wirtschaft

Industriestrompreis: Massive Kritik schon vor dem Start

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:10
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Der Strompreis in Deutschland ist so hoch wie in kaum einem anderen Land. Seit Jahren pochen die Firmen auf eine Subventionierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Jetzt soll der Industriestrompreis endlich kommen. Doch die Entlastung ist zu gering, das Geld kommt viel zu spät bei den Unternehmen an und der bürokratische Aufwand – so die Kritik – ist mal wieder zu groß.

Inhaltsübersicht
Gießerei kritisiert Reform: „Das bringt uns ehrlich gesagt gar nichts“Recycling-Betrieb stellt bei zu hohem Strompreis Maschinen abIHK: Industriestrompreis ist „nicht der große Wurf“Industriestrompreis: Das ist geplant

Gießerei kritisiert Reform: „Das bringt uns ehrlich gesagt gar nichts“

Der Stromverbrauch der Gießerei Heunisch im mittelfränkischen Bad Windsheim ist enorm. 32 Gigawattstunden waren es etwa im Jahr 2023. Krisenbedingt ist der Verbrauch zwar etwas zurückgegangen, doch die jährlichen Stromkosten liegen immer noch bei rund zehn Millionen Euro.

Geschäftsführerin Christiane Heunisch-Grotz hat sich den geplanten Industriestrompreis genau angeschaut. Ihr Fazit: Die Kosten pro Kilowattstunde verringern sich bei ihr in der Gießerei um etwa zwei Prozent. In absoluten Zahlen heißt das: 0,75 Cent weniger je Kilowattstunde. „Das bringt uns ehrlich gesagt gar nichts“, so Heunisch-Grotz.

Sie kritisiert außerdem, dass man die Entlastung erst rückwirkend beantragen kann, spricht von einem „Bürokratiemonster“. Bis das Geld bei ihr im Betrieb ankommt, werde es frühestens Ende des Jahres 2027 sein. Bis dahin seien etliche Firmen „schon gar nicht mehr am Markt“, meint die Gießerei-Chefin.

Recycling-Betrieb stellt bei zu hohem Strompreis Maschinen ab

Brisant ist die Situation mit Blick auf die Energiekosten auch beim Nürnberger Kunststoff-Recycler Sysplast. Probleme machten vor allem die Preisspitzen an der Strombörse. Täglich um 14 Uhr erfährt Geschäftsführer Udo Dobberke die Strompreise für die nächsten 24 Stunden. Sind sie zu hoch, ist die „gesamte Produktkalkulation im Eimer“. Die Folge: „Wir müssen dann in dem Moment die Anlage abstellen, alle Stromverbraucher vom Netz nehmen, weil wir sonst in die Verlustzone geraten würden“, erklärt Dobberke. Die Kosten für seine Mitarbeiter aber laufen weiter.

IHK: Industriestrompreis ist „nicht der große Wurf“

Etwas gemäßigter gibt sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Nürnberg. Der geplante Industriestrompreis sei zwar eine Entlastung, sagt Joachim von Schlenk. Er stellt aber auch klar: Die Subvention sei „nicht der große Wurf“. Der Industriestrompreis bringe die Firmen „bei Weitem nicht“ auf das Strompreis-Niveau der Wettbewerber im Ausland.

Industriestrompreis: Das ist geplant

Noch ist der Industriestrompreis nicht beschlossen. Die Einführung soll rückwirkend zum 1. Januar 2026 erfolgen. Mit Blick auf die Höhe der Entlastung war immer wieder die Rede davon, dass der Industriestrompreis bei rund fünf Cent liegen solle. Kritiker bezweifeln, dass das so kommt. Und die Ermittlung der Subvention ist komplex: Laut einem Eckpunktepapier will die Bundesregierung bis zu 50 Prozent der Abnahmemenge bezuschussen – mit maximal 50 Prozent des durchschnittlichen, jährlichen Börsenpreises. Dazu kommen noch Netzentgelte, Steuern und Umlagen.

Die Hälfte der erhaltenen Subvention müssen die Betriebe dann wieder investieren, in ökologische Gegenleistungen. Kritiker sehen das als Verwässerung der Subvention. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnet den Industriestrompreis dagegen als „passgenaues Instrument“, unter anderem mit dem Ziel, „die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller zu stärken“.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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