So nah, so verletzlich klingt seine Stimme, als würde er leibhaftig vor einem stehen. Und sein Blick: so offen und direkt, dass man in seine Seele zu schauen glaubt. Jeff Buckley war ein Gesegneter, ein sensibler Ausnahme-Künstler, der mit nur einem Album zum Mythos geworden ist. Beeinflusst von der großen, ernsten Nina Simone, von Judy Garland und Edith Piaf, und wiederum selbst mit immenser Wirkung auf Zeitgenossen und Nachwelt.
Die Faszination dauert an. Und die neue Dokumentation „It’s Never Over, Jeff Buckley“ macht sich wieder auf die Suche nach dem Menschen Jeff Buckley. Wie bereits in der BBC-Doku von 2002 sprechen Musiker-Kolleginnen und Kollegen: Großartig etwa, wie Aimee Mann erzählt und zeigt, wie Jeff Buckley versuchte, sie mit kleinen Zeichnungen zu einer Affäre zu überreden.
Sensibler „Hallelujah“-Interpret
Die entscheidenden Einblicke aber geben dieses Mal seine ehemaligen Partnerinnen. Zum Beispiel die New Yorker Künstlerin Rebecca Moore, die in der Zeit an seiner Seite war, als seine Karriere Fahrt aufnahm. Sein Selbstbewusstsein war gespielt, sagt sie, seine Schüchternheit immer präsent. Und die verhärtete sich zu einer künstlerischen Blockade, nachdem er 1992 einen großen Plattenvertrag unterschrieben hatte.
Jeff Buckley traute sich zu Hause plötzlich nicht mehr zu singen. Er zog aus und arbeitete in einem Studio, wo er schließlich sein Meisterwerk gebar: Ein gewaltiges Debüt-Album, mit dem auch seine Mutter Mary Guibert zum ersten Mal begriff, welches große Talent ihr Sohn hatte: „Als ich die CD im Auto hörte, war ich überwältigt von der Meisterschaft und der Musikalität und der Poesie. Sein Gesang ging über alles hinaus, was ich ihm zugetraut hatte“, erinnert sich seine Mutter im Film.
Mysteriöser Tod beim Schwimmen
Besonders wertvoll sind die Erzählungen von Musikerin Joan Wasser alias „Joan as Police Woman“, die mit Jeff Buckley die letzten drei Jahre seines Lebens zusammen war. Sie aber äußert jetzt auch Kritik: Die Doku beschäftige sich zu wenig mit der Musik und enthalte schwer nachvollziehbare Auslassungen.
Welche Geschichten erzählt werden und welche nicht, entschied sicher auch die Mutter, schließlich taucht sie in den Credits als Executive Producer auf. Neue Erkenntnisse über seinen Tod gibt es nicht, sehenswert aber ist die Doku trotzdem. Die vielen privaten Bilder und Videos, vor allem aus seiner Kindheit und den Anfangstagen seiner Karriere in New York, zeigen unverkennbar das Licht, das Jeff Buckley in sich trug. Und da wir so nah an ihn heran geführt werden wie nie zuvor, erleuchtet ein bisschen was davon auch uns.
Ab sofort im Kino: Der Dokumentarfilm „It’s Never Over, Jeff Buckley“.

