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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Der Urknall ist schuld: Warum Liebe (fast) immer im Chaos endet
Kultur

Der Urknall ist schuld: Warum Liebe (fast) immer im Chaos endet

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 19. März 2026 16:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Diese Frage haben die Physiker bisher noch nicht beantwortet: In welcher Tonart beschallte eigentlich damals der Urknall das noch ganz winzige Universum? War er wirklich so melancholisch gestimmt wie in Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, die im sehr getragenen c-Moll beginnt?

Inhaltsübersicht
„Wollten Sie das?“„Auf und Ab“ mit der QuantenschaukelBei Grün über die Milchstraße

Eine Antwort darauf gab es zwar auch nicht bei der jüngsten Premiere in der Theaterakademie August Everding, aber Regisseur Ingo Kerkhof und seine aus Belgrad stammende Ausstatterin Hana Ramujkić interessierten sich doch hauptsächlich für kosmische Angelegenheiten, was bei den beiden tragikomischen Liebesdramen „I due timidi“ (Die beiden Schüchternen) von Nino Rota und „Le Pauve Matelot“ (Der arme Matrose) von Darius Milhaud nicht unbedingt zu erwarten war.

„Wollten Sie das?“

Kerkhof und seinem Inszenierungsteam ging es um das zentrale und oft diskutierte philosophische Problem, wie frei der Mensch eigentlich entscheiden kann, wenn doch die Naturgesetze unumstößlich sind und überall im Weltraum gleichermaßen gelten, also scheinbar alles vorherbestimmen.

Alles strebt im Universum von der Ordnung zum „Chaos“, sagt die Physik, die mit der Entropie sogar ein Maß für Unordnung geschaffen hat. Also wäre es doch nur logisch, wenn auch „geordnete“ menschliche Beziehungen zwangsläufig zerfallen, so die Vermutung, sei es aufgrund von Missverständnissen oder aus bösem Willen. Wenn zwischenmenschlich alles in Scherben geht, bleibt die naheliegende Frage: „Wollten Sie das?“ Oder ist einfach nur „passiert“?

„Auf und Ab“ mit der Quantenschaukel

So spannend die Naturwissenschaften auch sein mögen: Dieses Gedankenexperiment, das sich im Programmheft originell liest, wird auf der Bühne des Prinzregententheaters leider arg (über)strapaziert. So hatte Ausstatterin Hana Ramujkić eine Art Riesen-Wippe entworfen, auf der die Mitwirkenden nach und nach den emotionalen Halt verlieren. Das war vom Konzept der „Quantenschaukel“ aus der Elementarteilchen-Forschung inspiriert, womit eine Pendelbewegung gemeint ist, die sich paradoxer Weise gleichzeitig „Auf und Ab“ bewegt, wie der Abend übertitelt ist.

Diese ungemein anspruchsvolle geistige Versuchsanordnung mag den einen oder anderen Zuschauer überfordert haben, selbst diejenigen, die an kosmischen Grundsatzfragen durchaus interessiert sind. Dabei haben Nino Rota und Darius Milhaud eigentlich sehr eingängige, unterhaltsame Musik geschrieben, wie sie durchaus auch in einer Music-Hall-Revue oder im Film gefragt ist. Rota (1911 – 1979) liebte den opulenten und nicht ganz kitschfreien Klang von Puccini, Milhaud (1892 – 1974 ) orientierte sich eher an der eisigen Scharfkantigkeit von Strawinsky. Dirigent Peter Rundel hatte mit dem Münchner Rundfunkorchester eine gute Hand für beide Stilrichtungen.

Bei Grün über die Milchstraße

Insgesamt hätte der knapp zweistündige Abend deutlich humorvoller sein können, schließlich wird ein etwas verklemmter Liebhaber ausgerechnet von einer altersschwachen Jalousie niedergestreckt und dadurch so verwirrt, dass er glatt die falsche Frau heiratet. Und das groteske Schauer-Drama einer Matrosenliebe hätte auch mehr Ironie vertragen. Librettist Jean Cocteau war ja geradezu besessen von der Erotik der Seefahrt und bekanntlich wurde diese Leidenschaft geradezu unverzichtbar für das moderne Marketing, sonst würden heutzutage nicht so viele Parfüms mit der Sehnsucht „nach See, nach Salz und Teer“ verkauft.

Großartig auf jeden Fall die raumfüllenden Stimmen der jungen Solisten, die sich in keiner Weise schonten. Ihr beschwingter Enthusiasmus kontrastierte wunderbar mit dieser inszenatorischen Maloche. Die ganze grellbunte, glamouröse Absurdität in Kombination mit „Kosmologie“ hatte durchaus was von den Filmen Federico Fellinis, schließlich schrieb Nino Rota die Musik zu dessen oscar-prämiertem Drama „Achteinhalb“. Wer sich diesen Abend anschaut, darf sich danach den Sternenstaub von der Schulter klopfen und bei Grün die Milchstraße queren. Allerdings nicht „freiwillig“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Das verhüte die Physik!

Weitere Vorstellungen am 20., 22., 24. und 26. März 2026 im Prinzregententheater München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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