Tagelanger Stromausfall, Notunterkünfte, Hilfseinsatz der Bundeswehr: Ist das, was in Berlin passiert ist, auch in Bayern möglich? Experten beantworten diese Frage unterschiedlich. Behörden sind sich aber über eines einig: Haushalte sollten sich prinzipiell darauf vorbereiten, im Notfall einige Tage ohne Hilfe von außen auskommen zu können.
THW: Vorkehrungen entlasten Rettungskräfte im Krisenfall
„Eine gut vorbereitete Bevölkerung entlastet Rettungsorganisationen wie das Technische Hilfswerk im Krisenfall“, sagt etwa Annelie Schiller vom Landesverband Bayern des Technischen Hilfswerks (THW) BR24. „Haushalte, die vorausschauend planen und sich ausrüsten, können sicher durch einen Stromausfall kommen, während ehrenamtliche Einsatzkräfte ihre Kräfte auf besonders dringende Hilfeleistungen konzentrieren können.“
Schiller verweist auf die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die Behörde hat in einer Broschüre die wichtigsten Vorkehrungen zusammengefasst (externer Link).
Licht trotz Stromausfall
Damit es bei einem Stromausfall nicht dunkel bleibt, empfiehlt es sich, einen Vorrat an Lichtquellen und Hilfsmitteln in der Wohnung zu haben:
- Kerzen
- Taschenlampen (batteriebetrieben oder Kurbeltaschenlampen)
- Ersatzlampen
- Solar- und batteriebetriebene LED-Leuchten
- Feuerzeuge und Streichhölzer
- Batterien
Essen, Trinken und Kochen
Kein Strom bedeutet auch: Die Herdplatte wird nicht warm und der Kühlschrank kühlt nicht. Wenn auch IT-Systeme von Supermärkten ausfallen, kann es zudem schwierig werden, an Lebensmittel zu kommen. Falls Wasserwerke keinen Strom mehr haben, kann auch die Wasserversorgung ausfallen.
Das BBK empfiehlt daher, Trinkwasser und Lebensmittel für zehn Tage vorrätig zu halten – falls das zu viel ist, zumindest für drei Tage. Auch an Hygieneartikel sollte man denken.
In Bezug auf Lebensmittel empfiehlt das BBK vor allem solche, die nicht gekühlt und nicht gekocht werden müssen. Falls es doch mal eine warme Mahlzeit sein soll, kann ein Campingkocher zum Einsatz kommen. Man sollte jedoch bei Gerichten bleiben, die nur eine kurze Kochzeit haben – um Gas zu sparen.
Wärme ohne Heizung
Im Winter gibt es bei einem Stromausfall ein zusätzliches Problem: Es kann kalt werden. Fast alle Heizungen brauchen Strom, etwa für Pumpen und Steuerung.
Wer einen Kamin oder Ofen hat, ist im Vorteil. Das BBK rät, einen Vorrat an Kohle, Briketts oder Holz anzulegen. Zudem sollten Haushalte warme Kleidung und Decken bereithalten. Während eines Stromausfalls sollten alle in einem Raum bleiben und die Türen schließen, damit die Wärme im Zimmer bleibt. Das BBK weist darauf hin, trotzdem regelmäßig zu lüften, erst recht, wenn Kerzen im Einsatz sind.
Akkus und Radio sichern Informationsfluss
Fernseher, Radio, Telefon, Wlan-Router: Ohne Strom fallen alle netzbetriebenen Geräte aus. Das Handy funktioniert noch, solange es Akkuladung hat. Der BBK empfiehlt daher, sich mit geladenen Ersatzakkus, Powerbanks und solarbetriebenen Ladegeräten einzudecken.
Telefonieren übers Handy und Internetzugang über mobile Daten ist nur möglich, solange das Mobilfunknetz mit Notstrom versorgt wird – was nicht überall der Fall ist. Bei einem längeren Stromausfall geht der Notstrom außerdem irgendwann zu Neige.
Über ein batteriebetriebenes Radio kann man sich am zuverlässigsten auf dem Laufenden halten – die Radiosender verbreiten im Krisenfall Informationen und Mitteilungen der Behörden. Ganz ohne Strom oder Batterie funktionieren zudem sogenannte Kurbelradios mit Kurbeldynamo.
Bargeld statt Kartenzahlung
Mit einem Stromausfall können auch Geldautomaten sowie EC- und Kreditkartenzahlung außer Betrieb sein. Man sollte daher Bargeld zu Hause haben.
Was ist mit Solarstrom?
Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, kann bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes nicht automatisch auf den „eigenen“ Solarstrom zählen. Reguläre Photovoltaikanlagen schalten sich bei einem Netzausfall ab – unter anderem zum Schutz der Techniker, die nach dem Stromausfall an Leitungen arbeiten.
Es gibt aber auch Solaranlagen mit Notstromfunktion oder Ersatzstromversorgung. Hierfür sind technische Aufrüstungen nötig.
Achtung bei eigenen, kleinen Stromerzeugern
Bei kleineren Stromerzeugern mit Diesel-, Benzin- oder Gasmotorenantrieb ist laut BBK Vorsicht geboten. Sie dürfen nicht in Innenräumen betrieben werden, außerdem gibt es Vorschriften bei der Lagerung von Kraftstoffen. „Offene Feuerstellen oder unsachgemäß angeschlossene Notstromaggregate können lebensgefährlich sein und sollten unbedingt vermieden werden“, sagt auch Annelie Schiller vom THW.

