Wie kann man vom Leben in Gaza erzählen? Vom Leben vor den flächendeckenden Zerstörungen des Gaza-Kriegs? Und vor allem: Wie kann man fiktive Geschichten erzählen? Keine Dokumentation von Einzelfällen, sondern einen Spielfilm, mit künstlerischen Mitteln, spielerisch überspitzt und allgemeingültig?
Die Brüder Arab und Tarzan Nasser haben sich entschieden: Ihr Film „Once Upon A Time in Gaza“ ist als moderner Western angelegt. Es geht um Gesetz und Ordnung, um Rache, Gewalt, Ehre und den Kampf gegen Banditen. Die Perspektivlosigkeit ähnelt der eines staubigen Westerndorfs, der Saloon ist ein Falafel-Laden und der Postkutschenraub ein Überfall auf einen Jeep der israelischen Armee.
„Once Upon A Time in Gaza“ spielt 2007. Der schüchterne Student Yahya lernt den charismatischen Osama kennen und beginnt in seinem Falafel-Laden zu arbeiten. Die Lieferungen außer Haus sind Tarnung für Drogengeschäfte. Mit gefälschten Rezepten kommen die beiden an Medikamente, die sie als Drogen verkaufen. Die Einnahmen fließen hier aber nicht in Luxusschlitten und Swimmingpool, Osama kauft davon einfach nur Öl, Gemüse und Gas – was er im Laden halt so braucht. Doch die Drogenfahndung der Hamas und ein korrupter Polizist haben ihn im Visier.
Ein Actionfilm von der Hamas
Und dann beginnt der zweite Akt: Yahya wird für die Hauptrolle eines Films gecastet, er soll den Rebellenführer im ersten „Actionfilm aus Gaza“ spielen. Statt martialisch-verwackelter Propaganda-Videos setzt die Hamas hier auf die Verfilmung eines Märtyrerlebens in Spielfilmlänge.
Dieser Film im Film ist ein Füllhorn an skurrilen Szenen: Wie der Kulturminister sich freut – „Sind wir jetzt Hollywood?“ – und man sich auf „Gazawood“ einigt. Wie ein palästinensischer Schauspieler in der Uniform eines israelischen Soldaten seine Requisiten ausgehändigt bekommt: links ein Gewehr, rechts eine siebenarmige Menora.

