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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Satire darf alles“ – Stadlober gibt Tucholsky-Sammelband heraus
Kultur

„Satire darf alles“ – Stadlober gibt Tucholsky-Sammelband heraus

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. Juli 2024 11:51
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Satire darf alles

Und noch etwas unterstreicht Stadlober, wenn er über Tucholsky spricht: „Er ist überhaupt nie beleidigt. Das finde ich in unserer Zeit wirklich wichtig, weil ich das Gefühl habe, man ist nur noch von Beleidigten umgeben und man ist ja auch selbst nur noch beleidigt.“ Damit bezieht sich Stadlober übrigens explizit nicht nur auf die rechte Seite, sondern auch auf die, wie er sagt, „vermeintlich progressive“.

Inhaltsübersicht
Satire darf allesTucholsky-Gedicht noch heute aktuell: „An das Publikum“

Diese Pose moralischer Überlegenheit – gerade auch im eigenen linken Lager – nervte Tucholsky damals genauso wie sie den 41-jährigen Stadlober heute stört. „Es wehte bei uns im öffentlichen Leben ein reinerer Wind, wenn nicht alle übel nähmen“, schrieb Tucholsky in seinem gern zitierten Artikel „Was darf die Satire“ von 1919. Der berühmteste Satz daraus ist vermutlich: „Satire darf alles.“

Stadlober kritisiert, dass dieser Satz heute zu viel und zu schnell verwendet werde – insbesondere von Leuten, die „sehr kurze Antworten auf sehr komplexe Fragen haben“. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt der Schauspieler, die zwei Seiten in Tucholskys Text zu lesen, die diesem Satz vorausgehen. „Da geht es nämlich darum, dass die Dinge auf dieser Welt so komplex sind, dass ihnen oft nur mit Satire geantwortet werden kann.“ Und damit meine Tucholsky genau die mit den zu kurzen Antworten. „Über die muss man sich nämlich lustig machen, und das ist tatsächliche Satire.“

Tucholsky-Gedicht noch heute aktuell: „An das Publikum“

Eines der vielen aktuellen Gedichte Tucholskys ist für Stadlober „An das Publikum“ von 1931. Darin fragt Tucholsky: „O hochverehrtes Publikum, sag mal: bist du wirklich so dumm“ und listet Unternehmer, Direktoren und Verleger auf, die allesamt das Publikum unterschätzen („Was soll ich machen? Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!“). Dieses Gedicht ist das Gegenteil einer Publikumsbeschimpfung. Vielmehr nimmt es jene aufs Korn, die es beständig unterfordern wollen, so Robert Stadlober.

Mit dieser Haltung gegenüber dem Publikum plagt Stadlober sich schon langen herum, wie er sagt: „Wie oft ist man, ob nun beim Theater, Kino, Fernsehen, in irgendwelchen Runden, wo gesagt wird: Nee, das können wir nicht machen, das versteht ja keiner, da können die Leute nicht folgen.“ Tragisch sei das, so Stadlober, die Leute seien viel klüger und versierter im Umgang mit Inhalten als die annehmen, die diese Inhalte produzieren. „Das kann man nie genug wiederholen, vielleicht merkt’s dann mal einer in der Chefetage, dass man den Menschen auch was zumuten muss sogar, sonst wenden sie sich ab und wenden sich wirklich dümmerem Zeug zu.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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