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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Gutes Deutsch-Abi dank TikTok? Der Bücher-Hype auf Social Media
Kultur

Gutes Deutsch-Abi dank TikTok? Der Bücher-Hype auf Social Media

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 1. Juli 2024 21:18
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Die bayerischen Schüler und Schülerinnen mit TikTok-Account waren dieses Jahr im Deutsch-Abitur klar im Vorteil. Zumindest bei einer Aufgabe: Gefragt war ein Essay zu „Literatur im digitalen Zeitalter“ und dem relativ neuen Phänomen, dass jeder und jede, der oder die ein Buch gelesen hat, auch eine Rezension dazu online stellen kann – was täglich millionenfach geschieht: Literatur ist aktuell ein Trend-Thema in den sozialen Medien, dabei hat es lange so ausgesehen, als sei das Lesen echter Bücher vom Aussterben bedroht.

Inhaltsübersicht
Lesen ist im Trend#BookTok – eine Ehrenrettung des BuchesIst noch Platz neben Romance und Fantasy?

Lesen ist im Trend

Stundenlang auf die Überreste gefällter Bäume starren, auf die mit Tinte abgefahrene Zeichen gedruckt worden sind: Von außen betrachtet ist es schon eine seltsame Beschäftigung, dieses Lesen. Noch 2021 gab der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest historische Niedrigstände heraus: Nur noch 32 Prozent der Jugendlichen würden regelmäßig ein Buch in gedruckter Form in die Hand nehmen, heißt es in der Studie „Jugend, Information, Medien“ [externer Link] aus ebenjenem Jahr. Das war, bevor der Hashtag BookTok auf TikTok so richtig Fahrt aufnahm.

#BookTok – eine Ehrenrettung des Buches

Seit Ende 2020 begannen erste User und Userinnen auf der Plattform, deren Nutzerschaft zu einem überwiegenden Teil zwischen 14 und 19 Jahren alt ist, unter diesem Hashtag ihre Leseerfahrungen zu teilen. Eine möglicherweise günstige Konstellation aus pandemiebedingt unfreiwillig viel Zeit zum Lesen und der TikTok-eigenen Plattformlogik, auch nischigen Themen viel Reichweite zu verschaffen, könnte dazu beigetragen haben, dass der Hashtag schnell größer wurde.

Mittlerweile hat wird #BookTok weltweit milliardenfach aufgerufen, damit zählt die BookTok-Community zu einer der größten und aktivsten auf der Plattform. Die Tendenz, gerade im deutschsprachigen Raum ist wachsend. Das geht auch am Buchmarkt nicht spurlos vorbei: Bücher, die auf BookTok empfohlen werden, werden zuverlässig zu Bestsellern, wie zuletzt das gehypte Buch „Yellowface“ von R.F. Kuang. In den Filialen großer Buchläden gibt es eigene Stände, auf denen Bücher präsentiert werden, die beim BookTok-Publikum besonders beliebt sind. Mittlerweile gibt es sogar eine eigene BookTok-Bestsellerliste.

Ist noch Platz neben Romance und Fantasy?

Die BookTok-Community hat ganz klare Genre-Favoriten. Gelesen wird hier am liebsten New Adult (wo die Geschichten junger Erwachsener erzählt werden), Romance, Fantasy, Science Fiction und auch Ratgeber-Literatur. Also Genres, die in der klassischen Literaturkritik eher weniger Beachtung fanden.

Aber auch Hochliteratur und Klassiker bekommen auf BookTok ihre Plattform. So ist seit März 2024 der TikTok-Account „Literally“ [externer Link] online gegangen. Die BR-Moderatorinnen Knut Cordsen und Miriam Fendt besprechen dort vom Einstieg in das Werk Kafkas über Neuerscheinungen auch Phänomene wie das der „Leserillen“ – den Knicken, die in einem Buchrücken entstehen, wenn man es zum Lesen auseinanderknickt. Ernstzunehmende Literaturkritik im Kurzformat: Mit diesem vielseitigen Ansatz erreicht „Literally“ all diejenigen, die sich auf TikTok daheim fühlen, sich aber an den dort schon viel besprochenen Büchern bereits sattgelesen haben.

Denn, so dürfte es die ein oder andere Abitur ablegende Person dieses Jahr im Prüfungsessay argumentiert haben: Die Literatur hat im digitalen Zeitalter eine Plattform mehr dazu gewonnen, auf der Menschen ihre Liebe zu Büchern teilen können – in allen Facetten.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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