Augsburger Experte: Mehr Obduktionen notwendig
Der Chef des Pathologischen Instituts der Augsburger Uniklinik, Bruno Märkl, hält es in diesem Zusammenhang für geboten, mehr Obduktionen durchzuführen, um dem Virus auf die Spur zu kommen. Einige Borna-Fälle seien erst durch nachträgliche Gewebe-Untersuchungen festgestellt worden.
Autopsien seien extrem wichtig, gerade für die Erforschung von Krankheiten wie Borna, bei denen noch zu den möglichen Ausbreitungswegen im Körper viele Fragen offen seien, so Märkl zum BR.
Übertragungswege der Krankheit beim Menschen noch nicht geklärt
Nachzuweisen ist das Virus schnell über das Blut oder Rückenmarksflüssigkeit. Wie sich die Opfer aber anstecken, ist unklar. Den Experten zufolge könnte etwa eingeatmeter kontaminierter Staub eine Rolle spielen. Oder eine Schmierinfektion über Schmutz, der mit Ausscheidungen der Feldspitzmaus kontaminiert ist.
Erst 2018 wurde nachgewiesen, dass das Virus, das schon seit dem 19. Jahrhundert als Pferdekrankheit bekannt ist, auch Menschen befallen kann. Damals war es bei einer Organtransplantation dazu gekommen, dass die Organe eines erkrankten Mannes aus Bayern verpflanzt wurden. Zwei der drei Empfänger starben daraufhin; bei ihnen wurde das Bornavirus festgestellt.
13-Jährige erkrankt: „Es gab kein Halten mehr“
Professor Bruno Märkl hat das Bornavirus seit dem Tod eines jungen Mädchens immer auf dem Radar. Die 13-Jährige aus Schwaben war an Borna erkrankt, „in einer Art und Weise, dass es kein Halten gab, trotz intensiver Bemühungen der Kollegen auf der Intensivstation“. Dieser Fall habe sich ihm eingebrannt, sagt Märkl.
Bornavirus: Welche Risikofaktoren bekannt sind
Die Feldspitzmaus, die das Virus überträgt, ist eigentlich keine Maus, sondern gehört wie der Igel zu den Insektenfressern und lebt auf Brachflächen, auf Wiesen und Feldern, aber auch in Hausgärten.
Das Robert Koch-Institut hat festgestellt, dass „Erkrankungsfälle bei Patienten und Patientinnen auftraten, die am letzten Haus oder in der Nähe des letzten Hauses am Rande eines Dorfs und ländlicher Umgebung gewohnt haben“, so Expertin Liesche-Starnecker, das sei bisher der einzige bekannte signifikante Risikofaktor: „Weil dort eben auch ein Wohnort dieser Feldspitzmäuse ist und die zum beginnenden Winter und im Frühjahr sich dann den Wohnhäusern nähern, um dort auf Nahrungssuche zu gehen. Und da gehen wir davon aus, da könnte es zum Kontakt mit dem Menschen kommen.“
Vorsorge beugt Ansteckung vor
Expertin Friederike Liesche-Starnecker rät zu Vorsichtsmaßnahmen: Tote Spitzmäuse sollten – auch wenn die Katze sie mit nach Hause bringt – mit Desinfektionsspray benetzt und mit Handschuhen in einer Plastiktüte im Müll entsorgt werden. Der Komposthaufen sollte möglichst weit entfernt vom Haus angelegt werden.
Katzen- oder Hundefutter sollte am besten nicht lange im Freien stehen gelassen werden, um Feldspitzmäuse als Überträger gar nicht erst anzulocken. Umfassende weitere Informationen zum Bornavirus gibt es auf den Seiten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und beim Robert Koch-Institut.

