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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > USA und Bayern: Wo Amerika von uns abhängig ist
Wirtschaft

USA und Bayern: Wo Amerika von uns abhängig ist

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 13. Februar 2026 17:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Mittlerweile haben sich die Handelspartner der USA beinahe daran gewöhnt: Wenn der US-Präsident politischen Druck aufbauen will, droht er mit Zöllen. Damit will er die entsprechenden Länder treffen, wo es am meisten wehtut: bei Geld und Wohlstand.

Inhaltsübersicht
Ganze Produktpaletten kommen aus EuropaDie USA setzen auf „Made in Germany“Wie Druckmittel gegen die USA aussehen könntenDie bayerische Wirtschaft warnt vor einer EskalationWarnung der IHK: Handelsbeschränkungen treffen immer beide SeitenHandwerk befürchtet bei Sanktionen „Ketteneffekte“

Aber sitzen die USA wirklich immer am längeren Hebel? Oder gibt es Bereiche, in denen die USA selbst empfindlich abhängig sind – und Europa mehr Spielraum hat, als es oft erscheint? Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat genau das anhand von US-Importdaten nach Warengruppen untersucht – und kommt zu Ergebnissen, die den Blick auf die tatsächlichen Abhängigkeiten spürbar verändern.

Ganze Produktpaletten kommen aus Europa

Die IW-Studie hat errechnet, bei welchen Produktgruppen die USA besonders stark auf Europa setzen. Damit sind nicht einzelne Unternehmen oder einzelne Produkte gemeint, sondern eine statistische Sammelkategorie, unter der viele Hersteller und einzelne Modelle zusammenfallen können, etwa bestimmte Baugeräte.

Die Frage lautete: In wie vielen Bereichen kommt mindestens jeder zweite importierte Dollar aus der EU? Für 2024 zählte die Studie 3.120 solcher Warengruppen mit einem Volumen von rund 290 Milliarden Dollar – also nicht nur einzelne Nischen, sondern ein spürbarer Teil der gesamten US-Importpalette. Ein Indiz für Abhängigkeit.

Die USA setzen auf „Made in Germany“

Die Export-Nation Deutschland hatte einen großen Anteil an diesen Produkten. Insgesamt gab es 466 Warengruppen, bei denen der US-Importanteil aus Deutschland mindestens 50 Prozent betrug, bei 43 war Deutschland der einzige Importlieferant der USA.

Gerade bei industriellen Schlüsselgütern hat Deutschland innerhalb Europas besonders hohe Anteile an US-Importen. Dazu zählen mobile Kräne, Computertomographen, bestimmte Werkzeugmaschinen, Betonpumpen und mehrere Spezialstähle. Hinter vielen dieser Warengruppen stehen ganze Industrieketten.

Wie Druckmittel gegen die USA aussehen könnten

Und genau dort ist Bayern stark – als Exportstandort, aber auch als Teil internationaler Lieferbeziehungen, die bei neuen Zöllen schnell ins Ruckeln geraten – zum Schaden der USA. Für die politische Debatte heißt das: Eine „Druckmittel-Liste“ kann dann Substanz haben, wenn sie nicht bei Schlagworten stehen bleibt, sondern die Ketten dahinter mitdenkt.

Gerade bei Maschinen und Industriekomponenten geht es oft nicht nur um das „Gerät“ an sich, sondern auch um Ersatzteile oder Wartung. Und genau an dieser Stelle wird der Bayern-Fokus relevant: Viele der Branchen, die in solchen Kategorien stark sind, haben große Cluster und Zuliefernetze im Freistaat. Wäre den USA dieser Zugang plötzlich abgeschnitten, wäre das eine große Lücke, für die es von heute auf morgen keinen Ersatz gäbe.

Die bayerische Wirtschaft warnt vor einer Eskalation

Bayerische Wirtschaftsvertreter zeigen sich heute deutlich selbstbewusster als noch vor einem Jahr. „Europa muss aus einer Position der Stärke mit den USA verhandeln“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, auf BR24-Anfrage. Daher sei es „hilfreich, unsere Stärken auch konkret aufzuzeigen“. Zugleich warnt Brossardt vor einer Eskalation. Die Debatte zeige, „dass Europa und die USA aufeinander angewiesen sind“. Ein Handelskrieg sei „unsinnig“. Die USA seien im vergangenen Jahr mit einem Volumen von rund 26 Milliarden Euro Bayerns größter Exportmarkt gewesen. Bayerische Unternehmen sicherten in den USA rund 728.000 Arbeitsplätze.

Warnung der IHK: Handelsbeschränkungen treffen immer beide Seiten

Ähnlich ordnet die IHK München und Oberbayern die Debatte ein – und setzt einen entscheidenden Warnhinweis dazu: Dass Regierungen strategische Abhängigkeiten analysieren, sei „nachvollziehbar und berechtigt“, so IHK-Sprecherin Almut Burkhardt zu BR24. Gleichzeitig müsse man bedenken, „dass sehr viele deutsche und bayerische Unternehmen in den USA investiert haben und dort produzieren“.

In einer vernetzten Wirtschaft verliefen Wertschöpfungsketten „transatlantisch in beide Richtungen“ – mögliche Einschränkungen könnten also auch eigene Standorte und Tochterfirmen treffen. Als besonders sensible Eskalationsformen nennt die IHK breite Industriezölle, die exportstarke Branchen wie Fahrzeug- und Maschinenbau direkt belasten würden.

Handwerk befürchtet bei Sanktionen „Ketteneffekte“

Auch das Handwerk verweist auf Ketteneffekte. Typische Bereiche sind laut Alexander Tauscher von der Handwerkskammer für München und Oberbayern der (Spezial-)Maschinenbau, Werkzeugbau und Mechanik – oft als Zulieferer in Export-Wertschöpfungsketten. Wenn Industrieunternehmen wegen Zöllen weniger investieren, würden Aufträge verschoben – und Zulieferer aus dem Handwerk bekämen das als Erste zu spüren.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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