Sind die Gasspeicher im Winter die einzige Energiequelle?
Nein, die Gasspeicher sind eine Art Gasvorrat und federn Spitzen an besonders kalten Tagen ab. Wenn mehr Gas gebraucht wird, als über Pipelines und LNG-Lieferungen per Schiff hereinkommt, dann liefern die Gasspeicher zu. Laut der EU-Kommission decken sie zwischen 25 und 30 Prozent des Gasbedarfs im Winter ab. An besonders kalten Tagen kann der Anteil auch steigen: Laut Speicherbetreibern kamen an einzelnen Tagen im vergangenen Winter teils 50 Prozent des benötigten Gases aus den Speichern, über den Januar gesehen im Schnitt 38 Prozent.
Parallel laufen aber auch die durchgängigen Lieferungen – die sind wichtiger als die Speicher. Deutschland bezieht sein Gas vor allem aus Norwegen, den Niederlanden oder Belgien. Rund zehn Prozent kommen als Flüssigerdgas LNG an deutschen Terminals an, das meiste davon aus den USA. Expertin Klaas verweist darauf, dass Deutschland auch seine LNG-Importe erhöhen könnte, Kapazitäten seien frei. „Das muss aber auch der Weltmarkt hergeben und das ist natürlich auch eine Frage des Preises.“
Wie teuer wird die Gasversorgung im Winter?
An der Börse ist Gas derzeit teilweise doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte dem Handelsblatt (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt): „Wer mit Gas heizt, muss im kommenden Winter mit höheren Kosten rechnen.“
Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der Gaspreis pro Kilowattstunde für Neukunden, die jährlich 20.000 Kilowattstunden verbrauchen, derzeit bei 12,43 Cent. Anfang August lag er noch unter zehn Cent. Aber nicht nur Menschen mit Gasheizungen sind betroffen. Auch die Industrie braucht Erdgas, in Gaskraftwerken entsteht daraus Strom. Außerdem gehört Erdgas auch zum Fernwärmemix.
Sind Sorgen vor zu wenig Gas im Winter begründet?
„Eine Versorgungsmangellage ist aktuell auch eher unwahrscheinlich“, sagt Erdgasmarkt-Expertin Ann-Kathrin Klaas im ARD-Podcast Plusminus. Und: Selbst wenn eine Zeit lang gar keine Importe kämen – was nicht realistisch ist –, dann könnten die Speicher mit ihrem aktuellen Füllstand die deutsche Gasversorgung für etwa 40 Tage garantieren, bei durchschnittlichem Winterwetter, sagt Klaas.
Auch vom Bundeswirtschaftsministerium heißt es, dass die Versorgungslage grundsätzlich sicher sei. Bei der Anweisung zur zusätzlichen Gaseinspeicherung gehe es um die Krisenvorsorge. „Eine bestimmte erreichte Gasspeicherfüllstandsquote gibt nicht an, ob die Versorgung gesichert ist.“

