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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Zuckersteuer: Weniger Konsum, aber kaum gesundheitliche Effekte
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Zuckersteuer: Weniger Konsum, aber kaum gesundheitliche Effekte

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 9. Februar 2026 10:48
Von Michael Farber
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3 min. Lesezeit
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Eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke könnte in Deutschland den Konsum spürbar senken und damit zur Vorbeugung ernährungsbedingter Erkrankungen beitragen. Das sagt eine Studie [externer Link] des Wissenschaftlichen Instituts des Verbands der Privaten Krankenversicherung (WIP). Allerdings gebe es nur begrenzt Nachweise für direkte gesundheitliche Effekte. Die hingen stark davon ab, wie eine mögliche Steuer ausgestaltet würde.

Inhaltsübersicht
Deutschland isst zu viel ZuckerStudie: Höhere Zuckersteuer = weniger Konsum, neue RezepturenTeils positive gesundheitliche Effekte bei weniger ZuckerkonsumKinder und sozial Schwächere könnten von Zuckersteuer profitierenKritik an „freiwilliger Selbstverpflichtung“

Deutschland isst zu viel Zucker

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, weniger als 50 Gramm sogenannten „freien Zucker“ pro Tag aufzunehmen. „Freier Zucker“ umfasst alle Zuckerarten, die Lebensmitteln zugesetzt werden – vom Hersteller oder Verbraucher –, sowie den in Honig, Sirupen, Fruchtsäften vorkommenden Zucker.

In Deutschland wird dieser Wert deutlich überschritten – Frauen liegen nach Angaben des Max Rubner-Instituts [externer Link] bei 61 Gramm pro Tag, Männer bei 78 Gramm pro Tag. Vor allem zuckerhaltige Getränke gelten als mitverantwortlich für die Entstehung von Adipositas [externer Link], Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen [externer Link]. Wer eine Portion (200 Milliliter) eines solchen Getränks zu sich nimmt, schluckt 20 bis 34 Gramm freien Zucker.

Studie: Höhere Zuckersteuer = weniger Konsum, neue Rezepturen

Die WIP-Studie ist in einem Punkt eindeutig: „Typischerweise bezieht sich die Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke, und man konnte beobachten, dass der Konsum von zuckerhaltigen Getränken nach Besteuerung zurückgegangen ist. Wir haben auch gesehen, dass die Industrie reagiert und die Rezepte für zuckerhaltige Getränke verändert hat“, so Institutsleiter Frank Wild.

Teils positive gesundheitliche Effekte bei weniger Zuckerkonsum

Weniger eindeutig ist laut WIP die Datenlage zu gesundheitlichen Verbesserungen. Beobachtungsstudien, die reale Verhaltensänderungen nach Einführung einer Steuer auf Softdrinks untersuchten, zeigten „keine größeren gesundheitlichen Effekte. Das Problem ist häufig, dass der Gesamtzuckerkonsum oft unverändert geblieben ist“, so Institutsleiter Frank Wild.

Besonders wirksam erscheinen Steuermodelle mit gestaffelten Sätzen, die Hersteller zu zuckerärmeren Rezepturen bewegen.

Kinder und sozial Schwächere könnten von Zuckersteuer profitieren

Positive Effekte einer Zuckersteuer seien allerdings bei Kindern, Jugendlichen und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu beobachten.

Auch Forschende am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Uni Bremen weisen darauf hin [externer Link]: Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status seien häufiger von Krankheiten betroffen und könnten von einem geringeren Zuckerkonsum besonders profitieren.

Kritik an „freiwilliger Selbstverpflichtung“

Die Debatte um die Zuckersteuer reiht sich ein in zahlreiche Beispiele zögerlicher gesundheitspolitischer Regulierung in Deutschland, beklagt Versorgungsforscherin Monique Bialojan von der Hochschule Anhalt: „Aus wissenschaftlicher Sicht ist das ziemlich eindeutig: Aufklärung allein reicht nicht aus, um Verhalten auf Bevölkerungsebene nachhaltig zu verändern. Wissen ist wichtig, aber es führt nur selten automatisch zu gesünderem Verhalten.“

Bialojan spricht sich auch gegen das Konzept „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Industrie aus: „Gesetzliche Regelungen sind deutlich wirksamer. Sie schaffen gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer und führen schneller zu messbaren Veränderungen auf Bevölkerungsebene.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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