Gründen war offensichtlich noch nie so einfach. So wurden im ersten Halbjahr in Deutschland mehr als 3.000 Unternehmen neu gegründet, über 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zudem gelang es der Branche auch, mehr Kapital einzuwerben.
Zahl der Start-Ups mit Milliardenbewertung wächst
Zwischen Januar und September sammelten deutsche Startups acht Milliarden Euro Wagniskapital ein. Das sind 500 Millionen Euro mehr als im gesamten Vorjahr. Halte der aktuelle Trend an, werde das Investitionsvolumen 2026 mit zwölf Milliarden Euro voraussichtlich den zweithöchsten Wert nach dem Boomjahr 2021 erreichen, heißt es im aktuellen Monitor des Deutschen Startup-Verbands.
Allerdings muss man genau hinsehen: Es sind vor allem etablierte Unternehmen, wie Helsing und Quantum Systems, die Kapital anziehen. In diesem Jahr ist die Zahl der Einhörner – also Unternehmen, die mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden – um weitere elf gestiegen, auf jetzt insgesamt 39. Der Aufbruch komme zur richtigen Zeit, meint Verbandschefin Verena Pausder: „Große Teile unserer Industrie ringen um ihre Existenz.“
Besondere Stimmung auf der Bits & Pretzels
Von der Aufbruchstimmung ist auch auf der Bits & Pretzels einiges zu spüren. Neben den etablierten Firmen präsentieren sich viele junge Startups im Münchner Kongresszentrum ICM. Die Veranstalter sprechen von 7.500 Gründerinnen, Gründern und Investoren, die sich hier drei Tage lang austauschen. Am letzten Tag geht es traditionell auf das Oktoberfest. So soll das netzwerken besser gelingen.
Ganz neu auf der Messe sind Unternehmen aus dem Rüstungsbereich. So gibt es im ICM einen eigenen Bereich für die Branche – mit einer Drohne, um gleich klar zu machen, um was es hier geht. Bei der Eröffnungsveranstaltung mit auf dem Podium sitzt zudem der Flottillenadmiral Christian Bock, der das Innovationszentrum der Bundeswehr leitet und die technologische Transformation der deutschen Streitkräfte vorantreiben soll. Zusammen mit dem Leiter vom Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw), Sven Weizenegger, ruft er junge Unternehmen unter anderem dazu auf, an den „Demo Days“ der Bundeswehr teilzunehmen. Das gebe den Startups Gelegenheit, vor Ort direkt von Soldaten Rückmeldung zu bekommen.
Start-Ups in einer „Übergangsphase“
Allerdings ist nicht alles eitel Sonnenschein. So spricht der Mitgründer der Messe Felix Haas von „tollen neuen Möglichkeiten“ für Gründer angesichts künstlicher Intelligenz, Robotik und Industrieautomatisierung. Andererseits herrsche auch sehr viel Unsicherheit und Ungewissheit, in welche Richtung die Entwicklung läuft. Deshalb spricht Haas von einer „Übergangsphase“, in der sich die Gründerinnen und Gründer befinden. Man habe große Herausforderungen, aber man sehe auch vor Ort gerade sehr viele Gründer und Investoren, die bereit seien, das Risiko einzugehen, um an der Zukunft zu arbeiten.
KI treibt Start-Up-Entwicklung voran
Die Künstliche Intelligenz treibt offenbar die Entwicklung voran. Dazu passt, dass der französische KI-Entwickler Mistral in München ein Büro eröffnet. Trotzdem scheint die Dominanz der US-Entwickler wie OpenAI, Anthropic, Google und Meta durch europäische Firmen kaum noch brechen zu können.
Für Deutschland und Europa sei es das Richtige, diese neuen Möglichkeiten anzunehmen und zu überlegen, wie man sie schlau nutzen könne, meint Haas. Unter anderem in den USA wird ja darüber diskutiert, ob man aufgrund von Sicherheitsvorfällen mit der KI nun Bremsen oder Gas geben soll. Er sei klar gegen Bremsen: Die Zukunft lasse sich nicht verhindern, so Haas. Allerdings plädiert er auch dafür, die Anwendungen genau zu kontrollieren und sich zu überlegen, was zu den Europäischen Werten passt und was nicht.

