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Wildcampen ist in Deutschland verboten. Trotzdem nahmen in den vergangenen Jahren Fälle zu, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. 79 Bußgeldverfahren wurden in diesem Jahr bereits wegen illegaler Übernachtungen im Allgäuer Naturschutzgebiet eingeleitet (Stand: 08.09.2026). Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Probleme durch Lautstärke und hinterlassenen Müll verärgern die Anwohner, die Polizei setzt auf Kontrollen. Im Freistaat droht den Wildcampern ein Bußgeld zwischen zehn und 2.500 Euro.
In anderen Ländern hingegen ist kontrolliertes Wildcampen erlaubt, zum Beispiel in Schweden. Ein Modell, das auch in den BR24-Kommentarspalten diskutiert wird. Taugt es zum Vorbild? Ein Nutzer schrieb unter ein BR24-Posting bei Facebook: „Könnte man jedoch umgehen, wenn man nach schwedischem Vorbild shelter zur offiziellen Übernachtung an kontrollierbaren Orten anbietet! Nicht nur immer mit Strafen kommt (was bei hinterlassenem Müll absolut richtig ist), sondern auch eine Alternative anbietet!“ Andere User hingegen sahen das ganz anders und wünschten sich noch höhere Bußgelder, um Umweltverschmutzungen zu vermeiden.
„Jedermannsrecht“ in Schweden
In Schweden ist durch das „Allemansrätten“ – das Jedermannsrecht – Wildcampen mit Zelten prinzipiell erlaubt, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. So wird unter anderem ein Abstand von 150 Metern zu bewohnten Häusern und Privatgrundstücken verlangt, größere Gruppen müssen vor dem Zelten die Erlaubnis des Grundbesitzers einholen – und in Naturschutzgebieten und Nationalparks gilt das Recht nicht. Zudem gilt das Jedermannsrecht nur für das Camping im Zelt, nicht für Vans und Wohnmobile.
Uwe Hoffart, Vizepräsident des Deutschen Camping Clubs, sieht im Gespräch mit BR24 durchaus Probleme mit dem Wildcampen: „Es ist ein tolles Erlebnis, gar keine Frage. Es ist Freiheit, die das Ganze mit sich bringt. Aber es fehlt Infrastruktur. Es werden Wege zertrampelt oder angelegt. Es wird Natur zerstört. Es werden Brutbereiche gestört.“
Knackpunkt Infrastruktur
Mehrfach weist Hoffart daraufhin, dass es nötig sei, die richtige Infrastruktur für Camper zu schaffen. Solange es keine Sanitäranlagen, keine Müllsammelstationen, aber auch keine angelegten Wege gäbe, so lange würden Wildcamper auf dem ein oder anderen Weg der Natur schaden. In Schweden, wie vom User angesprochen, wird dies teilweise vom Land bereitgestellt. Die „Shelter“ sind kostenlos nutzbare Unterschlüpfe, meist mit Feuerholz und Toiletten ausgestattet.
In Deutschland stelle der Deutsche Camping Club ebenfalls fest, dass in den vergangenen Jahren mehr Orte für den Camper sowie die nötige Infrastruktur geschaffen werde. Allerdings meist von Unternehmen oder Privatpersonen, die das Ganze nicht kostenlos anbieten könnten.
Zusätzlich konstatiert Hoffart, dass auch Kommunen den steigenden Bedarf wahrgenommen hätten. Dies sorge hierzulande aber eher für eine gegensätzliche Herangehensweise: Haben Städte früher noch häufiger zum Beispiel kostenlose Stellplätze für Besucher bereitgestellt, würden diese nun monetarisiert.
In den skandinavischen Ländern sieht Hoffart zudem deutlich mehr Flächen, aufgrund der geringeren Einwohnerdichte. Das erschwert unter anderem auch Kontrollen. „Da wir im Vergleich zu Skandinavien weniger Natur haben, wird diese natürlich auch besonders geschützt und dementsprechend ist das auch ein bisschen mehr reglementiert.“
„Organisiertes“ Wildcampen?
In Ländern wie England, in denen Wildcamping prinzipiell nicht erlaubt ist, sind Vermittlungsportale entstanden. Auf diesen Plattformen bieten Privatgrundbesitzer ihre Ländereien für „stilleres, wilderes“ Camping an, erklärt zum Beispiel Anbieter Nearly Wild Camping. Gegen eine kleine Gebühr können hier Camper unterkommen, die es „weg von überlaufenen Campingplätzen“ zieht. Eine Bewegung, die der Deutsche Camping Club auch in Deutschland beobachtet.
Dennoch warnt Hoffart: „Selbst Privatgrundstücke sind ja an Vorgaben gebunden, Umweltvorgaben, je nachdem, wie das Gelände definiert ist.“ Auch hier benötige man eine Infrastruktur, die eine Umweltverschmutzung verhindern würde. Alleine der Umgang mit Grauwasser oder möglichen Ausflüssen von Sprit oder Öl habe großen Einfluss auf das Grundwasser und erfordere eine gewisse Planung.
Mehr Besucher, mehr Regeln?
Abschließend vermutet Hoffart, dass sich auch in Ländern wie Schweden etwas ändern könnte. Denn der Camping Club beobachtet, dass es immer mehr Camper in den skandinavischen Norden zieht. Sollte sich dieser Trend fortsetzen und die Besucherzahlen weiter steigen, könnte es auch in den Ländern, die bis jetzt noch mit Freiheit bestechen, neue Regeln nötig machen.

