Im Erlanger Schlossgarten können sich die Besucher im Schatten alter Bäume auf Liegestühlen niederlassen und zahlreichen Autoren lauschen, die am Wochenende ihre aktuellen Bücher präsentieren – darunter auch Tijan Sila, der in diesem Jahr den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten hat.
Herausragende Autoren in Erlangen
„Es ist Tradition, dass wir den oder die Bachmann-Preisträger/Preisträgerin zu Gast haben. Das ist auch für die Besucher immer ein Highlight“, sagt Annika Gloystein, Sprecherin des Erlanger Poetenfests, das sich seit diesem Jahr Poet*innenfest schreibt. Aus ihren aktuellen Büchern werden auch Nora Bossong, Zora del Buono, Maren Kames und Clemens Meyer lesen, die es in diesem Jahr auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 geschafft haben.
Bayern2-Nacht der Poesie macht den Auftakt
Auch Schriftsteller Michael Köhlmeier ist in diesem Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert. Er wird bei der Auftaktveranstaltung, der Bayern2-Nacht der Poesie, im Erlanger Markgrafentheater zu Gast sein. Außerdem widmet das Literaturfestival den beiden Autorinnen Katja Lange-Müller und Jenny Erpenbeck Autorenporträts. Jenny Erpenbeck hat als erste Deutsche 2024 den renommierten International Booker Prize gewonnen. In ihrem Roman „Kairos“ erzählt sie eine Lebensgeschichte in der Endphase der DDR.
Fränkisch in aller Munde
Zudem wird der fränkische Mundartautor Fitzgerald Kusz zu seinem 80. Geburtstag mit einem Autorenporträt geehrt. Kusz gilt als einer der führenden Vertreter der Mundartwelle der 1970er und 80er-Jahre. Sein erfolgreichstes Stück „Schweig, Bub!“ von 1976 wurde seit seiner Uraufführung rund 730 Mal am Nürnberger Theater gespielt. Die Mundart sei das längst fällige Haar in der Suppe der Literatur. Ohne sie wäre unsere Sprache um vieles ärmer, so Kusz.
Politische Themen und Debattenkultur im Fokus
Auch aktuelle politische Themen werden beim Literaturfestival diskutiert, wie die Landtagswahlen am 1. September in Thüringen und Sachsen, die US-Wahl und der Nahost-Konflikt. Lizzie Doron, Najwa Juma und Meron Mendel wagen zum Beispiel am Sonntag einen jüdisch-palästinensischen Dialog. „In diesem Jahr ist der rote Faden die Debattenkultur. Miteinander sprechen, sich gegenseitig zuhören und andere Meinungen auch respektieren, dafür soll das Poet*innenfest eine Plattform sein“, sagt Gloystein.
Umfangreiches Programm auch für Familien
Das Literaturfest bietet zudem ein umfangreiches Programm: darunter einen Poetry Slam und eine Übersetzer- und ÜbersetzerInnen-Werkstatt sowie mehrere Ausstellungen. So wird unter anderem das Erlanger Comic-Projekt „Wie geht es Dir?“ präsentiert, das ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen will. Kinder und Jugendliche sollen mit Lesungen, einer Druckwerkstatt, einem Comic-Workshop und einer Bilderbuch-Lesewiese für die Welt der Bücher gewonnen werden.
Insgesamt kommen mehr als 100 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Literaturkritiker und Publizisten zum Erlanger Poet*innenfest. Viele Veranstaltungen sind kostenlos. Die Veranstalter rechnen mit rund 12.000 Besuchern.