In der Silvesternacht brannte die Vondelkirche in Amsterdam, 2019 die Kathedrale von Notre-Dame in Paris. Auch in bayerischen Kirchen wütete in den letzten Jahren immer wieder das Feuer: Kurz vor Weihnachten beschädigte ein Schwelbrand die evangelische Friedenskirche in Oerlenbach bei Bad Kissingen. 2021 brannte in Utting am Ammersee die hölzerne Christuskirche vollständig aus.
Diese Brände zeigen, wie gefährdet historische Kirchen sind. Besonders die Holzbalken im Dachstuhl sind ein Brandrisiko. So auch bei der Nürnberger Lorenzkirche. Baubeginn: 1250. Damals dachte noch niemand an Sprinkleranlagen und Co.
Moderne Sensoren und Leitungen bis in den Turm
Um das Risiko zu minimieren, setzen viele Kirchen auf Nachrüstung mit moderner Technik. So wurden in einigen bayerischen Kirchen spezielle Rauchansauganlagen eingebaut – etwa in der Lorenzkirche in Nürnberg und der Frauenkirche in München. Diese Anlagen untersuchen permanent die Luft im Innenraum auf Rauchpartikel. Stellen sie Rauch fest, alarmieren sie automatisch die Feuerwehr.
Außerdem wurden Steigleitungen auf die Türme gelegt, sagt der Münchner Feuerwehrsprecher Franziskus Bronnhuber: „Wir haben im Liebfrauendom auch in den Türmen ein Feuerwehrdepot, wo eben Schläuche nochmal untergebracht sind.“
Eine weitere Gefahr für Kirchen sind – man merkte es beim Brand in Notre-Dame – Baustellen. Da fliegen leicht mal Funken, sagt Birgit Kastner vom Erzbistum Bamberg. Sie ist unter anderem für den Brandschutz beim Bamberger Dom zuständig. „Wir haben eben das Glück, dass wir eine eigene Dombauhütte haben. Und damit Leute, die geschult sind“, sagt Birgit Kastner. Die Zusammenarbeit mit ihnen sei sicherer, denn externe Firmen müssten jedes Mal neu eingewiesen und über die besondere Gefahr informiert werden.
Brandschutz? Geht auch mit Holz
Doch diese Maßnahmen haben ihren Preis. „Über die Jahre hinweg geht es in die Millionen“, sagt Pfarrerin Claudia Voigt-Grabenstein von der Nürnberger Lorenzkirche. Der Schaden, der bei einem Brand entstehen könnte, wäre dennoch deutlich höher als die bisher ausgegebenen Brandschutzkosten. Denn die Lorenzkirche steckt voller Kunstschätze. Unter anderem stehen dort kostbare Holzskulpturen aus dem 16. Jahrhundert. Und die sind eben leicht entflammbar.
Ein Kirchenbrand schmerzt aber nicht nur finanziell, weiß Jochen Eberhardt aus Utting, wo 2021 die Christuskirche niederbrannte: „Wenn ich heute Bilder sehe von damals, tut es mir noch in der Seele weh.“ Nach dem Brand 2021 machte sich seine Gemeinde rasch an den Wiederaufbau. „Wir wollten die Kirche zurück, die uns durch den Brand genommen worden ist“, sagt Eberhardt. Doch die war aus Holz. Was also tun?
Wenn es um Brandschutz geht, ist Holz nicht gleich Holz. Weichhölzer wie Fichte entflammen schneller als Harthölzer wie Buche. Voll- und Massivholz sind zwar auch entflammbar, brennen aber langsamer und kontrollierbarer ab als Spanplatten. Das macht sie sicherer. Darum verwendete die Gemeinde für den Wiederaufbau Holz, das sichere Eigenschaften besitzt. Zahlreiche Gemeindemitglieder halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

