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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Edgar Selge in „Leibniz“: Wie spielt man ein Universalgenie?
Kultur

Edgar Selge in „Leibniz“: Wie spielt man ein Universalgenie?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 19. September 2025 15:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Kann es gelingen, einen Menschen zu malen, dessen Denken so groß ist? Eine der Fragen, die den neuen Film von Edgar Reitz durchziehen: In „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ erzählt der Regisseur vom Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Die preußische Königin Charlotte – einst seine Schülerin – wünscht sich ein Gemälde von Leibniz. Er muss im fernen Hannover Modell stehen. Und eine hinreißend und mit schöner Ruhe erzählte Annäherung an den Denker beginnt.

Inhaltsübersicht
Barocke Sprache als HerausforderungNichts Unbeseeltes auf dieser Welt

Barocke Sprache als Herausforderung

Die Rolle des porträtierten Leibniz spielt der 77-jährige Edgar Selge. An den altertümlichen Barock-Duktus in der Sprache von Leibniz musste sich Selge dabei erst einmal gewöhnen: „Das war gar nicht so einfach. Außerdem ist denkerisch und philosophisch doch einiges in die Sätze gewickelt, was nicht so leicht zu verstehen ist“, erzählt Selge im Gespräch mit dem BR, „mit diesen Sätzen einen nachvollziehbaren Menschen zu spielen, dem es vor allem darum geht, seine Partner und seine Partnerinnen zu verstehen, ihnen zuzuhören oder etwas zu erklären oder sie was zu fragen. Das ist nicht einfach.“

Tatsächlich war Leibniz ein Universalgelehrter, nicht nur Philosoph, sondern auch Mathematiker, Jurist, Historiker und Aufklärer. Sein Nachlass umfasst mehr als 40.000 Schriften und Briefe. Angenähert an diese Masse hat sich Selge vor allem in einem anderthalbjährigen Mail-Austausch mit Regisseur Edgar Reitz: „Dadurch sind wir sind recht gut in Leibniz‘ Welt hineingeraten. Also er war sowieso schon drin, aber er hat mich nachgezogen“, erzählt Selge von diesem Austausch, der vor allem nachts stattfand.

Nichts Unbeseeltes auf dieser Welt

Fasziniert habe ihn dabei, dass Leibniz im Gegensatz zu anderen Philosophen wie Kant und Hegel kaum einen Begriff von „richtig“ und „falsch“ hatte. „Das Richtig oder Falschsein gibt es bei ihm nur in der Mathematik“, sagt Leibniz. Leibniz nannte sie die „Sprache Gottes“ und erfand das binäre System aus Nullen und Einsen: „Insofern ist er auch einer der Urväter unserer Computerwelt“, meint Selge.

Gleichzeitig seien für Leibniz Geist und Materie nie getrennt gewesen, eine kühl berechenbare Welt gab es für ihn also auch nicht. Auch in der heutigen Quantenphysik gibt es die – stark vereinfachte – Theorie, dass Elektronen ein unberechenbares Eigenleben haben und sich verändern, wenn sie jemand aktiv beobachtet: „Dass es nichts Unbeseeltes in der Welt gibt, finde ich einen sehr schönen Gedanken, wenn ich das mal so sagen darf“, sagt Selge.

„Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“ läuft seit Donnerstag im Kino.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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