In Leipzig wurden heute die Gewinnerinnen und Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung bekanntgegeben. In der Kategorie Belletristik wurde Katerina Poladjan für ihren Roman „Goldstrand“ ausgezeichnet. Im Roman geht es um die Lebensgeschichte eines alternden Regisseurs, der sich mehr und mehr mit seiner Einsamkeit auseinandersetzt. In der Jurybegründung heißt es, Poladjan führe in ihrem Roman meisterhaft vor, wie eine Biographie aus Selbstbefragung und Erfindung entstehe. Poladjan wurde 1971 in Moskau geboren und wuchs in Rom und Wien auf. Heute lebt sie in Deutschland.
Preis in der Kategorie Sachbuch für Marie-Janine Calic
In der Kategorie Sachbuch/Essayistik wurde Marie-Janine Calic für ihr Werk „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ ausgezeichnet. Calic schließe mit ihrem Werk eine Lücke, denn Südwesteuropa sei bislang in der Exilforschung kaum beachtet worden, heißt es in der Begründung der Jury. In ihrer enormen und akribischen Recherche erzähle sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale, erschließe politisch-historische Zusammenhänge und zeige den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs. Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Manfred Gmeiner wird für seine Übersetzung des Romans „Unten leben“ von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ausgezeichnet. Die Jury lobte Gmeiner für seine „ebenso furchtlose wie packende Übersetzung“, die die Lektüre des Romans des peruanischen Autors zu einer unvergesslichen Erfahrung mache. Er habe „diese labyrinthische Erzählung mit spielerischer Eleganz übertragen, ohne jemals den Blick auf ihre eigensinnigen Figuren zu verlieren.“
Buhrufe für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
Beim Eröffnungsfestakt wurde bereits der Buchpreis zur Europäischen Verständigung an den kroatisch-bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergovic verliehen. Gewürdigt wird damit sein Werk „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“. Darin schildert Jergovic in Erzählungen das tägliche Überleben im belagerten Sarajevo während des Bosnienkrieges in den 1990er Jahren.
Bei der feierlichen Eröffnung der Buchmesse am Mittwochabend im Leipziger Gewandhaus gab es Buhrufe für den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Protest gab es zudem auf der Straße: Einige hundert Menschen demonstrierten gegen Weimers Politik.
Am ersten Messetag erhielt zudem der Journalist, Autor und Übersetzer Dietmar Dath den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels würdigte seine vielseitigen Themen und Texte sowie sein hohes sprachliches Niveau. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert.
Zentraler Bestandteil der Buchmesse ist das Lesefestival „Leipzig liest“ mit rund 3.000 Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet. Dazu werden unter anderem Autoren wie Sebastian Fitzek und Marc Uwe Kling erwartet, sowie die US-Autorin der „Bridgerton“- Romane, Julia Quinn, die Reality-Show-Darstellerin Daniela Katzenberger sowie die Feministin Alice Schwarzer. Auch zahlreiche Newcomer wollten sich vorstellen.

