In gerade einmal acht Jahren von einer studentischen Idee zu einem Unternehmen, das am Finanzmarkt mit Milliarden bewertet wird. Der Aufstieg des bayerischen Raketenbauers Isar Aerospace war rasant, das Unternehmen gilt längst als Hoffnungsträger für mehr europäische Souveränität im All. So hat Isar Aerospace vor wenigen Wochen Raumfahrtgeschichte geschrieben. Das Unternehmen startete von Norwegen aus erstmals erfolgreich eine Rakete „Made in Germany“ in den Orbit und setzte dort planmäßig Satelliten ab. Ein Meilenstein für die immer noch junge Firma, die längst als Aushängeschild für die Startup-Szene im Freistaat gilt.
Deshalb sorgte es auch für Schlagzeilen, dass mit Josef Fleischmann einer der Gründer Isar Aerospace verlässt. Er will sich nach eigenen Angaben einem neuen Unternehmen namens Bavaria Instruments widmen. Das soll keine Raketen bauen, dafür aber Technologien entwickeln, mit denen zum Beispiel Satelliten Daten schon im All sortieren und auswerten, statt sie mehr oder weniger ungefiltert auf die Erde zu schicken.
Harmonischer Abschied
Der Abschied Fleischmanns von seiner bisherigen Rolle als Technikchef bei Isar Aerospace scheint dabei sehr harmonisch zu verlaufen. Beide Seiten äußerten sich in Pressemitteilungen sehr freundlich. So sagte Fleischmann, die Firma habe gezeigt, dass man erstklassige Ingenieurskunst auch in Europa in die Produktion strategisch wichtiger Produkte übersetzen könne. Er lobte außerdem seinen designierten Nachfolger Can Araz. Umgekehrt deutete sein bisheriger Arbeitgeber an, dass man mit Fleischmanns neuer Firma Bavaria Instruments zusammenarbeiten wolle. Und nicht zuletzt bleibt er Isar Aerospace als Anteilseigner verbunden.
Wechsel von Gründern nicht ungewöhnlich
In der Startup-Szene bewertet man diesen Wechsel auf der einen Seite als bemerkenswert, auf der anderen Seite kommt er für Kenner der Szene auch nicht ganz überraschend. So gilt Fleischmann als ausgewiesener Tüftler, den neue Herausforderungen reizen. Als Chefentwickler bei Isar Aerospace habe er Pionierarbeit geleistet, die mit dem erfolgreichen Start der ersten Rakete einen Abschluss gefunden habe, sagte ein Insider dem BR.
Bulent Altan, der Verwaltungsratschef des Unternehmens, verwies auf einen Umbruch des einstigen Startups hin zu einem großen Player im Raumfahrtgeschäft: Nach dem erfolgreichen Erststart beginne bei Isar Aerospace mit dem Aufbau einer industriellen Fertigung ein neues Kapitel. Fleischmann hingegen wolle sich dem widmen, was er am besten könne: Dinge zu bauen, die andere gerade erst entwerfen.
Verschiedene Gründe für Abschied vom eigenen Firmenbaby
Auch beim deutschen Startup-Verband sieht man diesen Wechsel als branchentypisch. Zwar hat der Verband keine Studiendaten, wie häufig und zu welchem Zeitpunkt Gründer ihr Startup verlassen, dennoch sei es nicht ungewöhnlich, dass sich technologiebegeisterte Erfinder und Entwickler nach der ersten großen Wachstumsphase verabschieden und neue Aufgaben suchen, sagte ein Sprecher dem BR.
Grundsätzlich gebe es einige typische Ursachen für den Abschied vom eigenen „Firmenbaby“, heißt es in der Szene. Einer davon ist das Wachstum erfolgreicher Firmen. Plötzlich geht es nicht mehr darum, mit ein paar Kumpels aus dem Studium revolutionäre Technik zu entwickeln, sondern man hat ein Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern, das organisiert werden muss. Statt Technologie geht es dann mehr und mehr um Verwaltung, was nicht jedem Gründer liegt.
Von Tesla zu TELO – wenn Investoren Gründer aus der Firma drängen
Ein anderer klassischer Grund für den Abschied aus der eigenen Firma sind externe Geldgeber, die nach der erfolgreichen Start- und Aufbauphase nicht an die Management-Qualitäten der Gründer glauben. Je nach der Größe ihrer Anteile können die Investoren dann für einen personellen Umbruch sorgen.
Ein bekanntes Beispiel sind Marc Tarpenning und Martin Eberhard. Die beiden Softwareingenieure gründeten 2003 Tesla mit der Vision eines elektrisch angetriebenen Sportwagens. Elon Musk sah das Potential dieser Technologie für den Massenmarkt, stieg als Investor ein und drängte die beiden Urväter relativ schnell aus dem Unternehmen. Heute sind beide noch im Geschäft mit der Elektromobilität, backen aber deutlich kleinere Brötchen als ihre frühere Firma Tesla. Mit dem Startup TELO setzen sie auf kleine elektrische Lieferwagen.

