Wenn das Datenvolumen des Handytarifs aufgebraucht ist, merken Sie das unmittelbar: Das Surfen wird zur Qual, das Laden der Websites dauert gefühlte Ewigkeiten. Bei KI-Chatbots wie Claude, ChatGPT oder Gemini ist das anders. Auch wer gar nichts zahlt, bekommt Antworten – aber oft von einem schwächeren Modell, das weniger gründlich arbeitet und dadurch auch mehr Fehler macht. Wie gut die Antwort hätte sein können, bekommen Sie gar nicht erst mit.
Die gute Nachricht ist: Es gibt nach wie vor Gratis-KIs und vergleichsweise günstige Abos um die 20 Euro pro Monat. Die schlechte: Der Qualitätsabstand zu den teureren Abos wächst. Die jüngste Folge des KI-Podcasts fragt deshalb: Steuern wir auf eine Zweiklassen-KI-Gesellschaft zu? Und wie bekommen wir noch gute KI für wenig Geld?
Darum könnten KI-Abos teurer werden
Fakt ist: Bei intensiver Nutzung decken die Abos die Kosten nicht. Im 20-Dollar-Abo von ChatGPT Plus steckt Rechenleistung, die über eine API rund 700 Dollar kosten würde. Das hat das Analysehaus SemiAnalysis ausgerechnet (externer Link).
Das Kalkül der KI-Firmen: Ähnlich wie einst Netflix und Uber wollen die Firmen erst Marktführerinnen werden, um später langfristig Geld verdienen zu können. ChatGPT etwa blendet seit August Werbung ein. Alternative: Die Preise für die rechenintensiven Top-Modelle anheben.
Was taugen die derzeitigen Gratis-Versionen?
Wer KI-Chatbots im Alltag für einfache Fragen nutzt, fährt mit den Gratis-Versionen ganz gut. Mit ChatGPT etwa sind unbegrenzte Text-Chats möglich – zumindest mit dem kleineren Modell GPT-5.6 Luna. Die stärkeren Sol-Modelle bleiben den zahlenden Kunden vorbehalten. Ähnlich macht es Anthropic: Gratis-Nutzer chatten bei Claude mit dem Mittelklasse-Modell Sonnet 5.5. Auf das stärkere Modell Opus 5.5 können nur Bezahlkunden zugreifen. Bei Google darf Gemini dagegen auch in der 0-Euro-Version mit dem stärksten Pro-Modell arbeiten, dafür ist das Rechenkontingent knapp. Die Grenzen werden mit anspruchsvolleren Aufgaben deutlich. Dann arbeiten die kleineren Modelle ungenauer und machen mehr Fehler.
Muss es überhaupt ein Abo sein?
Das kommt darauf an. Wer KI viel und für komplexe Anfragen nutzt, damit arbeitet oder vibecodet, kommt kaum darum herum.
Eine Überlegung wert für alle Gelegenheits-KI-Nutzerinnen und -Nutzer sind Plattformen wie OpenRouter. Über sie lassen sich Hunderte Modelle verschiedener Anbieter direkt im Browser nutzen. Statt eines monatlichen Abos kaufen Sie ein Guthaben und zahlen nur dann, wenn Sie die KI auch tatsächlich nutzen.
Gänzlich unabhängig von den Anbietern sind Sie mit offenen Modellen, die sich herunterladen und auf dem eigenen Rechner betreiben lassen. Das sind beispielsweise Gemma von Google, gpt-oss von OpenAI oder Qwen vom chinesischen Alibaba-Konzern. Dann zahlen Sie nur für den Strom, brauchen aber einen leistungsstarken Computer.
Fazit: An der Spitze gibt es die Zweiklassen-KI bereits
Bei den Spitzenmodellen ist die Zweiklassen-KI-Gesellschaft bereits Realität. Mit Anthropics Claude Fable können Sie erst im Max-Abo ab rund 107 Euro im Kontingent enthalten, im günstigeren Pro-Abo zahlen Sie für jede Anfrage extra. OpenAIs Topmodell Astra gibt es im normalen Chat erst ab dem Pro-Abo für 103 Euro im Monat. Und Googles Gemini Deep Think ist Abonnenten ab AI Ultra für rund 100 Euro monatlich vorbehalten.
Die meisten Nutzerinnen und Nutzer brauchen diese Modelle aber nicht. Es reichen die Gratis-Versionen oder die günstigsten Abos. Offen bleibt, ob und wann die Anbieter ihre Großzügigkeit bei den kleineren Massenmodellen spürbar einschränken.

