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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Missbrauchsfälle: EKD-Betroffenensprecherin tritt zurück
Kultur

Missbrauchsfälle: EKD-Betroffenensprecherin tritt zurück

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Februar 2026 09:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Nancy Janz, Sprecherin der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), will von ihrem Amt zurücktreten. Im Juli 2022 hatte sie es angetreten. Als Grund für ihren angekündigten Rücktritt nannte sie eine hohe persönliche Belastung sowie mangelnde Umsetzung der Maßnahmen – auch in Bayern.

Inhaltsübersicht
Überlastung und verschleppte MissbrauchsaufarbeitungLandesbischof Kopp: „Halten uns zu 100 Prozent an diese Richtlinie“Evangelische Kirche bedauert RückzugZander: „Strukturen schaffen, dass solche Überlastungen nicht mehr stattfinden.“

Überlastung und verschleppte Missbrauchsaufarbeitung

„Das Arbeitspensum ist riesig. 10 bis 20 Stunden pro Woche sind für ein Ehrenamt wirklich viel. Ich habe daneben ja noch eine Vollzeitstelle“, sagt Janz im Interview mit dem evangelischen Magazin „Chrismon“ (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Dennoch sei während ihrer Zeit als Sprecherin vieles erreicht worden. Unter anderem wurden unabhängige Aufarbeitungskommissionen gegründet und einheitliche Anerkennungsleistungen für Missbrauchsbetroffene vereinbart.

Diese Maßnahmen seinen zwar positiv zu bewerten, „aber eben nicht genügend, was tatsächlich bei betroffenen Personen ankommt“, sagt Janz im Interview mit der ARD. Sie beobachte, dass einige der 20 Landeskirchen „ausscheren und dass es doch nicht ganz einheitlich geregelt ist.“ Zuletzt hatte sie bereits bemängelt, dass eine dieser Landeskirchen die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) sei.

Landesbischof Kopp: „Halten uns zu 100 Prozent an diese Richtlinie“

Seit Januar 2026 gelten die neuen Anerkennungsrichtlinien der EKD. Sie sollen für einheitliche Regeln in den bundesweit 20 Landeskirchen sorgen. „Wir halten uns zu 100 Prozent an diese Richtlinie“, sagt Landesbischof Christian Kopp im Interview mit dem BR. Er räumt aber ein: Die evangelische Landeskirche in Bayern (ELKB) weiche aktuell noch davon ab, was die Zahl der Mitglieder in der Anerkennungskommission angeht. Bei dieser Kommission können Personen einen Antrag auf die finanziellen Anerkennungsleistungen für Betroffene sexualisierter Gewalt stellen. Die Anerkennungskommission entscheidet dann über den Antrag. Laut EKD-Richtlinie soll dieses Gremium mit einer ungeraden Mitgliederzahl besetzt sein, um bei Abstimmungen eine Patt-Situation zu vermeiden. Doch in Bayern zählt das Gremium sechs Mitglieder. „An dieser Abweichung arbeiten wir“, sagt der Landesbischof.

Christian Kopp begründet die Abweichung damit, dass durch einen zwischenzeitlichen Ausfall eines Gremiumsmitglieds eine andere Person nachrückte, um die ursprüngliche Mitgliederzahl von fünf wieder herzustellen. Mittlerweile sei das ausgefallene Mitglied wieder ins Gremium zurückkehrt, was die Anzahl nun auf sechs erhöht habe.

Evangelische Kirche bedauert Rückzug

Grundsätzlich habe er Verständnis dafür, dass für betroffene Personen der Eindruck entstehe, Prozesse innerhalb der EKD liefen zu langsam ab. „Wenn es um einheitliches Vorgehen zum Thema sexualisierte Gewalt geht, dass wir da mit unserem Föderalismus Herausforderungen haben, das liegt in der Natur der Sache“, sagt Kopp. „Ich bin ein großer Freund des Föderalismus, aber er hat auch viele Punkte der Mehrarbeit, als wenn man ein zentrales System hätte.“

Die EKD bedauerte den angekündigten Rückzug. Die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum, die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, dankte Janz für ihr langjähriges und prägendes Engagement. Landesbischof Christian Kopp sagt: „Dass jemand in so einem Beteiligungsforum für sich sagt, das wird mir zu viel, ich habe da aller tiefstes Verständnis und meinen aller größten Respekt.“

Zander: „Strukturen schaffen, dass solche Überlastungen nicht mehr stattfinden.“

Innerhalb kurzer Zeit hat die evangelische Kirche zwei ihrer profiliertesten Stimmen für Aufarbeitung verloren. Co-Sprecher Detlev Zander lässt seit September sein Amt im Beteiligungsforum ruhen. Die Begründung von Janz, Überlastung sei ein Beweggrund zum Rücktritt gewesen, zeige deutlich, „dass wir die Strukturen noch mal anschauen müssen“, findet Zander. Die Arbeit als Betroffenensprecher sei arbeitsintensiv und sensibel und könne daher auch zu Überlastung führen. „Es gehört für mich auch dazu, dass man solche Strukturen schafft, dass solche Überlastungen nicht mehr stattfinden.“

Bis zur Regelung der Nachfolge bleibt Janz nach Angaben der EKD im Amt. Die Nachfolge solle innerhalb der aktuell sechsköpfigen Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum geklärt werden, teilte die EKD mit.

Mit Informationen von epd

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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