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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Geld, Zeit, Wissen: Was für gesunde Ernährung eine Rolle spielt
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Geld, Zeit, Wissen: Was für gesunde Ernährung eine Rolle spielt

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 6. Dezember 2024 13:49
Von Michael Farber
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6 min. Lesezeit
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💬 „Dein Argument“ greift Euren Input auf: Kommentare aus der BR24-Community sind Anlass für diesen Beitrag. 💬

Inhaltsübersicht
Fehlt der Wille oder das Geld für gesunde Ernährung?Gute Ernährung für wenig Geld – geht das?Zu wenig Wissen über gesunde ErnährungSelbst kochen? Keine Zeit!Anreize setzen? Mehr regulieren?

Viel frisches Obst und Gemüse, wenig Zucker und Fett: Was gesund und was ungesund ist, können die meisten Menschen wohl recht schnell unterscheiden. Und trotzdem: In Deutschland nehmen Erkrankungen zu, die auf schlechte Ernährung zurückzuführen sind.

Fehlt der Wille oder das Geld für gesunde Ernährung?

Fehlt der Wille? Oder ist gesunde Ernährung so teuer, dass das Geld nicht ausreicht? Braucht es doch mehr Wissen?

Darüber diskutierten mehrere BR24-User. So kommentierte Nutzer „PSED“ kürzlich: „(…) für gesunde Ernährung braucht man Geld!“ BR24-User „Alaska“ widersprach: „Für gesunde Ernährung braucht man nicht mehr Geld als für ungesunde Ernährung. Man braucht nur Wissen, einen Einkaufsplan, Verzicht auf Fertigprodukte, saisonal Einkaufen und die Lust am selber Kochen.“ An anderer Stelle gab sich auch User „Ohne_grün_wirds_braun“ überzeugt: „Jeder weiß: Selbst kochen ist am günstigsten. Und jede*r kann es lernen.“

Professorin Tina Bartelmeß, Ernährungssoziologin an der Universität Bayreuth, sagt jedoch: „Wir sehen ganz deutlich, dass gerade die gesunden Lebensmittel sehr viel teurer geworden sind. Im Schnitt sind Obst und Gemüse 30 Prozent teurer als noch 2020 – und wir hatten im Vergleich dazu 2020 ja auch schon eine Steigerung in Bezug auf die Periode vor der Covid-Pandemie.“ Gleichzeitig haben die Leute nicht mehr Geld im Portemonnaie. „Das führt dazu, dass man irgendwo anders Abstriche machen müsste, wenn man sich weiterhin gesund ernähren möchte.“

Es gibt Untersuchungen aus der Zeit vor den starken Preissteigerungen, wonach gesündere Ernährungsmuster meistens teurer sind als ungesündere Alternativen (externer Link). Gleichzeitig können auch Fertiggerichte oder To-go-Käufe sehr teuer sein. Im Alltag kommt es auf die Kochmenge und die Auswahl des Gerichts an. Ein Blick auf den Verbraucherpreisindex (externer Link) zeigt: Der Preisanstieg von 2020 zu 2023 ist bei Fertiggerichten nicht so stark wie etwa bei Gemüse. Obstpreise stiegen in der Zeit vor 2020 deutlich stärker an.

Gute Ernährung für wenig Geld – geht das?

Wer wenig Geld zur Verfügung hat und sich gleichzeitig gesund ernähren will, muss gut planen – und könnte von oft günstigeren Großpackungen profitieren. Damit dann aber nichts im Müll landet, erfordert das Kochen dann einen Wochenplan. „Man muss sich vorher Gerichte überlegen, für die man die frischen Zutaten möglichst kostengünstig einkaufen kann und damit trotzdem gesunde Mahlzeiten zubereiten“, so Bartelmeß.

Zu wenig Wissen über gesunde Ernährung

Doch der Preis ist nicht der einzige Grund, warum Menschen sich ungesund ernähren: „Es gibt Studien, die auch die Ernährungskompetenz der deutschen Bevölkerung erhoben haben. Da kam raus, dass bei mehr als der Hälfte der deutschen Bevölkerung die Ernährungskompetenz mangelhaft ist.“ Ernährungskompetenz heißt, zu wissen: Welche Lebensmittel sind gesund? Wo verstecken sich Kohlenhydrate und Zucker, auch da, wo man es nicht erwartet? Wie bereite ich Lebensmittel richtig zu?

BR24-User „Gordel“ plädiert in diesem Zusammenhang für eine „intensive schulische Ausbildung“. Seit Langem werde darüber diskutiert, ob man „Ernährung“ als Schulfach einführen sollte, sagt auch Bartelmeß. Einzelne Projekte dazu gebe es immer wieder, etwa den „Ernährungsführerschein“ (externer Link) oder die „Klasse 2000“ (externer Link). Diese Angebote kämen bei den Kindern gut an. Erwachsene in der Breite aber im Bereich Ernährung weiterzubilden, ist schon schwieriger.

Selbst kochen? Keine Zeit!

User „Gordel“ kommentierte außerdem: „Das Gemüse putzen, schneiden um z. B. eine frische Suppe zu kochen, benötigt Zeit. 2-3 Stunden nur eine Mahlzeit.“ Wobei User „Unvergessen“ widerspricht: „2-3 Stunden für eine Mahlzeit???? Was wird bei Ihnen gekocht… Frisch kochen kann auch Freude machen und sollte auch selbstverständlich sein. Immer kommt nur das Argument zu teuer und keine Zeit! Na ja, entweder oder! Jeder ist schon auch für sich selbst verantwortlich!“

Unumstritten ist: Selbst zu kochen, braucht Zeit. Zeit, die viele Menschen im Alltag nicht haben – oder sich nicht nehmen möchten. Im Ernährungsreport 2024 (externer Link) gaben etwas weniger als die Hälfte (45 Prozent) der Befragten an, dass sie „so gut wie jeden Tag“ selbst kochen. 37 Prozent würden etwa zwei- bis dreimal pro Woche kochen.

Auch Bartelmeß sagt: „Für voll Berufstätige kann es sich manchmal noch zusätzlich wie ein Vollzeitjob anfühlen, wenn sie jeden Tag mit frischen Zutaten gesunde, zeitintensive Gerichte zubereiten.“ Da entscheiden sich doch viele für den schnellen Snack in der Mittagspause: die Leberkäs-Semmel vom Bäcker oder das halbe Hendl vom Grillwagen.

Anreize setzen? Mehr regulieren?

Auch beim Kantinen- und Schulessen lässt das Angebot von gesunden Speisen oft noch zu wünschen übrig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat zwar Qualitätsstandards für Gemeinschaftsverpflegung (externer Link) erarbeitet. Verpflichtend umgesetzt werden müssen die aber bisher nicht.

Ein weiterer Punkt, bei dem die Politik helfen könnte, die Ernährung der Menschen zu verbessern, ist die Besteuerung von Lebensmitteln. Über eine Zuckersteuer wird, nach einer Forderung der Bundesärztekammer, wieder diskutiert.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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