Die steigende Bedeutung des Rüstungssektors, der Vormarsch der künstlichen Intelligenz, die Energiewende und der Umbau der Energieversorgung in Deutschland: Es sind sogenannte Megatrends, von denen Bayern derzeit besonders stark profitiert. Denn das bayerische „Start-up-Ökosystem“ habe seine Stärken im Technologiebereich, so die Wirtschaftsprüfer und Berater von EY. Das sei der Grund, weshalb mittlerweile mehr Geld in bayerische als in Berliner Start-ups fließe.
Junge Unternehmen stoßen auf leistungsfähige Industrie
Technologieunternehmen stehen im Fokus der Geldgeber. In Bayern funktioniere auch das Zusammenspiel oder das sogenannte „Ökosystem“ besonders gut. Hier stoßen junge Unternehmen auf eine noch immer sehr leistungsfähige Industrie. In Bayern ist das vor allem der Automobil- und Maschinenbau, aber auch die Medizintechnik.
Hinzu kommen Universitäten und Forschungseinrichtungen, die Innovationen fördern. Dass München in der Pflege und Entwicklung seiner Start-up-Szene erfolgreich ist, bestätigt Green Flexibility. Die Firma mit Sitz in Kempten spricht gegenüber BR24 von „perfekten Rahmenbedingungen“, die in der Landeshauptstadt etwa aufgrund der Nähe zu den großen Universitäten bestünden. In Berlin sind laut EY-Studie die Investoren im vergangenen Jahr auch deshalb zurückhaltender gewesen, weil hier der Schwerpunkt der Jungunternehmen unter anderem im Bereich E-Commerce liegt. Dieser schwächele aktuell etwas.
Hunderte Millionen fließen in Start-ups
Im Freistaat konnte vor allem das Münchner Start-up Helsing profitieren, das beispielsweise KI gestützte Kampfdrohnen herstellt. Mit einer Finanzierungssumme von 600 Millionen Euro stand es im vergangenen Jahr bundesweit an der Spitze und erhielt damit 150 Millionen Euro mehr frisches Kapital als ein Jahr zuvor.
Das Energieunternehmen Green Flexibility aus Kempten genießt bei Investoren ebenfalls sehr großes Vertrauen und wurde im vergangenen Jahr mit insgesamt 400 Millionen Euro finanziert. Die Firma ist in dem stark wachsenden Markt für Großbatteriespeicher tätig.
Rang drei unter den Top Investitionen geht mit 344 Millionen Euro an das Biotech Start-up Tubulis, das sich auf die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe für die Tumorbehandlung spezialisiert hat. Auch bundesweit liegen die bayerischen Unternehmen mit ihren Finanzierungserfolgen an der Spitze.
Bundesverband sieht Potential für ganz Deutschland
Der Bundesverband Deutsche Start-ups e.V. zieht ein klares Fazit zu dem Erfolg Bayerns. Es tue der deutschen Wirtschaft insgesamt gut, „dass Start-ups in Bayern immer mehr an Fahrt aufnehmen“. Der Erfolg sei zudem kein Zufall, sondern liege an der engen „Verzahnung von Spitzenforschung, Industrie und Kapital“.
Der Verein hofft, dass die gute bayerische Entwicklung auf ganz Deutschland übergreift: „Dafür braucht es vor allem mehr Wagniskapital.“ In der Konkurrenz der Bundesländer um die vorhandenen Mittel liegt demnach nicht unbedingt die Lösung für mehr Wachstum: „Wenn Wachstumskapital verfügbar ist, können mehr Start-ups den Sprung in die Champions League schaffen – unabhängig vom Standort.“

