BTS ist eine Band der Superlative: In den 2010ern dominierte sie die K-Pop-Branche, eroberte den Mainstream und wurde zu einer der erfolgreichsten Bands weltweit. 2022 war dann plötzlich Schluss, denn auch für Popstars gilt in Südkorea die Wehrpflicht. Dort müssen Männer einen 18 bis 21 Monate langen Militärdienst leisten. Das zwang die Band von 2022 bis 2025 zu einer Pause. Doch das Warten hat jetzt ein Ende: Das neueste Album „Arirang“ ist am 20. März um fünf Uhr deutscher Zeit erschienen.
Die Band befindet sich an einem spannenden Moment in ihrer Karriere. Die sieben Mitglieder haben als Teenager angefangen, ihr Comeback machen sie jetzt als Erwachsene. Nach jahrelanger Pause sind die Erwartungen riesig. Und musikalisch knüpft BTS zumindest nicht nahtlos an alte Erfolge an.
Neue Produzenten, alter Klang
„Arirang“ klingt mutiger als die letzten BTS-Singles. Hin und wieder traut sich ein Song sogar, den Hörer herauszufordern. So etwa der Track Hooligan, der mit rhythmischem Messerwetzen beginnt. Bemerkenswert ist auch der Anfang von „Into the Sun“. Jung Kook singt dort mit stark verzerrter Stimme, die an das Gitarrenintro von Prince‘ „Purple Rain“ denken lässt.
Ein wenig erinnern die Hip-Hop Einflüsse und die energiegeladenen Songs von „Arirang“ auch an den frühen BTS Sound. Zu Beginn ihrer Karriere klang die Band noch weniger glatt, arbeitete zum Beispiel auch mit Rap-Elementen. Gerade in den ersten 15 Minuten des neuen Albums kommen diese wieder zur Geltung.
„Arirang“ ist also ein experimentierfreudiges Album. Und das mag auch mit den Produzenten zu tun haben. BTS hat unter anderem mit Diplo und El Guincho zusammengearbeitet. Die beiden haben mit ihren Produktionen für Major Lazer, Rosalia und Charlie XCX gezeigt, dass sie den Zeitgeist nicht nur gut erfassen, sondern selbst prägen können.
Viele Hommagen an koreanische Kultur
Kurz vor ihrer großen Pause machte BTS sehr eingängige Musik. Sie folgte einem sicheren, wenn auch nicht besonders spannenden Erfolgsrezept. Die Singles „Butter“ und „Permission to Dance“ waren reiner Disco-Pop, der gerade auf dem US-amerikanischen Markt gut ankam. Dafür gab es Kritik in der Heimat. Die Musik von BTS sei zu englisch und zu wenig koreanisch, hieß es.
In Korea ist man zwar stolz, wenn Stars international erfolgreich sind, den Bezug zur Heimat sollten sie aber nicht verlieren. Mit dem neuen Album setzt BTS ein Zeichen: Die koreanischen Einflüsse ziehen sich hörbar durch das gesamte Werk. Das beginnt schon beim Albumtitel. „Arirang“ ist der Name eines beliebten koreanischen Volkliedes. Es gilt auch als inoffizielle Nationalhymne des Landes.
Das Lied selbst hat die Band geschickt in den ersten Song eingebaut. Wer bei „Body to Body“ genau hinhört, erkennt die „Arirang“-Gesänge im Hintergrund, ehe Bandmitglied RM skandiert: „I need the whole stadium to jump!“. Das ist ein kleiner Gänsehautmoment, der bei Konzerten sehr gut funktionieren dürfte.
Konzerte in München bereits ausverkauft
Ebenfalls sehr stimmungsvoll ist der Schlag der Heiligen Glocke des Großkönigs Seongdeok. Die Glocke ist ein Nationalheiligtum. Ihr Gong darf bei BTS anderthalb Minuten ausklingen, ein schöner, stiller Moment mitten im Album.
Man kann dieses Comeback also auch als den Versuch von BTS lesen, den Spagat zwischen dem internationalen Erfolg und ihren K-Pop-Anfängen zu meistern. Trotz der koreanischen Elemente sind die Texte weiterhin größtenteils auf Englisch. So gesehen ist „Arirang“ sowohl ein Neuanfang als auch eine Rückkehr zu den Wurzeln von BTS. Ab April ist die Band mit dem neuen Album auf Tour. Im Juli macht BTS auch in München Halt, beide Konzerte sind bereits ausverkauft.

