„Die WMO-Prognosen deuten auf eine nahezu 100-prozentige Wahrscheinlichkeit hin, dass El Niño bis Februar 2027 anhält und möglicherweise einer der stärksten seit mindestens 1950 sein wird“, sagte die Generalsekretärin der Weltwetterorganisation WMO Celeste Saulo zu einer aktuellen Prognose der Organisation.
Woran sich ein starker El Niño erkennen lässt
Ein El Niño kündigt sich durch ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperaturen in der entscheidenden Meeresregion im zentral-östlichen äquatorialen Pazifik an. Dort prognostiziert die WMO (externer Link) für Oktober bis Dezember eine durchschnittliche Anomalie von +3,7°C. Dies sei der höchste Wert seit Beginn der Beobachtungen und stärker als der bisherige Rekord von +2,6 °C von November 2015 bis Januar 2016.
Was ist El Niño und wie beeinflusst er das Wetter?
El Niño ist ein unregelmäßig auftretendes natürliches Wetterphänomen im Pazifik, das sich über den Jahresverlauf aufbaut und seinen Höhepunkt erreicht, wenn auf der Nordhalbkugel Spätherbst und Winter ist. Durch erhöhte Meerestemperaturen in bestimmten Regionen steigt feuchte und warme Luft auf und verändert die Meeresströmungen im Pazifik.
Normalerweise wehen Passatwinde das warme Oberflächenwasser von Ost nach West, also von Südamerika nach Australien. Bei El Niño schwächen die tropischen Ostpassatwinde ab und können ihre Richtung sogar ändern. Das warme Wasser verlagert sich nach Osten vor die Küsten Südamerikas – vor Peru, Ecuador und Chile. Dadurch verändert sich die Atmosphäre über dem Pazifik. Wetter- und Niederschlagsmuster verschieben sich – von Südamerika über Ozeanien bis hin nach Australien und Südostasien. Ein besonders starker El Niño kann sich sogar bis nach Afrika auswirken.
Hat El Niño Einfluss auf das Wetter in Deutschland?
Aber: „Der Einfluss von El Niño auf die Witterung in Europa beziehungsweise Deutschland ist generell sehr gering – praktisch kaum nachweisbar –, unabhängig davon, wie stark El Niño ausfällt“, sagt Lothar Bock vom Regionalen Klimabüro München des Deutschen Wetterdienstes (DWD). An diesem Wissensstand, der mindestens 20 Jahre alt sei, habe sich bis heute nichts geändert, auch wenn zwischenzeitlich neue Studien dazu herausgekommen seien, so Bock.
Wie Polarwirbel und Jetstream unser Wetter beeinflussen
Größeren Einfluss auf das Wetter in Deutschland als El Niño haben – neben dem Klimawandel – etwa der Polarwirbel und der Jetstream. Denn sie haben Auswirkungen auf die Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten und damit auch darauf, ob es in Deutschland einen kalten, schneereichen oder eher einen milden Winter geben wird.
Ein starker Polarwirbel etwa hält mit seinen kräftigen Westwinden die eisige Luft in der Arktis fest. Schwächt sich dieser Polarwirbel beispielsweise durch eine starke Erwärmung in der Stratosphäre ab, also in einer Höhe von etwa 10 bis 50 Kilometern, kann die arktische Luft nach Süden ausbrechen und unter anderem in Europa zu Kälteeinbrüchen führen.
Der Jetstream, ein Starkwindband, das sich in etwas niedrigerer Höhe als der Polarwirbel befindet, steuert unser tägliches Wetter. Er bestimmt die „Route“ der Hoch- und Tiefdruckgebiete.
Warum der Winter 2026/27 nur eingeschränkt vorhersagbar ist
Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes deutet sich derzeit ein niederschlagsreicher, teils windiger und milder bis sehr milder Winter 2026/27 an. Die „Vorhersagegüte“ sei allerdings nur „gering bis mäßig“, sagt Wetter-Experte Bock vom DWD. Es könnte auch phasenweise deutlich kältere Abschnitte geben – so wie im Januar des vergangenen Winters.

