Schon mit seinem ersten überraschenden Kinoerfolg „Ausgrissn“ machte Julian Wittmann auf sich aufmerksam: Damals fuhr er mit dem Motorrad durch Amerika, auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer. Fünf Jahre später ist der 32-jährige Filmemacher aus Erding erneut unterwegs – diesmal auf dem Meer.
In „Ausgsting“ besucht Wittmann den 83-jährigen Wolfgang Clemens, genannt „Gangerl“. Der Bayer hatte seine Heimat schon vor fast vier Jahrzehnten verlassen, weil es ihm in seiner Heimat Roding in der Oberpfalz zu eng wurde. Seitdem segelt er über die Weltmeere, allein auf seinem Schiff.
Bayerischer Filmemacher begleitet Aussteiger auf hoher See
Gangerl willigt ein, Wittmann und dessen Team an Bord zu lassen. Anfangs herrscht Aufbruchsstimmung: Gemeinsam planen sie einen Segeltörn von Bali nach Westpapua. Doch die Enge des Boots wird schnell zur Belastungsprobe. Der Einzelgänger, der jahrelang nur mit sich selbst unterwegs war, gerät mit dem Drehteam aneinander.
Ein Filmteam an Bord – und erste Konflikte
„Klappe 7 zehnmal wiederholen – ich hab mir schon gedacht, beim dritten Mal war’s super. Nochmal, nochmal, von links, von rechts. Ich hab geglaubt, das sind lauter Verrückte“, erinnert sich Clemens später lachend. Diese Verrückten, das sind Julian Wittmann und sein Bruder Thomas, der auf dem Festland vor Ort den Dreh koordiniert. Und dann sind noch an Bord: ein Kameramann, ein Tonmann, ein Assistent. Viel zu viele Menschen für den Eremiten.
Eines Morgens verschwindet Gangerl einfach – mitten während der Dreharbeiten. Die Dokumentation steht kurz vor dem Aus. Schließlich aber segelt er zurück: „Ich hab mir gedacht, du Schwein, gibst dein Wort und brichst es. Dreh bloß um – hat mein Gewissen gesagt.“
Wenn der Eremit die Geduld verliert
Die 50 Drehtage auf engem Raum sind für beide Seiten eine Herausforderung. Für Gangerl eine Lektion in Geduld, für Wittmann die Erkenntnis, dass er selbst nicht für das Leben als Eremit gemacht wäre: „Ich könnte das nicht, alleine da draußen, nur auf mich gestellt. Für mich ist Glück, was ich mit anderen Leuten teile.“
„Ausgsting“ zeigt nicht nur die Freiheit des Aussteigens, sondern auch seine Schattenseiten: die Einsamkeit auf hoher See, das tagelange Schweigen, das offenbar nur mit einem Schluck Rum oder auch mehr auszuhalten ist.
Am Ende aber bleibt das Porträt eines außergewöhnlichen Mannes, der sein Leben konsequent abseits der Zivilisation führt. Und eines steht für Gangerl fest: Nach der Kinotour durch Bayern will er so schnell wie möglich zurück – auf sein Schiff, hinaus aufs Meer.