Ein großer weißer Kasten mit Rädern, an den Seiten ein paar Sensoren und vorne, wo eigentlich das Führerhaus wäre, eine runde Nase – so dreht der autonome E-LKW seine Runden auf einem eingezäunten Gelände der Schwarz-Gruppe, zu der die Supermärkte Lidl und Kaufland gehören, in Geisenfeld. Erstmal nur für die Show. In einer viermonatigen Testphase fährt der leise Laster bereits an einem anderen Standort Waren von einem Lager zu einer Filiale.
Hoffnungsträger gegen Fahrermangel
Für die Schwarz-Gruppe geht es dabei um mehr als technische Machbarkeit. Die Logistikbranche kämpfe seit Jahren mit Personalmangel, sagt der Leiter von Schwarz Logistic Solutions, Serhan Yildirim. Laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen deutschlandweit aktuell 120.000 Lkw-Fahrer.
Nicht nur deshalb gilt die Logistik als besonders geeignet für autonome Fahrzeuge. Johannes Betz, Professor für autonome Fahrzeugsysteme an der Technischen Universität München, nennt gleich drei Gründe. Der Wichtigste: die immer gleichen Strecken. „Wir haben definierte Routen, die man immer wieder abfährt.“ Hinzu kämen der Fahrermangel, aber auch wirtschaftliche Vorteile: „Man kann natürlich Kosten senken.“
Technisch weit, aber noch nicht überall einsetzbar
Warum sieht man autonome Lkw dann noch nicht auf der Straße? „Von der Technologie her sind wir im Bereich autonome Lkw relativ weit“, meint Betz. Die größere Herausforderung beginne dort, wo ein Fahrzeug unter unterschiedlichen Bedingungen jederzeit sicher funktionieren müsse. Regen, Schnee oder Menschen auf der Straße seien Situationen, die das System zuverlässig beherrschen müsse. „Kann das Fahrzeug immer, überall, zu jeder Zeit fahren?“, fasst Betz die technische Hürde zusammen.
Deshalb sind autonome Lkw bislang meist auf klar abgegrenzte Einsatzbereiche beschränkt. Der Test-Lkw der Schwarz-Gruppe fährt derzeit maximal 25 Kilometer pro Stunde und legt nur rund 400 Meter zwischen Lager und Supermarkt zurück.
Automatisierung auch im Supermarkt-Lager
Der autonome Lkw ist nur ein Baustein der zunehmend automatisierten Logistik. Im Kaufland-Lager in Geisenfeld steuern digitale Systeme die Waren. Nudeln, Energydrinks und Marmelade sausen in einer 30 Meter hohen Halle von rechts nach links. 125 Filialen beliefert das Unternehmen von hier aus. Große Teile der Abläufe laufen bereits automatisch. Der fahrerlose Lkw könnte künftig Teil dieser Prozesskette werden.
Autonomes Fahren braucht vor allem eines: Investitionen
Wie geht es weiter mit dem autonomen Lkw? Autonomes Fahren sei „extrem teuer. Man muss investieren, man muss da jahrelang am Ball bleiben“, sagt Betz von der TU München. Am Rechtsrahmen scheitere die Entwicklung nicht. „Die Behörden haben wir. Wir haben die Gesetze auch in Deutschland, da sind wir weltweit führend“, sagt Betz. Tatsächlich hat Deutschland bereits einen gesetzlichen Rahmen für autonome Fahrzeuge geschaffen, und das Kraftfahrt-Bundesamt kann Genehmigungen erteilen. Einen Vorsprung hätten derzeit Unternehmen in den USA und China, so Betz. Dort sei über Jahre deutlich mehr Kapital in die Technologie geflossen.
Auch Yildirim betrachtet den aktuellen Einsatz deshalb als Lernprojekt. In den kommenden Monaten wolle das Unternehmen herausfinden, „was sind weitere Prozesse, die einfach umgestellt werden müssen, um das in eine Skalierung zu bringen“. Denn aktuell kostet das Projekt vor allem Geld.

