Tolpatschige Pandabären, die im Zoo herumpurzeln. Eine Eule, die ihren Kopf um 180 Grad dreht. Ein kleines Mädchen, das über eine Wiese läuft. Zwei junge Frauen, die sich im Flugzeug Feuchtigkeitspads auflegen. Ein junger Mann, der sich an einem Karussell festhält. Fast acht Millionen Videos gibt es auf TikTok, die mit dem Aphex Twin-Song mit dem kryptischen Titel „QKThr“ unterlegt sind.
Ein Harmonium, das Klacken der Pedale, dazwischen viel Luft – ideal, um ganz unterschiedliche Assoziationsräume zu eröffnen, sagt Barbara Hornberger. Sie ist Professorin für Musikwissenschaft an der Uni Wuppertal. „Es ist ein audiovisuelles Medium, es ist ein schnelles Medium, und da muss man in ein paar Sekunden treffsicher eine Atmosphäre herstellen, und das kann der Song wirklich gut.“ Und eines schafft „QKThr“ auf Anhieb: Der Song bietet 1 Minute 28 Sekunden pure Entschleunigung. In einem Umfeld, das von schnellen Schnitten und kurzen Clips lebt, wirkt das Stück geradezu erdend.
Eine Legende elektronischer Musik
Der irisch-britische Produzent und Musiker Aphex Twin ist eine Legende der elektronischen Musik. Mit bürgerlichem Namen heißt er Richard David James. Seine musikalische Karriere beginnt Anfang der 90er-Jahre. Der Song „QKThr“ erschien erst 2001 auf dem Album „Drukqs“ und fand bis heute nur bei musikalischen Feinschmeckern Beachtung. Bekannter waren Aphex-Twin-Stücke wie „Come to Daddy“ aus dem Jahr 1997 oder „Windowlicker“ aus dem Jahr 1999.
Das Phänomen Aphex Twin geht mittlerweile weit über TikTok hinaus. Auf Youtube Music hat Aphex Twin bei den monatlichen Hörern mittlerweile Taylor Swift überholt: Rund 430 Millionen hören Aphex Twin, 396 Millionen Taylor Swift. Und das könnte wiederum mit dem Erfolg auf TikTok zu tun haben. Denn läuft ein Song gut auf Social Media, dann landet er immer häufiger auf den Playlisten von Spotify oder anderen Streamingdiensten, sagt Julian Buning. „Und dadurch wird der Song dort wiederum mehr und mehr Menschen ausgespielt.“
„QKThr“ gehört zu den viralsten Songs auf TikTok
Buning ist Dozent an der Münchner Musikhochschule und Geschäftsführer von Wunderkidz, einer Agentur für Influencer-Marketing für die Musikbranche. Zwar kennt man die genaue Funktionsweise nicht, welche Videos der Algorithmus pusht und welche nicht. Aber wer seinen Videos auf TikTok mehr Reichweite verschaffen möchte, der sollte sich genau überlegen, welchen Track er oder sie zur musikalischen Untermalung verwendet, sagt Julian Buning. „Wenn man auf der Plattform eingeordnete beliebte Songs auswählt, gibt es oft den Effekt, dass diese Videos etwas besser performen, mehr Leuten ausgespielt werden und dadurch höhere Reichweiten erzeugen als unbekannte Songs, die nur ganz wenige Videouploads haben.“
Auf der Liste der 50 viralsten Songs auf TikTok belegt „QKThr“ bisher Platz drei. Das muss noch nicht der Endstand sein: Denn wenn die Maschine erst einmal rollt, dann nimmt sie immer weiter Fahrt auf.

