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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Augsburgs Theaterintendant peilt Rekord-Auslastung an
Kultur

Augsburgs Theaterintendant peilt Rekord-Auslastung an

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 20. Juli 2025 19:52
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Kurz vor Saisonende gönnt sich Augsburgs Theaterintendant André Bücker eine Landpartie: Er inszeniert im brandenburgischen Rheinsberg Mozarts Oper „Der Königliche Hirte“, besser bekannt unter dem italienischen Titel „Il Re pastore“.

Inhaltsübersicht
„Inspiration mal fließen lassen“„Spielzeit war hervorragend“„Aktuelle Brisanz“ mit „Evita“„Wir gehen raus an andere Orte“„Neue Räume und Publikum erobern“

Für so ein Schäferspiel im Stil des 18. Jahrhunderts eignet sich Rheinsberg ganz besonders, schließlich verlebte der spätere Friedrich der Große hier seine glücklichsten Tage als Kronprinz und machte die abgelegene Gegend weit nördlich von Berlin zu einem beschaulich-poetischen Ort der Musen.

„Inspiration mal fließen lassen“

Zweifellos ein Privileg, gastweise in diesem preußischen Arkadien arbeiten zu dürfen. André Bücker: „Ich habe ja in der Vergangenheit in meiner Laufbahn viel an historischen Stätten inszeniert. Ich habe das Dessau-Wörlitzer Gartenreich bespielt, den Quedlinburger Dom, mehrere Kirchenprojekte gemacht, auch bei den Händel-Festspielen gearbeitet.“

Historische Orte hätten es ihm schon immer angetan: „Das hat ein ganz eigenes Flair. Dort die Inspiration mal fließen zu lassen und Räume anders aufzunehmen, das ist natürlich sehr, sehr schön. Davon nimmt man dann immer was mit nach Augsburg.“

Die Kammeroper Schloss Rheinsberg hat den Ehrgeiz, Jahr für Jahr Nachwuchssänger zu fördern. André Bücker arbeitet daher mit Bühnen-Neulingen, die er in Mozarts Rokoko-Oper höchst modern als Manga-Comic-Cosplayer auf einer Baustelle (samt Dixie-Klo) auftreten lässt, angefeuert von elektronischen Beats, die von Mozart inspiriert sind.

„Spielzeit war hervorragend“

„Mit jungen Sängern zu arbeiten ist was anderes als mit jungen Schauspielern“, verrät Bücker: „Die gehen von Anfang aus sich raus und haben eine große Spiellust. Bei Sängern, die in ihrer Ausbildung sehr auf ihren Gesang fokussiert waren, die dazu zu kriegen, jetzt mal den Gesang zu vergessen, ins Spiel zu kommen, in eine körperliche Dynamik zu kommen, einfach mal was auszuprobieren, egal, ob der Ton jetzt richtig sitzt, weil es auch um eine Haltung, um eine Figur geht, das macht großen Spaß.“

Inspiration von außen ist sicher nie verkehrt. Daheim in Augsburg hat André Bücker eine außergewöhnlich gute Saison hinter sich: „Die Spielzeit war hervorragend, tatsächlich. Wir waren ganz oft ausverkauft. Wir steuern wirklich auf eine Rekord-Auslastung zu. Es ist eine sehr, sehr schöne Saison gewesen.“

„Aktuelle Brisanz“ mit „Evita“

Ein besonderes Ausrufezeichen setzte das Staatstheater Augsburg mit seiner Freilichtproduktion „Evita“ am Roten Tor. Andrew Lloyd Webbers Musical über die argentinische Volksheldin der Nachkriegszeit wurde allgemein als Gleichnis auf die Populisten unserer Tage verstanden. André Bücker: „Gerade bei ‚Evita‘ hätte ich vor zwei oder drei Jahren nicht gedacht, dass das plötzlich so eine aktuelle Brisanz bekommt und dass man da andere Dinge reinliest und dass man das Stück noch mal anders erlebt.“

Bemerkenswert, dass André Bücker sich über viel Publikumszuspruch freuen kann, denn das Augsburger Staatstheater ist auf teils unwirtliche Ausweichquartiere angewiesen: Das Stammhaus wird saniert, noch auf Jahre hinaus.

„Wir gehen raus an andere Orte“

„Es hat sich in den letzten acht Jahren, die wir das jetzt schon im Interim machen, das darf man ja nicht vergessen, absolut bewährt. Das Publikum kommt sehr, sehr gerne zu uns“, so Bücker: „Wir sind auch in den Stadtteilen präsent, in Kriegshaber, in Oberhausen, im Textilviertel. Wir gehen mit Projekten auch raus an andere Orte, wir haben gerade in der Soho-Stage gespielt in der Innenstadt im Theaterviertel.“

„Neue Räume und Publikum erobern“

Wenn es nach dem Intendanten geht, nimmt das Theater Augsburg seine Erfahrungen in den Ausweichquartieren mit in die Zukunft, wenn es irgendwann wieder im Großen Haus unterkommt. Ein Zurück zum alten Zustand soll es nicht geben, im besten Sinne.

„Man darf jetzt nicht versuchen, quasi zu überwintern und nur eine bestimmte Zeit überbrücken zu wollen, bis das Theater endlich wieder fertig ist“, argumentiert Bücker: „Nein, wir müssen das auch als Chance begreifen. Wir müssen begreifen, dass sich das Theater in dieser Zeit verändert, dass es sich neue Räume erobert, neues Publikum erobert, eine ganz andere Offenheit zur Stadtgesellschaft entwickelt, sich zu den Themen der Stadtgesellschaft als Diskursort stärker etabliert.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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