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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Emine Sevgi Özdamar: „Deutsche Wörter haben für mich Körper“
Kultur

Emine Sevgi Özdamar: „Deutsche Wörter haben für mich Körper“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. Februar 2026 09:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Die Schriftstellerin und Dramatikerin Emine Sevgi Özdamar bekommt am Dienstagabend den Brecht-Preis der Stadt Augsburg. Die 1946 geborene Özdamar ist eine vielfach preisgekrönte Stimme der deutschsprachigen Literatur – aber dieser Preis dürfte ihr noch mal etwas Besonderes bedeuten, denn Brecht war für sie ihr ganzes Leben lang eine Art Fixstern. Und einer der Gründe, aus der Türkei nach Deutschland zu kommen.

Inhaltsübersicht
Die Wörter sind krank von der DiktaturBrecht gehört bis heute zu ihren Hausheiligen

Die Wörter sind krank von der Diktatur

Und hier war es Berlin, das zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens wurde – wie ja für Brecht auch. Und der steht wirklich schon am Anfang ihres Künstlerinnenlebens. Schauspielschule in Istanbul: Emine Sevgi Özdamar spielt in seinem Stück „Mann ist Mann“. Dann kommt der Militärputsch in der Türkei, 1971. „Brecht hat ja auch vor uns eine körperliche Erfahrung mit dem deutschen Faschismus gehabt.“ In seinen Gedichten habe er sich mit Worten gewehrt: „Groß bleibt nicht groß, klein bleibt nicht klein. Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.“ Diese Sätze, die er damals geschrieben habe, hätten ihr in der Türkei Mut gemacht.

Die Wörter seien krank gewesen von der Diktatur, das ist ein Bild, das sie oft benutzt, sie habe sich auf die Suche nach einem Sanatorium gemacht. Also geht sie zum Brecht- Schüler Benno Besson nach Ostberlin, spricht anfangs zwar kaum deutsch, aber darf doch als Hospitantin am Berliner Ensemble bleiben. „Das Beste, was ich gelernt habe, ist, dass wir nicht über Brecht reden müssen.“

Nicht über Brecht reden – Brecht leben also. Die Zeit, die dann folgt, ist eine Theaterzeit mit großen Namen, an großen Bühnen von Berlin bis Paris. Dabei hat eine türkische Schauspielerin damals keine Chance auf eine Ophelia.

Brecht gehört bis heute zu ihren Hausheiligen

„Du kannst in Deutschland am Theater nur als Putzfrau Karriere machen“, so raunt der „Chor der Krähen“ in ihrem monumentalen Lebensbuch „Ein von Schatten umgrenzter Raum“. Aber das stimmt nicht. Özdamar führt Regie – Brecht – und spielt unter Langhoff, Kroetz, Schleef und Berghaus, schreibt fürs Theater, schreibt aber mehr und mehr auch Prosa. Eine Istanbul-Berlin-Trilogie zum Beispiel. Ihr prallvolles Leben zwischen den Ländern, Kulturen, Sprachen bietet jede Menge Stoff dafür.

Anfangs wird sie noch beschrieben als „ausländische Schriftstellerin, die auf Deutsch schreibt“. Aber die Sichtweise wandelt sich. Viele Leser und Leserinnen teilen die Erfahrungen von Exil, Mehrsprachigkeit, Migration. 2

022 wird Emine Sevgi Özdamar die erste Büchner-Preisträgerin überhaupt, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Brecht gehört bis heute zu ihren Hausheiligen. Ihre Freude an den Wörtern, am Klang, an überraschenden Bildern steckt an. „Deutsche Wörter oder französische Wörter haben für mich Körper.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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