Auf den Ölmärkten wächst die Hoffnung auf eine leichte Entspannung. Immerhin haben die Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur zugesagt, rund 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl zusätzlich auf den Markt zu werfen. Doch für Verbraucher dürfte die Entlastung durch die Freigabe dieser Notreserven überschaubar bleiben – und womöglich erst mit Verzögerung ankommen. Vor allem Haushalte mit Ölheizung stehen deshalb vor der Frage, ob sie jetzt Heizöl bestellen oder weiter auf sinkende Preise hoffen sollen.
Experten, wie zum Beispiel bei der App Tankerkönig, leiten aus der Preisentwicklung von sogenannten Zukunftskontrakten ab, dass Diesel wie Heizöl sich um vielleicht vier Cent pro Liter verbilligen. Beim Benzin wäre der Preissenkungs-Effekt nur halb so groß, weil die Knappheit vor allem den Diesel betrifft.
Düstere Prognosen vor anstehender Heizperiode
Trotz der wieder aufgenommenen Tankerfahrten in der Golfregion bleibt Rohöl teuer. Denn für die gefährliche Passage der Straße von Hormus sind die Preise extrem gestiegen, das jetzt häufigere Umladen von Schiff zu Schiff auf See verursacht weitere Kosten und außerdem sind weltweit die Reserven bei Öl und Sprit auf einem Tiefstand, sodass die Nachfrage höher als in normalen Zeiten ist. Hinzu kommt die erhöhte Energienachfrage wegen des KI-Booms.
Der Iran-Krieg und der KI-Boom werden dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge deshalb weiterhin hohe Energiepreise verursachen, und zwar weltweit. Das bekommt auch in Bayern so gut wie jeder inzwischen zu spüren, an der Tankstelle oder beim Heizen mit Öl, Gas und sogar bei Holz-Pellets, die teurer wurden. „Der Preisdruck könnte sich weiter verstärken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die Länder ihre Reserven wieder auffüllen“, so IWF-Chefin Kristalina Georgiewa.
Freigabe nationaler Reserven mit symbolischer Wirkung
Dass nun 100 Millionen Barrel aus nationalen Reserven in den Markt gehen, wird nach Einschätzung des IWF und von Ökonomen wenig ändern an der Situation. Die Freigabe diene dazu, die Märkte etwas zu beruhigen und negative Spekulationen auf Knappheiten einzudämmen: „Seht alle her, es ist genug Öl da, wir haben noch reichlich davon“, lautet die Botschaft.
Heizölhändler warnen vor langen Lieferzeiten im Winter
Am dramatischsten waren die Preisveränderungen beim Heizöl, das sich von allen Energieträgern am stärksten verteuerte. Konnte man 2025 noch 100 Liter Öl für unter 100 Euro bestellen, kostete die gleiche Menge in diesem Jahr in der Spitze bereits 180 Euro im bundesweiten Durchschnitt Anfang September. Anschließend beruhigten sich die Preise etwas. Aber der Preis ist nicht alles, das Öl muss auch geliefert werden. Und der bayerische Heizölhandel warnt eindringlich vor einem logistischen Engpass.
Wartezeiten können von aktuell wenigen Tagen bis auf mehrere Monate steigen, wenn viele auf einmal für den Winter nachbestellen müssen. Bislang wurde wegen der anhaltend hohen Preise in diesem Sommer so wenig Öl eingelagert wie selten zuvor, eine riesige Nachholwelle steht zu befürchten.
Kein Tankrabatt fürs Heizöl
Anders als bei Benzin und Diesel gibt es für Heizöl keinen Tankrabatt. Denn hier ist die Energiesteuer ohnehin niedrig, die für Benzin und Diesel um brutto 17 Cent gesenkt wurde. Und an der steigenden CO2-Abgabe wird nicht gerüttelt, die heute schon etwa 20 Cent pro Liter ausmacht.
Mit den Heizölpreisen, die aktuell um gut zwei Drittel über denen des Vorjahres liegen, wird der Winter für viele Haushalte in Bayern richtig teuer. Gerade in ländlichen Regionen ist die Ölheizung noch der Regelfall, so dass sie in ganz Bayern mit 37 Prozent der Gebäude sogar an erster Stelle steht. Das ist anders als in anderen Bundesländern, wo in erster Linie mit Gas und weniger mit Öl geheizt wird.
Verbraucherzentrale rät zum Kauf von Teilmengen
Die Verbraucherzentrale Bayern rät, diesmal wegen der extremen Preise in mehreren Teilmengen zu bestellen, also nicht die haushaltsübliche Menge von 3.000 Litern, die inzwischen bis zu 5.000 Euro kosten kann. Vielleicht ist ja noch genug im Tank. Eine halbe Füllung reicht möglicherweise, um damit über den Winter zu kommen und im Frühjahr nach der Heizperiode auf günstigere Preise zu hoffen.

