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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Rettungsdienste in Not: Wie sich die Arbeit erleichtern ließe
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Rettungsdienste in Not: Wie sich die Arbeit erleichtern ließe

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 29. August 2024 07:03
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Kurz vor 23 Uhr, ein Rettungseinsatz in Hebertshausen bei Dachau. Ein junger Mann hat eine Panikattacke. Notfallsanitäter Tobias Weber ist mit seinem Kollegen vor Ort – ein klassischer Fall für den Rettungsdienst. „Der Patient lag hilflos auf dem Gehweg, da war es selbstverständlich richtig, die 112 zu rufen“, sagt Weber. Jetzt wird die Notaufnahme im nahegelegenen Krankenhaus in Dachau den Mann aufnehmen.

Inhaltsübersicht
BRK warnt: Krankenhausreform erschwert NotfallversorgungEin Problem nachts: Rettungswagen müssen auch Krankentransporte übernehmenZu viele „Fehleinsätze“, die keine echten Notfälle sindKosten für Rettungseinsätze sind explodiertRettungsdienste überlastet? Innenministerium beschwichtigtKonzept der Integrierten Notfallzentren: Rettungskräfte gezielter einsetzen

BRK warnt: Krankenhausreform erschwert Notfallversorgung

Doch selten läuft alles so glatt. „Wir müssen oft weite Strecken zurücklegen, bis wir ein Krankenhaus anfahren können“, berichtet der Notfallsanitäter. Und in Zukunft könnte das noch häufiger der Fall sein, wie das Bayerische Roten Kreuz (BRK) angesichts der geplanten Krankenhausreform warnt.

Bereits jetzt beobachtet das BRK täglich eine Art „Planspiel“ im Rettungsdienst. „Durch abgemeldete Notaufnahmen erleben unsere Mitarbeitenden tagtäglich, was es bedeuten würde, wenn Klinikum A nicht mehr existieren würde“, erklärt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. Zum Vergleich: 2022 hätten Transporte fast 25 Prozent länger gedauert als 2013.

Ein Problem nachts: Rettungswagen müssen auch Krankentransporte übernehmen

Hinzu kommt, dass auch die Einsätze immer mehr werden. Allein beim Bayerischen Roten Kreuz, das als Körperschaft des öffentlichen Rechts den größten Rettungsdienst in Deutschland betreibt, sind sie in den vergangenen zehn Jahren um fast 15 Prozent gestiegen.

Für Notfallsanitäter Weber bedeutet dies, dass er vom Krankenhaus in Dachau direkt weiter muss: Er soll eine Seniorin aus der Notaufnahme zurück ins Pflegeheim bringen. Eigentlich ein Fall für einen Krankentransport. Doch: „In der Nacht gibt es keine Transportwagen.“ Also müssen die vollwertigen Rettungswagen dafür ran – obwohl sie für Notfälle gebraucht werden.

Zu viele „Fehleinsätze“, die keine echten Notfälle sind

Noch stärker zugenommen hätten in den vergangenen Jahren sogar die „Fehleinsätze“, also vermeintliche Notfälle, für die kein Rettungswagen nötig wäre. Diese sind dem BRK zufolge um fast 40 Prozent mehr geworden.

Notfallsanitäter Tobias Weber sieht dabei aber die Schuld nicht bei den Patienten: „Die Leute rufen an, weil sie keinen anderen Weg mehr sehen. Das ist ein Problem der Ressourcen im Gesundheitswesen.“

Kosten für Rettungseinsätze sind explodiert

Neben der Zahl der Einsätze machen den Rettungsdiensten auch Inflation, technische Innovationen, die Digitalisierung und Tarifsteigerungen zu schaffen. Der Einsatz eines Rettungswagens ist um 205 Euro teurer geworden und liegt bei insgesamt 1.025 Euro. Fährt zusätzlich ein Notarzt mit, steigen die Kosten noch einmal um 115 Euro.

Rettungsdienste überlastet? Innenministerium beschwichtigt

Das bayerische Innenministerium, das für die Rettungsdienste zuständig ist, verweist auf bereits ergriffene Maßnahmen, um den Rettungsdienst weiterzuentwickeln und nachhaltig sicherzustellen: Bayern habe im Dezember 2023 als erste Flächenland die Vernetzung aller Integrierten Leitstellen (ILS) mit den Vermittlungsstellen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KBB) vollständig abgeschlossen.

Konzept der Integrierten Notfallzentren: Rettungskräfte gezielter einsetzen

Auch die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach sieht die Lösung darin, „bei Not- und Akutfällen die Patientensteuerung zu verbessern“. Damit könnten auch die Rettungsdienste entlastet werden.

In Bayern gebe es bereits funktionierende Modelle, die der geplanten Notfallreform des Bundes als Blaupause dienen könnten. So werde in Rosenheim das Konzept der Integrierten Notfallzentren erprobt: Dabei arbeiten stationäre Notaufnahme, Bereitschaftspraxis, gemeinsame Ersteinschätzungsstelle und Kooperationspraxen eng zusammen und teilen die Fälle sinnvoll auf. Damit soll verhindert werden, dass Rettungskräfte durch Bagatelleinsätze überlastet werden.

Auch in Dachau soll das Konzept der Integrierten Notfallzentren bald erprobt werden. Für Notfallsanitäter Tobias Weber und seine Kollegen wäre es zumindest ein erster Schritt, der für mehr Entlastung sorgen könnte.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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