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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Pfandtourismus nach Österreich belastet Brauereien
Wirtschaft

Pfandtourismus nach Österreich belastet Brauereien

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 18. Februar 2025 11:51
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Der Tanktourismus an der deutsch-österreichischen Grenze hat einen Bruder bekommen: den Pfandtourismus. In Österreich bringt ein Kasten mit 20 leeren Mehrwegflaschen seit Anfang Februar 3,90 Euro mehr als in Deutschland. Das wird bereits leidlich ausgenutzt.

Inhaltsübersicht
Flaschenpfand in Österreich kürzlich erhöht„Da versuchen Leute, sich zu bereichern“Österreicher wollten Rücklauf erhöhenDebatte auch in Deutschland

Flaschenpfand in Österreich kürzlich erhöht

Konkret hat die österreichische Brauwirtschaft das Flaschenpfand von bisher neun auf 20 Cent erhöht. In Deutschland liegt es bei acht Cent. Zudem ist schon seit längerer Zeit das Bierkastenpfand in Österreich mit drei Euro doppelt so hoch wie in Deutschland. Einer normalen Pfandflasche sieht man aber weder an, auf welcher Seite der Grenze sie verkauft wurde, noch von welcher Brauerei sie kommt. Wohin die leeren Flaschen aus dem Handel zurückgehen, wird daher meist durch die in der Regel brauereispezifischen Bierkästen bestimmt.

Das Problem trifft also jene Brauer und Getränkehersteller, die auf beiden Seiten der Grenze verkaufen. Wird einer ihrer Kästen samt Flaschen in Deutschland gekauft und in Österreich zurückgegeben, fehlen in ihrer Tasche genau die 3,90 Euro, die der Kunde gewinnt. Teilweise – je nach individueller Absprache – trifft es auch ganz oder anteilig den Handel, heißt es vom Bayerischen Brauerbund.

„Da versuchen Leute, sich zu bereichern“

Noch ist der Effekt neu, doch die Brauereien sind bereits alarmiert. „In den ersten Tagen war die Tendenz katastrophal“, sagt Christian Thiel von der Brauerei Schönramer in Petting. 13 Kilometer sind es von hier bis zur Grenze, keine 20 ins Zentrum von Salzburg. „Da versuchen Leute, sich zu bereichern, auf Kosten der Brauerei und des Handels. Ich kenne einen Fall, da ist jemand mit einem Anhänger mit 50 Kästen bei einem kleinen Getränkemarkt vorgefahren. Der hat das aber nicht angenommen.“

In diese Richtung weist auch der Verband der Brauereien Österreichs. „Das Vorfahren mit einem Anhänger voller Kästen könnte schiefgehen“, sagt Sprecher Florian Berger. Händler hätten das Recht, nur haushaltsübliche Mengen an Flaschen und Kästen zurückzunehmen und die Rücknahme von Produkten abzulehnen, die sie selbst nicht anbieten. Zahlen zu einem möglichen Pfandtourismus lägen nicht vor, sagt Berger. „Es gibt aber grenznahe Handelspartner, die berichten, dass nun ein bisschen mehr los sei als sonst.“

Österreicher wollten Rücklauf erhöhen

Die Brauer in Österreich haben mit der deutlichen Erhöhung des Pfands ein Zeitfenster genutzt. Nach der Einführung eines Pfands auf Plastikflaschen und Dosen von 25 Cent zum Jahreswechsel habe unter den 350 meist kleinen Brauern Einigkeit geherrscht, dass man jetzt auch dringend die Bierflasche wertvoller machen müsse, sagt Verbandssprecher Florian Berger. „Es ging darum, die Motivation zur Rückgabe zu steigern.“

Die Erhöhung des Pfands von neun auf 20 Cent entspreche in etwa dem Wiederbeschaffungswert einer Flasche. Jedes Jahr seien rund sechs Prozent der umlaufenden Bierflaschen im Altglas, im Restmüll oder in der Landschaft gelandet. Die Rückgabe-Mentalität hatte in den vergangenen Jahren laut Verband deutlich nachgelassen. Dabei kann den Angaben zufolge eine Flasche bis zu 40 Mal wieder befüllt werden.

Debatte auch in Deutschland

Auch in Deutschland schwelt seit Jahren eine Debatte über eine Pfanderhöhung, die durch den Schritt der Nachbar neu angestoßen wird. Hintergrund ist, dass das Pfand seit Jahrzehnten nicht erhöht wurde und immer noch bei den acht Cent liegt, die sich bei der Euro-Umrechnung aus den alten 15 Pfennig ergeben hatte. Dabei kosten Leergut und Kästen in der Beschaffung längst sehr viel mehr.

Doch eine Umstellung bringt mehrere Probleme mit sich. Einerseits haben die Brauer die Sorge, dass Kunden sie als Preiserhöhung wahrnehmen. Zudem werden in solch einem Fall alle Flaschen und gegebenenfalls auch Kästen im Umlauf plötzlich mehr wert. Bei rund vier Milliarden Flaschen im Umlauf – so schätzen Bayerischer und Deutscher Brauerbund – werden aus Centbeträgen schnell hunderte Millionen Euro. Und weil Kunden deswegen mit der Rückgabe bis nach der Erhöhung waren könnten, befürchtet man im schlimmsten Fall Leergutengpässe. Und zu alledem kämen noch Kosten für die Umstellung der Rücknahmeautomaten beim Handel.

Dennoch sagt Thiel: „Grundsätzlich bräuchten gerade wir kleine und mittelständische Brauereien auch in Deutschland eine Pfanderhöhung.“ Der Deutsche Brauerbund sieht hier im Moment aber wenig Chancen.

Mit Informationen von dpa

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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