Wer derzeit nach einem günstigen Ticket für den Flug in die Herbst- oder Weihnachtsferien sucht, dürfte enttäuscht werden. Denn Flugreisen gehören nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den Dienstleistungen, die sich in Folge des Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus überdurchschnittlich verteuert haben.
Im ersten Halbjahr kostete das Ticket für einen Auslandsflug im Schnitt 8,5 Prozent mehr als ein Jahr davor. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit einer noch deutlicheren Zunahme.
Airlines verzichten auf Schnäppchenangebote
Was auffällt: Derzeit gibt es keine größere Airline, die mit einer aggressiven Preiskampagne um Kunden wirbt. Denn auch die Fluggesellschaften bekommen die massiv gestiegenen Kosten zu spüren. So hat sich der Preis für Kerosin als Kriegsfolge teilweise verdoppelt.
Die Unternehmen versuchen zwar, diese Belastung an ihre Passagiere weiterzugeben, doch das gelingt offenbar nur zum Teil, wie ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt. So meldeten nahezu alle wichtigen europäischen Airlines für die vergangenen Monate Gewinneinbrüche und schrumpfende Margen: zum Beispiel die Lufthansa-Gruppe, Air France-KLM oder Ryanair.
Fluggesellschaften oft nur knapp in der Gewinnzone
Dabei ist die Nachfrage nach Flugreisen ungebrochen hoch. Der Weltluftfahrtverband IATA erwartet in diesem Jahr einen neuen globalen Passagierrekord. Erstmals in der Geschichte dürften die Airlines mehr als fünf Milliarden Menschen transportieren.
Das Wachstum wird dabei laut der aktuellen Jahresprognose des Verbandes (externer Link) weder die hohe Inflation noch durch geopolitische Krisen gestoppt, sondern allenfalls moderat gebremst. Auch beim Umsatz erwartet die IATA ein deutliches Plus von mehr als neun Prozent.
Allerdings werden diese Zuwächse durch höhere Kosten weitgehend aufgezehrt, so dass viele Airlines Probleme haben, schwarze Zahlen zu schreiben. Branchenweit geht der Verband von einer Marge von gerade einmal zwei Prozent aus, dem niedrigsten Wert seit der Corona-Krise.
Erste Anzeichen für mögliche Insolvenzwelle
Damit hat die Branche derzeit kaum Spielraum für Preiskämpfe, die angesichts der unsicheren Lage ruinös ausfallen könnten. Ohnehin sehen Experten Anzeichen dafür, dass vor allem kleinere Fluggesellschaften ohne dickes Reservepolster während den für die Branche traditionell schwachen Wintermonaten in existenzielle Nöte geraten könnten. So meldete bereits in der vergangenen Woche die lettische AirBaltic Gläubigerschutz nach US-Recht an.
Schon im Frühjahr hatte es in den Vereinigten Staaten eine große Airline-Pleite gegeben, als der Billigflieger Spirit Airlines aufgeben musste. Kurz darauf stellte dann die Lufthansa den Betrieb ihrer Tochter Cityline ein und begründete dies ebenfalls unter anderem mit dem Anstieg der Kerosinkosten.

